Newsticker
Erster Prozess: 21-jähriger Russe wegen Kriegsverbrechen zu lebenslanger Haft verurteilt
  1. Startseite
  2. Politik
  3. Kommentar: So lässt sich die Spaltung der Gesellschaft verhindern

So lässt sich die Spaltung der Gesellschaft verhindern

Kommentar Von Michael Stifter
23.01.2022

Noch ist es nur eine lautstarke Minderheit, die immer aggressiver gegen die Corona-Regeln protestiert. Was die Regierung tun muss, damit das so bleibt.

Man könnte es sich ganz einfach machen und feststellen, dass von einer Spaltung der Gesellschaft gar keine Rede sein kann – allenfalls von der Abspaltung einer kleinen, sich selbst radikalisierenden Minderheit. Einer wild zusammengewürfelten Gruppe von Menschen, die nicht nur ein Misstrauen gegen die Corona-Maßnahmen hegen, sondern gegen die Wissenschaft, den Staat und die Politik insgesamt. Frauen und Männer, die kein Problem damit haben, an der Seite von gewaltbereiten Extremisten zu „spazieren“. Kurzum: Menschen, die mit Argumenten ohnehin nicht mehr erreichbar sind.

Denn es stimmt ja, die große Mehrheit der Deutschen hat sich impfen lassen, um sich und andere zu schützen. Die große Mehrheit hat die massiven Einschränkungen im Kampf gegen die Pandemie mitgetragen und Rücksicht genommen. Am besten also den Krakeelern gar keine Beachtung schenken, denen an einer konstruktiven Auseinandersetzung sowieso nichts liegt.

 

Aber so einfach dürfen wir es uns nicht machen. Denn diese Mehrheit bröckelt. Viele haben die Maßnahmen stets mehr ertragen als getragen. Viele zweifeln, erwarten mehr Erklärung und vor allem, dass die Einschränkungen immer wieder mit Blick auf Logik, Angemessenheit, Gerechtigkeit und ihre Wirksamkeit überprüft werden. Viele sind müde und erschöpft, manche verzweifelt. Und damit anfällig für die vermeintlich einfachen Antworten von Populisten und Demagogen, denen es oft nur vordergründig um Kritik an der Corona-Politik geht.

Deutsche sorgen sich um gesellschaftlichen Zusammenhalt

Noch behalten sie die Nerven, noch herrscht in weiten Teilen der Bevölkerung die Einstellung, dass wir da jetzt alle gemeinsam durchmüssen. Doch in dieses Durchhalten mischen sich auch Resignation und Ärger.

Auch wenn die Wut tatsächlich nur von einer Minderheit ausgeht, so haben doch 72 Prozent der Deutschen das Gefühl, dass der gesellschaftliche Zusammenhalt in der Pandemie gelitten hat. Das hat eine aktuelle Forsa-Umfrage ergeben. Diese womöglich gefährlichste Corona-Langzeitfolge sollten die politisch Verantwortlichen nun viel stärker in den Blick nehmen. Sie müssen mehr denn je von ihrem Kurs überzeugen.

Zu Beginn der Pandemie blieb uns nichts anderes übrig, als mit allen Mitteln zu arbeiten. Doch heute, da wir viel mehr darüber wissen, welche Mittel wirken und welche nicht, ist es befremdlich, dass Deutschland laut einer Studie so viele verschiedene Corona-Vorschriften hat wie kein anderes Land der Welt. Das wirft Fragen auf – auch bei der geduldigen Mehrheit.

Lauterbach erklärt viel, aber vermittelt keine Botschaften

Hinzu kommt, dass weitreichende Entscheidungen teilweise miserabel erklärt werden. Wenn das Gesundheitsministerium quasi über Nacht festlegt, der Status „genesen“ gelte ab sofort nur noch halb so lange wie bisher, mag es plausible Gründe dafür geben, aber die müssen dann eben auch genannt werden. Andernfalls erodiert das Vertrauen und all jene fühlen sich bestätigt, die von willkürlichen Maßnahmen schwafeln.

 

Der zuständige Minister Karl Lauterbach versucht ja unentwegt, uns an seinen Gedankengängen teilhaben zu lassen. Das ist im Prinzip gut. Doch bisweilen gehen bei der Vielzahl an Wortmeldungen entscheidende Informationen unter. Für viele Menschen wäre es hilfreicher, die Beweggründe für wirklich wichtige Weichenstellungen zu erfahren, anstatt quasi in Echtzeit dabei zu sein, wie die Regierung ihren Kurs nachjustiert.

Wer verhindern will, dass die Gesellschaft auseinanderdriftet, muss es der vernünftigen Mehrheit möglichst leicht machen, sich den destruktiven Verschwörungsideologen und Demokratieverächtern selbstbewusst und mit guten Argumenten entgegenzustellen.

Hören Sie sich dazu auch unseren Podcast an. In der aktuellen Folge spricht eine Betroffene über ihre Long-Covid-Erkrankung – und über den mühsamen Weg zurück in ein normales Leben.

