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Ende einer Ära: Wie es zum Rücktritt von Reiner Haseloff am Mittwoch kam

Porträt

Reiner Haseloff macht Schluss: der Letzte seiner Art

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    Dienstältester Ministerpräsident: Reiner Haseloff hat Sachsen-Anhalt fast 15 Jahre lang regiert.
    Dienstältester Ministerpräsident: Reiner Haseloff hat Sachsen-Anhalt fast 15 Jahre lang regiert. Foto: Klaus-Dietmar Gabbert, dpa

    Man tritt Reiner Haseloff nicht zu nahe, wenn man so nüchtern, wie er selbst stets seines Amtes waltete, feststellt, dass dieser Mann nicht durch großes Charisma oder brillante Reden in Erinnerung bleiben wird. An diesem Mittwoch geht der dienstälteste Ministerpräsident der Republik von der Brücke. Unprätentiös hat er regiert in Sachsen-Anhalt. Fast 15 Jahre lang, skandalfrei und weitgehend schlagzeilenlos. Dass ausgerechnet seine politische Rente mit fast 72 nun bundesweit solche Schlagzeilen produziert, liegt daran, dass der gebürtige Wittenberger so etwas wie der letzte seiner Art ist.

    Reiner Haseloff machte sich zur Stimme der Ostdeutschen

    Haseloff war keiner der Ministerpräsidenten, die stets nach noch Höherem strebten. Er hatte seinen Platz gefunden. Und er machte sich zur Stimme des Ostens. Nicht aus karrieretechnischen Gründen, sondern weil er das Gefühl hatte, dass die Menschen in Sachsen-Anhalt, Thüringen oder Brandenburg sonst kaum gehört wurden. Als andere in Talkshows forderten, man müsse „die Sorgen der Bürger ernst nehmen“, hat Haseloff das nicht gefordert, sondern einfach gemacht. Der CDU-Politiker scheute sich dabei auch nicht, Kanzlerin Angela Merkel kontra zu geben. Gerade wegen dieser Unverstelltheit kamen die beiden Ostdeutschen gut miteinander aus. Als einer der ersten prominenten Unionsleute sprach Haseloff über die Grenzen der Belastbarkeit in der Flüchtlingspolitik. Weil er früher als andere die gesellschaftliche Sprengkraft erkannte.

    Seine letzte Mission: Die AfD von der Macht fernzuhalten

    Die AfD von der Macht fernzuhalten, das wurde zu seiner letzten Mission. Es war aber nicht (nur) der Machterhalt, der ihn antrieb, sondern die feste Überzeugung, dass die Rechtsradikalen Sachsen-Anhalt ins Verderben führen würden. „Dies ist mein Heimatland, das werden Sie nicht verhunzen!“, hielt er den AfD-Abgeordneten im Landtag trotzig entgehen und dachte in einem Interview sogar darüber nach, schlimmstenfalls wegzuziehen: „Wenn die AfD zur Macht käme, dann wäre für mich wirklich die Grundsatzüberlegung, ob ich nach 72 Jahren meine Heimat verlassen würde.“ Und so ist sein vorzeitiger Abgang als Ministerpräsident auch vor allem dem Ziel geschuldet, die Chancen seines Nachfolgers bei der Landtagswahl im September zu verbessern. Der bisherige Wirtschaftsminister Sven Schulze soll Zeit bekommen, sich als Regierungschef zu profilieren. Womöglich könnte der Amtsbonus am Ende den Ausschlag geben, so das Kalkül.

    Ob die CDU das Ruder noch herumreißen kann, erst recht ohne ihren populären Landesvater, ist mindestens fraglich. In Umfragen liegt die AfD seit Monaten um die 40 Prozent und damit weit vor der CDU. Haseloff hat zwar halbwegs geräuschlos unterschiedlichste Koalitionen zusammengezimmert. Kein Vergleich allerdings zu dem, was auf Schulze zukommen könnte. Um den letzten Wunsch seines Vorgängers zu erfüllen und einen AfD-Ministerpräsidenten zu verhindern, bleibt ihm womöglich nur ein ziemlich wildes Bündnis mit dem linken Lager aus SPD, Linken und BSW.

    Trockener Konter auf Markus Söders Vorschlag

    Haseloff wird das in der Rolle des Elder Statesman verfolgen. Er ist nicht der Typ für ungebetene Ratschläge vom Spielfeldrand. Er weiß schließlich, wie sich das anfühlt, wenn andere glauben, alles besser zu wissen. Als der bayerische Kollege Markus Söder neulich über eine Zusammenlegung von Bundesländern philosophierte, konterte er mit Blick darauf, dass ausgerechnet Bayern auf Energie aus anderen Ländern angewiesen ist: „Bis die Verfassung geändert ist, versprechen wir trotzdem, solidarisch wie wir sind, dass wir weiterhin München, die Staatskanzlei und Bayern nicht ohne Strom lassen, sodass sie also auch weiterhin gut versorgt sind.“

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