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Florian Dorn: Wie schlägt man sich als neuer Abgeordneter durch?

Memmingen/Unterallgäu

Wie schlägt man sich als neuer Abgeordneter durch, Herr Dorn? 

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    Neu im Bundestag: Florian Dorn, CSU
    Neu im Bundestag: Florian Dorn, CSU Foto: Deutscher Bundestag

    Unter den Bundestagsabgeordneten ist das Gebäude mit der Adresse „Unter den Linden 71“ in Berlin nicht allzu beliebt. Es liegt zwar direkt neben dem berühmten Hotel Adlon, die Wege in den Plenarsaal und die Ausschüsse aber sind weiter als aus den Büros direkt am Reichstag, es gibt keinen unterirdischen Tunnel, der einen an nassen Tagen vor Regen schützt, und das Ambiente in den Gängen und vor den Aufzügen ist weit weniger repräsentativ als in den anderen Parlamentsbauten. Dafür haben hier einige Menschen ein politisches Austragsstüberl gefunden, die die deutsche Politik über Jahre, wenn nicht Jahrzehnte geprägt haben – Angela Merkel, zum Beispiel, oder der frühere Bundespräsident Christian Wulff. Auch Helmut Kohl saß als Altkanzler hier.

    Dorn muss erstmal sein Büro aufbauen: Möbel, Mitarbeiter, Termine organisieren

    Florian Dorn hat unter den Linden 71 jetzt ebenfalls sein Büro: 39 Jahre jung, CSU-Mitglied seit 2011, promovierter Ökonom, verheiratet, zwei Kinder. An einem sonnigen Vormittag sitzt er in seinem noch etwas provisorisch eingerichteten, aber schon kräftig aufgeheizten Besprechungszimmer im ersten Stock und erzählt von seinen ersten Wochen als Abgeordneter, in denen er sich häufig wie der Gründer eines Start-Up-Unternehmens fühlt: Ins kalte Wasser geworfen, um schnell schwimmen zu lernen. Andere Kollegen übernehmen von ihren Vorgängern Mitarbeiter und Wahlkreisbüros, er dagegen hat keinen Vorgänger, weil sein Wahlkreis Memmingen/Unterallgäu zur Bundestagswahl erst neu geschaffen wurde. „Ich habe mir alles selbst aufbauen müssen“, sagt Dorn. Das heißt: aus mehr als 100 Bewerbungen fünf Mitarbeiter aussuchen, die zu ihm und zu seinen Themen passen, sich um Möbel und die Post kümmern und natürlich darauf achten, dass er auch politisch schnell Fuß fasst. „Ich will hier nicht einfach nur mitlaufen“, sagt er selbstbewusst.

    Die Regie der Fraktion hat den Neuen wunschgemäß in den Finanzausschuss und eher unerwartet auch noch in den Verteidigungsausschuss des Bundestages geschickt – ausgerechnet ihn, der nicht gedient und lieber Zivildienst geleistet hat. „Heute sehe ich das anders“, sagt Dorn. „Die Zeit hat sich komplett geändert.“ Er spielt mit dem Gedanken, an einer speziellen Wehrübung für Abgeordnete teilzunehmen, zumal ihm das Thema Verteidigung auch nicht ganz fremd ist. Für die Münchner Sicherheitskonferenz etwa, erzählt er, habe er schon als junger Ökonom wissenschaftliche Analysen geschrieben und verschiedene Veranstaltungen am Rande des großen Treffens organisiert.

    Ein Abgeordneter im Fokus

    Mit dem neuen Wahlkreis Memmingen-Unterallgäu hat unsere Region auch einen neuen Bundestagsabgeordneten bekommen: Florian Dorn, 39, promovierter Ökonom, CSU. Wir werden ihn in den kommenden vier Jahren durch diese Wahlperiode begleiten. Teil 1, Ankommen in Berlin.