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

24.01.2022

Ich gebe Herrn Wolfgang B. recht, die Spaltung ist vorhanden.
Und es braucht sich keiner von den Querdenkern einbilden, dass Sie keine Mitschuld haben. mMn sogar eine sehr große.
Kritische Ansichten sind völlig in Ordnung, aber dieses radikale Auftreten einiger und deren Duldung durch die Gemäßigten hat den Graben teilweise ins Bodenlose vertieft.
Ich bin seit zwei Wochen in Querdenker-Chats unterwegs, weil ich auch mal die Argumente der anderen Seite hören wollte. Ich dachte, so schlimm kann es nicht sein, wir kommen ja alle aus einem Land und haben den gleichen Bildungsstandart. Die ganzen Radikalen sind sicherlich die Minderheit, auch in den Querdenker-Chats. Sehr naiv von mir. Die erschreckende Wahrheit lässt mich nicht mehr los. Ich bin schockiert über soviel Hass, soviel Verschwörungsglauben, sowie Halb- und Unwissen, soviel Lügen, Rassismuss und Umsturzfantasien. Und immer wieder wird dieses System befeuert von einigen wenigen, die durch Videos ihre Selbstinszenierungen zelebrieren und weiter Hass, Lügen und Zweifel säen. Gestütz wird das Gnaze aber vorallem von der schweigenden Mehrheit (der Querdenker) die brav jeden Montag die Fantasien der Radikalen beflügeln und ihnen eine Mehrheit im Volk vorgaukeln!
Wer mir nicht glaubt, verschließt entweder seine Augen oder war noch nie auf einschlägigen Chat-Kanälen unterwegs. Und ich rede hier von öffentlich zugänglichen Chats mit mehreren tausend Teilnehmern. Will garnicht wissen was in den privaten Chats alles geschrieben wird...
Es gibt keinen Riss, wir stehen bereits vor einem Abgrund! (Entschuldigung, aber ich bin desillusioniert.)

Permalink
24.01.2022

Ich bin entsetzt auf welchen Kanälen Sie unterwegs sind. Sie sind wohl genau in den extrem Kanälen gelandet und es ist richtig, einige wenige versuchen immer Stimmung zum extremen zu machen aber die werden meist ignoriert oder zurechtgewiesen. Einfach mal heute oder am Samstag mit den Menschen Sprechen die für Frieden, Freiheit und Selbstbestimmung laufen sprechen. Sie werden keine Verquertdenker, Rassisten oder Rechte sehen. Alles normale Menschen und wenn Sie feststellen das die Menschen eine völlig andere Meinung haben, dann ist das okay. Aber nur aufgrund von Gruppen in einem Chat würde ich nie auf die Allgemeinheit ableiten.

Am Ende wollen wir doch alle unser normales Leben wieder.

Permalink
24.01.2022

"Alles normale Menschen…"

In eine LED-Lichtkette eingewickelt eine Kerze vor sich hertragen und "Friede" Freiheit" skandieren würde ich jetzt nicht unbedingt als "normal" bezeichnen.

Permalink
24.01.2022

Völlig falsche Überschrift. Die Spaltung muß nicht verhindert werden. Sie existiert bereits vielfach. Und ein Zusammenkitten ist auf Jahre hinaus nicht in Sicht. Im Gegenteil: die Risse haben die Tiefe von Gletscherspalten erreicht.

Permalink
24.01.2022

Ein wunderbarer Kommentar. Der gehört eingerahmt und aufgehoben. Wenn irgendwer in hundert oder mehr Jahren mal fragt, was die westlichen Gesellschaften Anfang des 21. Jahrhunderts so zerstört hat, dann kann man diese Selbstdarstellung eines extrem schlichten Weltbildes eines die Regierenden unterstützenden Medienvertreters hervorholen.

Da stehen dem „WIR“ allein: „einer kleinen, sich selbst radikalisierenden Minderheit … Menschen, die mit Argumenten ohnehin nicht mehr erreichbar sind … Krakeeler … denen an einer konstruktiven Auseinandersetzung sowieso nichts liegt …Populisten und Demagogen“ gegenüber die „schwafeln“ über „destruktiven Verschwörungsideologen“ von sich geben und einfach „Demokratieverächter“. Der obligatorisch „Nazi“ wird mir „gewaltbereiten Extremisten“ umschrieben.

Und die „politisch Verantwortlichen“ sollten nur die „die Beweggründe für wirklich wichtige Weichenstellungen“ etwas weniger häufig vortragen, damit ihre Apologeten „gute Argumenten“ in die Hand bekommen. Die scheinen Herrn Stifter dann ja ganz offensichtlich zu fehlen, wenn er sie von den Regierenden so verzweifelt erbittet.

