Der Stolz auf der eigenen Hände Arbeit ist in den letzten Jahren hierzulande außer Mode gekommen. Die Gesellschaft hängt andere Werte höher: Achtsamkeit, Auszeiten und die richtige Balance zwischen Arbeit und Freizeit gelten als erstrebenswerter als Karriere und Maloche. Mitte 30-Jährige verabschieden sich für ein Jahr in ein Sabbatical, um auf Weltreise zu gehen. Früher war das für wenige die Krönung eines langen Arbeitslebens.
Die Ursache für diese Werteverschiebung ist eine historisch seltene Situation: Wegen der Alterung der Gesellschaft sind Arbeitskräfte knapp. Und aus Angst vor Personalmangel saugten sich die Firmen mit Mitarbeitern voll, obwohl die Wirtschaft schlecht lief. Arbeitslosigkeit war ein Wort von gestern, die Beschäftigten konnten die Bedingungen diktieren.
Deutschland produziert zu teuer
Durch den Wegfall billiger Energie aus Russland und den Fortschritt Chinas geht die Rechnung nicht mehr auf. Seit vergangenem Jahr bauen die Aushängeschilder der deutschen Unternehmen hunderttausende Stelle ab: VW, Daimler, Bosch, ZF, Bayer und viele mehr. Die Sorge vor Arbeitslosigkeit kehrt zurück. Das ist nichts Schönes, kann aber den Blick dafür schärfen, dass sich etwas ändern muss. Deutschland ist nicht mehr wettbewerbsfähig, ein Faktor sind die Lohnkosten. Kurze Arbeitszeiten, viele Feier- und Urlaubstage und vergleichsweise viele Krankentage summieren sich mit stark steigenden Sozialbeiträgen für Rente, Gesundheit und Pfleger zu einer unguten Kalkulation.
Diese kann man durch längere Arbeitszeiten und die Streichung von Feiertagen aufhübschen. Ohne eine Reform des Gesundheits- und Rentensystems wird die Rechnung aber nicht positiv. Union und SPD schieben die Verantwortung auf Kommissionen, die im Nirvana enden werden. Das jedenfalls lehrt die Erfahrung. Die SPD will keine Einschnitte, doch Friedrich Merz braucht sie zum Regieren. Harte Arbeit – sie steht auch ihm bevor.
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