Einen „Test für das neue Syrien“ nannte Übergangspräsident Ahmed al-Scharaa die aufflackernden Kämpfe mit Anhängern des gestürzten Langzeitdiktators Baschar al-Assad. Das klingt harmloser, als die Lage tatsächlich ist. Denn die Gefechte und die offensichtlich von islamistisch-sunnitischen Milizen verübten Massaker an Angehörigen der religiösen Minderheit der Alawiten, zu denen auch Assad gehört, könnten die zarten Hoffnungen auf eine bessere Zukunft des Landes nach nur wenigen Monaten schon wieder pulverisieren.
Zwar ist die Wahrscheinlichkeit, dass die alawitischen Rebellen eine Wiederauferstehung des kriminellen Folterregimes erzwingen können, gering. Doch die Gefahr, dass das Land mit seinen unzähligen Milizen, einer Vielzahl religiöser und ethnischer Minderheiten und jeder Menge offener Rechnungen erneut in einer Woge aus Chaos und Gewalt untergeht, ist real.
Die Kernfrage ist, ob Ahmed al-Scharaa willens und in der Lage ist, alle Akteure seiner heterogenen Allianz zu kontrollieren. Gelingt es ihm nicht, die Kämpfe in kurzer Zeit für sich zu entscheiden und die Zivilbevölkerung vor mordenden sunnitischen Terroristen zu schützen, kann er kein Partner für die EU sein. Dann bleibt Syrien eine Hölle auf Erden.
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