Schon vor ca. 250 Jahren wusste Immanuel Kant „Daß der bei weitem größte Teil der Menschen … den Schritt zur Mündigkeit, außer dem daß er beschwerlich ist, auch für sehr gefährlich halte: dafür sorgen schon jene Vormünder, die die Oberaufsicht über sie gütigst auf sich genommen haben.“
Er hat aber auch einen Königsweg angeboten: „Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit. … Sapere aude! Habe Muth, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen!“

Wer Herrschende, ob nun mit oder ohne Talar, um Argumente anfleht, und Alle auf der selbst entdeckten „anderen Seite“ so dermaßen abwertend subsumiert wie Herr Stifter, hat zum von Kant beschrieben Grundsatz noch einen weiten Weg. Wird es Herr Stifter wohl üschaffen, sich mit denen zu unterhalten, die auf Intensivstation Dienst tun, und sich nicht impfen lassen wollen, mit denen, die Geimpft und trotzdem gegen die Maßnahmen sind, mit denen, deren Job seit 2 Jahren vernichtet ist, mit Kindern und Jugendliche, die die entsprechenden Psychiatrien überfüllen, mit Unternehmer/Innen die nicht mehr unternehmen dürfen, mit Lehrern, die nicht lehren können, um vielleicht all deren Beweggründe zu verstehen oder Verletzungen erfahren zu können? Oder sucht er weiter bei jeder, sein an vorgegebenen „Haltungen“ orientiertem Weltbild, vorgetragenen Kritik nur nach den Nadeln im Heuhaufen, die seine eigene Wahrnehmung von den „Krakelern“ bestätigen?

Vielleicht würde er danach etwas mehr Abwägung bei Entscheidungen, als reproduzierbare „Argumente“ verlangen?

Nein - er teilt sauber zwischen Hell und Dunkel, Gut und Böse und erbittet von der natürlichen dass helle Gute vertretenden Regierung nur, etwas weniger oft, dafür um so intensiver Erklärungen.

Wie gesagt - einrahmen.

Permalink
24.01.2022

Herr Thomas T.,
wenn Sie Hermann Kant zitieren, dann denkt man, hier argumentiert ein Mann, der Herrn Kant ernst
nimmt und seinen Verstand benützt.
Wie Sie unten lesen können, finde ich den Kommentar von Herrn Stifter auch nicht gelungen, wenn auch aus
anderen Gründen wie Sie.
Wenn Sie von unseren Politikern als " Herrschende " sprechen, dann beweisen Sie wieder, dass Sie
noch immer nicht in der parlamentarischen Demokratie angekommen sind.
Wir leben nicht mehr im preußischen Absolutismus oder in der DDR, wo der Begriff " Herrschende " angebracht war.
Wenn Sie schon einfordern, man solle seinen Verstand benützen, warum wenden Sie sich nicht an Querdenker und
Corona Relativierer.
Kant würde sich im Grab umdrehen, wenn er wüsste , wie in seinem Namen unvernünftige , irrationale und
demokratiefeindliche politische Positionen
bezogen werden.

Permalink
23.01.2022

Vielen Dank für den weisen Kommentar, Michael Stifter ! Leider gibt es immer noch so viele Verrückte, die als Impfgegner uns alle
gefährden und die Intensivbetten so belasten, dass lebensnotwendige OPs nicht durchgeführt werden können. Gnadenlose Egoisten,
diese Impfgegner !

Permalink
23.01.2022

".und die Intensivbetten so belasten, dass lebensnotwendige OPs nicht durchgeführt werden können. "

.
11% der Intensivbetten in Deutschland sind momentan von Coronapatienten belegt, Geimpfte und Ungeimpfte!
Der gleiche schwach........e Bericht am Wochenende in der Wertinger Zeitung. Gleich rechts daneben die Corona-Zahlen im Landkreis Dillingen: Corona-Patienten auf den Intensivstationen im Landkreis Dillingen: NULL !!!!

Permalink
23.01.2022

Lieber Willi D., hoffentlich benötigen Sie niemals eine Blutspende oder eine Organspende von jemandem der sich nicht gegen Corona impfen lassen will (in Ihren Augen ein "Impfgegner"). Haben Sie schon mal in Erwägung gezogen, was der Grund sein könnte, dass sich jemand nicht gegen Corona impfen lassen will? Schlechte Erfahrungen in der Verwandschaft mit schwersten Impfnebenwirkungen? Angst vor schwersten Impfnebenwirkungen? Nicht jeder ist ein gnadenloser Egoist.

Permalink
23.01.2022

Ja, auf einmal so viele Lottomillionäre. Selber und in der Verwandtschaft Corona machts möglich...

Permalink
24.01.2022

Ich würde ihnen ganz dringend empfehlen einfach mal am Montag oder Samstags mit den Menschen zu sprechen.

Permalink
23.01.2022

Sehr geehrter Herr Stifter,
was wollen Sie uns mit Ihrem Kommentar mitteilen ?
Welche " Botschaft " soll Herr Lauterbach denn verkünden ?
" Dass alles nicht so schlimm ist ! "
Natürlich kann man über einzelne Maßnahmen streiten, ob sie angemessen oder richtig sind, aber jeder der sich darüber informieren
will, kann das auch.
Was sind Ihrer Meinung nach gute Argumente ?
Die kann man doch seit 2 Jahren in seriösen Medien und von Wissenschaftlern tagtäglich lesen und hören.
Dass der Zusammenhalt in der Gesellschaft schwindet, ist weder die Schuld der Politik noch der Bürger.
Schuld ist dieser verdammte Virus.

Permalink