Papst Leo XIV. ist weit weg von Fulda, wo sich in diesen Tagen die deutschen Bischöfe zu ihrer Herbst-Vollversammlung treffen. Gleichwohl ist er überaus präsent. Weil er am Montag im Vatikan Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier empfing, der ihn in seiner Vermittlerrolle in internationalen Krisen bestärkte und nach Deutschland einlud. Mehr noch, weil er sich, nach Monaten des Schweigens und öffentlichen Rätselratens, erstmals ausführlich zu umstrittenen kirchenpolitischen Fragen positioniert hatte. Umgehend begann das Gezerre. Darum, was er wie gemeint haben könnte. Und wie er die katholische Kirche, innerhalb derer Bewahrer und Reformer miteinander ringen, in die Zukunft führen will.
Papst Leo XIV. löst Ernüchterung bei reformorientierten Katholiken aus
Wie der Papst über die Rolle der Frauen in der Kirche oder Segensfeiern für gleichgeschlechtliche Paare denkt, ist nicht unwesentlich für den weiteren Verlauf des spürbar ins Stocken geratenen Reformprozesses „Synodaler Weg“ in Deutschland. Leo also sagte in überraschender Deutlichkeit und zur Ernüchterung von Reformkräften: Er habe „derzeit nicht die Absicht, die Lehre der Kirche zu diesem Thema (Weihe von Diakoninnen, die Red.) zu ändern“. Ein Ritual zur Segnung gleichgeschlechtlicher Paare? Das entspreche auch nicht der Lehre der Kirche.
Schlug dem neuen Papst bislang hierzulande eine Welle der Sympathie entgegen, scheint diese Phase nun abrupt zu enden. Wunibald Müller, katholischer Theologe aus Würzburg, sagte stellvertretend für viele engagierte Laien unserer Redaktion: „Er geht bei aller Menschenfreundlichkeit, die wir von Papst Franziskus kennen, einen Schritt zurück. Das ist schade und irritierend.“
Für die deutschen Bischöfe bedeuten die Papst-Aussagen: Einmal mehr dürfte die Beschäftigung mit innerkirchlichen Themen die Beschäftigung mit (welt-)politischen Themen überlagern. Bischof Georg Bätzing, Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz, jedenfalls interpretierte die Äußerungen am Montag vor Journalisten wie folgt: Leo sei „keine Kopie von Papst Franziskus“, stehe aber in Kontinuität zu diesem. Bätzing dämpfte die Erwartungen unter anderem mit dem Satz: „Der Papst ist kein Zauberer.“ Um den Vorwurf zu entkräften, die deutschen Bischöfe würden bei Reformen Sonderwege beschreiten, betonte er, dass man in engem Austausch mit Rom sei – und im Einvernehmen handele. Dies gelte etwa auch für eine Handreichung, die gleichgeschlechtlichen Paaren Segensfeiern ermögliche. Man befinde sich nicht im Widerspruch zum Papst.
Bätzing: „Die Spalter, dazu gehört die AfD, dürfen nicht unser gesellschaftliches Klima bestimmen“
Mit (Welt-)Politik befassen sich die Bischöfe dennoch ausgiebig: mit der katholischen Flüchtlingshilfe seit Angela Merkels „Wir schaffen das“ aus dem Jahr 2015, mit dem Krieg in der Ukraine, der Wehrdienst-Debatte, der Lage in Gaza und der AfD. An deutlichen Worten sparte Bätzing nicht.
In Richtung von Russlands Machthaber Putin sagte er: „Es gibt nur eine einzige Lösung – der Aggressor muss die Waffen niederlegen.“ In Richtung von Israels Regierungschef Netanjahu sagte er: Das entstandene „Inferno“ habe „einen Auslöser: Das ist der Terror der Hamas vom 7. Oktober 2023“. Die Bischöfe stünden an der Seite Israels, „aber wir kritisieren die Vorgehensweise der israelischen Regierung“. Bätzing: „Es ist menschenverachtend, was hier im Moment im Gaza-Streifen geschieht“. Zehntausende Unschuldige hätten ihr Leben gelassen, viele erlitten Hunger, Hunderttausende seien auf der Flucht. Die einzige Lösung für Israelis und Palästinenser sei daher eine Zwei-Staaten-Lösung.
Dass sich die weltpolitische Lage auf Deutschland auswirkt, ist den Bischöfen bewusst. Auch hierbei wurde Bätzing deutlich: „Die Spalter, dazu gehört die AfD an erster Stelle, dürfen nicht unsere Zukunft und unser gesellschaftliches Klima bestimmen.“
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