    Seine Antrittsrede im Bundestag hält Dorn bereits Anfang Juni – eine Replik auf einen Antrag der AfD, den Solidaritätszuschlag nun auch für Gut- und Besserverdiener abzuschaffen. Obschon in wirtschaftspolitischen Fragen eher liberal eingestellt, lehnt Dorn das ab: „Die Abschaffung des Solis ist in dieser Phase nicht der drängendste Impuls.“ Schließlich würden dadurch jedes Jahr fast 13 Milliarden Euro an Steuereinnahmen fehlen. Wort- und zahlenreich verteidigt er den Kurs der Regierungsparteien. Am Ende muss ihn Bundestagsvizepräsident Bodo Ramelow freundlich, aber bestimmt bremsen. Auch ein Novize hat sich an die Regeln und die Redezeiten zu halten. „Herr Dr. Dorn“, ermahnt Ramelow den Neuen daher, „auch die erste Rede neigt sich dem Ende zu …“

    Beim ersten Treffen mit unserer Redaktion, Mitte März in Bad Wörishofen, ist Florian Dorn zwar schon gewählt, aber noch kein Abgeordneter, weil der neue Bundestag sich erst im Mai konstituiert. Den ersten kleinen Realitätsschock allerdings hat er da schon hinter sich, er kommt gerade mit etwas Verspätung aus einer nahegelegenen Papierfabrik, in der ein größerer Stellenabbau droht. Kann der örtliche Abgeordnete da nicht helfen? Zuhören, die Sorgen der Betroffenen ernst nehmen, wo möglich vermitteln: Wer in vier Jahren wiedergewählt werden will, darf vieles, nur seinen Wahlkreis nicht vernachlässigen. Auch deshalb eilt Dorn nach einer Stunde gleich weiter zum nächsten Termin – zur örtlichen CSU. „Ich möchte mir hier langfristig etwas aufbauen“, sagt er. Das schließt Bürgersprechstunden ebenso ein wie regelmäßige Besuche auf Feuerwehrfesten, bei Sportvereinen und Bauerntheatern. Abgeordnetenalltag.

    Warum hat sich Dorn für Politik entschieden? Es gab auch andere Karriere-Optionen

    Ehe er sich für die aktive Politik entschied, hat Dorn als Wirtschaftsforscher und Politikberater am Münchner ifo Institut gearbeitet, unter anderem als persönlicher Referent des Präsidenten Clemens Fuest. Er hat Forschungspreise und Stipendien erhalten und sich bei der Weltbank weitergebildet. Üblicherweise beginnen so vielversprechende wissenschaftliche Karrieren. Florian Dorn allerdings hat sich, wie er selbst sagt, für einen Spurwechsel entschieden. „Ich sitze jetzt auf der anderen Seite“, schmunzelt er, als er von einer Anhörung im Finanzausschuss berichtet, bei der er nicht mehr wie früher einer der geladenen Experten war, sondern einer der einladenden Abgeordneten. Nun muss er nicht mehr die Politik überzeugen, sondern die Experten ihn, den Rookie.

    Inzwischen ist Florian Dorn in Berlin angekommen. Die ersten Wochen waren beschwerlich, was auch an der alles andere als flott arbeitenden Bundestagsverwaltung lag. Obwohl das Parlament jetzt 105 Abgeordnete weniger hat, mussten viele neue Mitglieder sich zunächst in Übergangsbüros einquartieren, zeitweise zu viert in einem Raum, denLaptop auf den Oberschenkeln. „Das dauert hier alles ewig“, seufzt Dorn. Die Politik als permanentes Provisorium? Er selbst lebt noch im Hotel, wenn er zu Sitzungswochen in die Hauptstadt kommt. Aber das, sagt der Schwabe in ihm, sei ja auch nicht teurer als eine Wohnung in Berlin-Mitte. Und nachdem er Unter den Linden 71 auch schon Angela Merkel kurz im Aufzug getroffen hat, hat er sich auch mit seiner Büro-Bleibe arrangiert.

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