Geradezu stoisch hat der Bundeskanzler die Debatten rund um Waffenlieferungen an die Ukraine in den vergangenen Wochen ausgesessen. Hier ein paar Panzerhaubitzen als Zugeständnis, dort eine finanzielle Hilfszusage an die Regierung in Kiew. In den vergangenen Tagen wurde das Drängen um ihn herum erkennbar leiser.
Gerade einmal aus der Union gibt es noch Versuche, Scholz anzutreiben, doch sie laufen erkennbar ins Leere. Zufall ist das kaum: Je lauter die Diskussion über Gas-Engpässe, kalte Heizungen und explodierende Energiekosten ist, umso leiser werden die Solidaritätsbekundungen in Richtung Ukraine.
Dilemma in der Gaskrise: Sollen wir dem Erpresser nachgeben?
Wenn der gesellschaftliche Frieden in Deutschland bedroht ist, rückt der Krieg im Osten in weite Ferne. Für den Kanzler macht das die Situation allerdings keineswegs einfacher. Im Gegenteil. Wer sich jetzt vor Putin in den Staub wirft, wird vielleicht im Winter nicht frieren.
Doch womöglich wird der Preis, den wir für unser Zögern zahlen, eines Tages viel höher sein. Man muss kein Außenpolitik-Experte zu sein, um zu erahnen: Wer dem Erpresser einmal nachgibt, wird ihm so schnell nicht wieder aus den Fängen kommen.