Reist er oder reist er nicht? Nicht einmal Donald Trump wusste es. Als Reporter der New York Post ihn am Montag danach fragten, behauptete der Präsident, JD Vance sei bereits auf dem Weg nach Islamabad. Eine glatte Falschaussage, wie sich kurz darauf herausstellte. Statt zu Verhandlungen mit dem Iran landete der US-Vizepräsident mit seinem Tross nicht in Pakistan, sondern im Weißen Haus.
Die Mitarbeiter des Präsidenten beeilten sich, Trumps Aussagen zu korrigieren. Vance werde nun voraussichtlich am Dienstag abreisen. Sicherheitshalber verlängerte Trump die zweiwöchige Waffenruhe mit dem Iran um 24 Stunden bis „Mittwochabend Washingtoner Zeit“, um die Verhandlungen überhaupt noch möglich zu machen.
Für JD Vance fing der Auftrag nicht gut an
Für Vance fing nicht gut an, was nach Ansicht von Experten ohnehin wie eine „Mission Impossible“ aussah. Der Vizepräsident soll unter Hochdruck einen „Deal“ mit dem Iran verhandeln, der seit 47 Jahren unüberbrückbare Gegensätze mit den USA hat. Und das mit einem Verhandlungsteam, dem jede Erfahrung im Umgang mit dem Mullah-Regime fehlt.
Wendy Sherman weiß, wie schwer solche Verhandlungen sind. Als stellvertretende Außenministerin spielte sie eine Schlüsselrolle bei den zweijährigen Verhandlungen über das Atomabkommen von 2015. Sie hält es für „schwer vorstellbar“, dass Vance, Sondergesandter Steve Witkoff und Jared Kushner ohne Expertenstab und professionelle Diplomaten an ihrer Seite in so kurzer Zeit erfolgreich sein können.
Bei den Iranern hat die US-Delegation keine Glaubwürdigkeit
Trumps Verhandlungsteam reist mit leichtem Gepäck. Kein Expertenstab, kaum Briefings. Kushner und Witkoff haben ihr Verhandlungsgeschick im New Yorker Immobiliengeschäft gelernt. Zudem fehlt ihnen bei den Iranern jegliche Glaubwürdigkeit. Zweimal zuvor hätten die USA den Iran während laufender Verhandlungen angegriffen.
Dass Vance ein B-Team anführt, Außenminister Marco Rubio nicht einmal am Rande eine Rolle spielt und sie in Islamabad potenziell auf iranische Verhandler treffen, die jedes Detail des mehr als 160 Seiten starken Atomabkommens kennen, gibt dem Iran nach Ansicht von Trumps ehemaligem nationalen Sicherheitsberater John Bolton einen klaren Vorteil. „Sie erkennen, dass Trump da rauswill“, sagt Bolton gegenüber CNN. „Sie riechen Panik im Weißen Haus.“
Tatsächlich entstand in der Öffentlichkeit zuletzt der Eindruck, dass es Trump eilig hat, einen Krieg zu beenden, der in den USA höchst unbeliebt ist und ihm politisch gefährlich wird. Daran ändern auch seine martialischen Drohungen wenig. Zumal seine Glaubwürdigkeit durch widersprüchliche Aussagen schwer gelitten hat. So verkündete Trump vergangenen Freitag, die Iraner hätten bereits „allem zugestimmt“, einschließlich der Herausgabe ihres „nuklearen Staubs“ – nur um dann von iranischen Offiziellen bloßgestellt zu werden. Trump habe sich alles ausgedacht, verlautete aus Teheran.
Trump untergrub die Autorität seines Vizes
Dass der US-Präsident Vance nach der ersten gescheiterten Verhandlungsrunde unterminierte, bringt diesen als Verhandlungsführer in eine schwache Position. Trump hatte der New York Post gesagt, das vom Vizepräsidenten verhandelte 20-jährige Moratorium bei der Anreicherung von Uran sei nicht akzeptabel.
Bolton hält die Entsendung von Vance von Anfang an für einen Fehler. „Wenn wir schon einen hochrangigen Vertreter schicken wollten, hätte es der Außenminister sein sollen, nicht der Vizepräsident und nicht zivile Freiwillige.“ Trump selbst hatte erklärt, er würde „liebend gern persönlich teilnehmen“. Doch er reist definitiv nicht nach Pakistan. Vielleicht ahnt er, wie unmöglich die Aufgabe ist, mit der er seinen Vizepräsidenten betraut hat.
Um kommentieren zu können, müssen Sie angemeldet sein.
AnmeldenSie haben noch kein Konto? Kostenfrei registrieren