Die Bundesregierung steckt in einem Dilemma: Um zu zeigen, dass etwas vorangeht, muss sie zwischendurch im Scheinwerferlicht der Öffentlichkeit ihre Pläne ausbreiten, wie Deutschland wieder in die Spur kommen könnte. Das bedeutet aber auch, dass ständig über einzelne Maßnahmen diskutiert, gestritten, geschimpft wird, noch bevor das große Ganze auf dem Tisch liegt. Und genau um das große Ganze geht es doch.
Es geht um Gerechtigkeit, nichts anderes
Dieses Land braucht grundlegende Reformen. Die meisten Menschen spüren das, viele sind bereit, dafür Opfer zu bringen. Aber eben nur dann, wenn sie das Gefühl haben, dass nicht sie alleine mit Einschnitten klarkommen müssen. Und damit sind wir beim Problem der Regierung: Jede einzelne Belastung trifft einzelne, die dann logischerweise fragen: Was ist mit den anderen? Und der Kanzler schafft es einfach nicht, einen Eindruck davon zu vermitteln, wie alle in die Verantwortung genommen werden können. Es geht um Gerechtigkeit, um das Gefühl von Gerechtigkeit, nichts anderes.
Friedrich Merz inszeniert sich ja gerne als Krisenmanager, der das Land wieder in Ordnung bringt. Nun fliegt er auf. Als einer, der eben keinen Sanierungsplan hat, stattdessen hier ein Loch flickt, dort etwas notdürftig zusammenschweißt und nebenbei schauen muss, dass ihm nicht der ganze Laden um die Ohren fliegt. Um ihn selbst zu zitieren: Er wirkt in diesen Tagen wie ein Klempner der Macht.
Nun muss Merz beweisen, ob er es besser kann als Scholz
So hatte Merz einst als Oppositionschef den damaligen Bundeskanzler Olaf Scholz bezeichnet. „Sie sind ein Klempner der Macht. Ihnen fehlt jede Vorstellung davon, wie dieses Land sich in den nächsten Jahren weiterentwickeln soll“, sagte der CDU-Vorsitzende damals. Nun muss er beweisen, ob er selbst eine solche Vorstellung hat. Viel Zeit bleibt ihm nicht.
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