Startseite
Icon Pfeil nach unten
Politik
Icon Pfeil nach unten

Neues Buch über Merz: Söder kann das Sticheln nicht lassen

Bundestagswahl

Und ewig stichelt der Söder

  • |
  • |
  • |
  • |
    Es gibt ein neues Buch über Friedrich Merz. Markus Söder hat es vorgestellt.
    Es gibt ein neues Buch über Friedrich Merz. Markus Söder hat es vorgestellt. Foto: Michael Kappeler, dpa

    Wenn die politische Lage nicht so ernst wäre, könnte man die Sache mit Humor nehmen und sich zu allerlei Wortspielen hinreißen lassen. Vom „letzten Schuss“ ist in der Politik immer öfter die Rede: Je näher die Bundestagswahl rückt und je stärker die AfD in den Umfragen wird, desto nervöser reagieren die anderen Parteien und die Unsicherheit über die Zukunft des Landes mündet in der Feststellung, dass es die nächste Regierung unbedingt hinbekommen muss. Wenn sie es nicht schaffe, das Vertrauen der Bevölkerung zurückzugewinnen, dann liege 2029 womöglich die AfD vorne. Die letzte Patrone der Demokraten also.

    Den Umfragen zufolge kommt Friedrich Merz als künftigem Regierungschef die Aufgabe zu, diesen Schuss abzugeben. Der Unions-Kanzlerkandidat war einer der ersten, die das martialische Bild von der letzten Kugel im Lauf bemühten. „Wir haben noch genau einen Schuss frei“, rief er schon vor den Ost-Landtagswahlen im Spätsommer aus. Mit knapper Not entgingen die Christdemokraten und ihr Chef, der die AfD früher mal halbieren wollte, in Sachsen und Thüringen einem Desaster. Die Demontage des christdemokratischen Lebensgefühls jedoch setzte sich fort.

    Die AfD dürfte noch zulegen

    Bei 20 Prozent steht die Alternative für Deutschland, es könnten noch weitere Prozentpunkte hinzukommen. CDU und CSU liegen vorn, aber der Abstand ist nicht wirklich komfortabel. Hinzu kommt, dass Merz zwar kein Rohrkrepierer ist, aber bei den Menschen im Land nicht wirklich zündet. Was jedoch wird, wenn die Union trotz Merz die Wahl gewinnt und der sich dann im Amt als Platzpatrone erweist? Ist dann schon alles zu spät und man kann die Sache nur noch laufen lassen? Die Antwort deutet sich bei einem Ortstermin in Berlin-Mitte an. Sie heißt Markus Söder.

    In Sichtweite von Reichstagsgebäude und Kanzleramt hat der Herder Verlag ins Haus der Bundespressekonferenz eingeladen. Anlass ist ein Buch über Friedrich Merz, das der Journalist Volker Resing geschrieben hat. „Sein Weg zur Macht“ heißt es, und der bayerische Ministerpräsident stellt es vor. Der Saal ist knallvoll, geschätzt hundert Menschen sind da, ein knappes Dutzend Kameras richtet sich auf den CSU-Vorsitzenden. Die meisten sind in Erwartung eines Schauspiels gekommen, und sie werden nicht enttäuscht. Während sich die AfD und ihre Vorsitzende Alice Weidel dem US-Unternehmer Elon Musk andienen und weltweit Aufmerksamkeit erzielen, versetzt sich die ach so hippe Berliner Medienwelt 40 Jahre zurück und spielt Bonner Republik.

    Söder hat ein besseres Abi als Merz

    Was ihn von Merz unterscheide, wird Söder gefragt. „Erstens habe ich ein besseres Abi“, antwortet der Bayer. Zweitens sei er „mehr Beatles-Fan als Stones gewesen.“ Drittens: Bayern sei im Fußball deutlich erfolgreicher als Dortmund. Für einen runden Altherrenwitz müsste Söder jetzt noch irgendwas Doofes über Frauen sagen, aber das traut selbst er sich nicht.

    Warum er denn gekommen sei? „Weil sie mich eingeladen haben“, sagt Söder. Natürlich könnte er wenige Wochen vor der Bundestagswahl eine sachdienlichere Antwort geben. Eine, die der Union dabei hilft, über die zurzeit wenig schmeichelhaften 30 Prozent hinauszukommen. Aber Söder will das offenbar gar nicht. Er lobt Merz zwar oft, aber fast jedes seiner süßen Worte versprüht gleichzeitig ein wenig Gift. Völlig ohne Not weist er beispielsweise darauf hin, dass Merz keine Regierungserfahrung habe. Dabei weiß Söder ganz genau, dass das im Wahlkampf eines der SPD-Hauptargumente gegen den Herausforderer von Kanzler Olaf Scholz ist. Regierungserfahrung sei doch gar nicht so wichtig, meint Söder, der kurz vorher noch ausführlich mit seiner langen Politiker-Vita geprahlt hatte.

    Merz spricht gut Englisch

    Merz habe eben viele Qualitäten außerhalb der Politik, sagt Söder und erwähnt unter anderem, dass Merz aufgrund seiner beruflichen Tätigkeit gut Englisch sprechen könne. Der CDU-Chef sei kein Mann „der klassischen Stichelei“. Das soll ein Lob sein, ist aber in Wahrheit keines, wenn es ausgerechnet von dem Mann kommt, der die Stichelei zur Meisterschaft erhoben hat.

    Söder sagt das alles nicht ohne Grund. Ihn treibt seit Monaten die Sorge um, dass der letzte Schuss danebengeht. „Wir wollen nicht am Ende Antidemokraten das Land überlassen“, erklärt er und wiederholt seine Mahnung, dass die Einvernahme der Weimarer Republik durch die Nazis nicht einem Einzelfall geschuldet, sondern „ein langer Weg“ war. Man kann eine Äußerung des Bayern so deuten, dass er den Spitzenkandidaten nicht zwingend für den Mann hält, der sich der AfD allein entgegenstellt. Er und Merz, sagt Söder, würden „eine Fernbeziehung“ führen, „die für Deutschland noch von großer Bedeutung sein kann“.

    Diskutieren Sie mit
    XXX 6 Kommentare
    hier kommen komentare rein

    Um kommentieren zu können, müssen Sie angemeldet sein.

    Anmelden

    Sie haben noch kein Konto? Kostenfrei registrieren