Am Freitag war es 100 Tage her, dass Russland den brutalen Angriffskrieg auf die Ukraine begonnen hat. Ein trauriges Jubiläum, das bereits unzählige Opfer gefordert hat. Ist ein Ende in Sicht? Nach einer Einschätzung der ukrainischen Präsidialverwaltung kann der Krieg noch bis zu einem halben Jahr andauern: "Das kann sich noch zwei bis sechs Monate hinziehen", sagte der ukrainische Präsidentenberater Mychajlo Podoljak im Interview mit dem oppositionellen russischen Online-Portal Medusa am Freitag. Am Ende hänge es davon ab, wie sich die Stimmung in den Gesellschaften Europas, der Ukraine und Russlands verändere.
Und Deutschland? Die jahrzehntelange Unterstützung Russlands durch die deutsche Politik hat dafür gesorgt, "dass Putin eine der gefährlichsten Armeen der Welt hochrüsten konnte". Aufgearbeitet sind all diese vergangenen Entscheidungen bisher nicht ansatzweise, kommentiert Politik-Redakteur Michael Pohl. Langsam wird der Bevölkerung und auch der Regierung bewusst, dass dieser Krieg spürbare Folgen haben wird – auch hierzulande. Denn die massiven Preissteigerungen belasten schon jetzt viele Haushalte und werden sich künftig nicht mehr so einfach mit Steuergeldern ausgleichen lassen.
Der Tag: Beim Kampf um die Stadt Sjewjerodonezk im ostukrainischen Gebiet Luhansk setzte Russland die Angriffe nach ukrainischen Angaben mit Hilfe frischer Reserven fort. "Mit Artillerieunterstützung führt der Feind Sturmhandlungen in der Ortschaft Sjewjerodonezk durch, hat seine Gruppierung mit der mobilen Reserve des 2. Armeekorpus verstärkt, die Kämpfe in der Stadt halten an", teilte der ukrainische Generalstab am Samstag in seinem Lagebericht mit.
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Die Lage: Durch den Krieg fallen ukrainische Getreidelieferungen aus, die vor allem in in Afrika zu Hungernöten zu führen drohen. Der Präsident der Afrikanischen Union (AU), Macky Sall, pochte bei einem Treffen mit Putin darauf, die Blockade der Ausfuhren zu beenden. Seiner Interpretation des Gesprächs zufolge zeigte sich Putin bereit, den Export von Weizen und Düngemitteln auf den afrikanischen Kontinent zu gewährleisten. Er wies aber jede Verantwortung für die Getreideknappheit auf dem Weltmarkt zurück. Die Ukraine solle die Minen vor ihren Häfen an der Schwarzmeer-Küste entfernen. Die russische Armee werde dies nicht für Angriffe ausnutzen, versprach er. Der ukrainische Außenminister Dmytro Kuleba sagte, die Ukraine sei bereit, wieder Getreide über den Hafen Odessa zu exportieren. Es gebe aber keine Garantie Russlands, dies nicht zu einem Angriff zu nutzen. "Wir suchen Lösungen mit den UN und anderen Partnern."
Die Region: Das Unternehmen Rational aus Landsberg hat beschlossen, sich aus dem russischen Markt zurückzuziehen und die dortige Vertriebsgesellschaft bis Ende 2022 zu schließen. Mit der Entscheidung reagiert das Landsberger Unternehmen auf die wirtschaftlichen und politischen Entwicklungen, die der russische Angriffskrieg in der Ukraine zur Folge hat.
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