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Rentenprognosen sind nicht wirklich aussagekräftig

Rente

Streit um die Kosten, aber: Die Rentenprognose ist unsicher

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    Sollen die Bezüge der Rentnerinnen und Rentner auch in einigen Jahren stabil bleiben?
    Sollen die Bezüge der Rentnerinnen und Rentner auch in einigen Jahren stabil bleiben? Foto: Arne Dedert, dpa (Symbolbild)

    Der Streit über das Rentenpaket der Regierung hat inzwischen solche Ausmaße angenommen, dass sogar schon über ein vorzeitiges Koalitions-Aus gesprochen wird. Die Junge Union hatte die Debatte mit der Aussage befeuert, die Rentenpläne würden in den Jahren 2032 bis 2040 zu Mehrkosten von 115 Milliarden Euro führen. Die Angabe beruht auf einer Studie und ist solide durchgerechnet. Ein Blick in die Vergangenheit zeigt aber, dass solche Vorhersagen an der späteren Realität oft vorbeigehen.

    „Simulationen zur langfristigen Entwicklung der Rentenfinanzen sind naturgemäß mit vielen Unsicherheiten behaftet, die umso größer werden, je weiter die Vorausberechnungen in die Zukunft reichen“, erklärt der Sachverständigenrat Wirtschaft. Unsicherheitsfaktoren sind beispielsweise Abweichungen bei der Lebenserwartung oder der Geburtenrate – bereits kleine Veränderungen können große Auswirkungen haben.

    Rente ist schon lange teuer

    Beispiele gibt es viele. Mit dem Rentenpaket von 2018 etwa wurde die Haltelinie des Niveaus bei 48 Prozent bis 2025 festgesetzt – ein vergleichbares Paket also zu dem, das im Dezember im Bundestag beschlossen werden soll. Auch damals gab es pessimistische Voraussagen. Im Rentenversicherungsbericht von 2017 wurde ein Rückgang der Nachhaltigkeitsreserve um 13 Milliarden Euro bis 2022 prognostiziert. Dazu kam es nicht. Tatsächlich wuchs diese laut Ifo-Institut bis Ende 2022 um 10,4 Milliarden Euro an. Seit 2018 entwickelte sich die finanzielle Situation der Rentenversicherung sogar wesentlich besser, als zunächst prognostiziert. Das lag unter anderem an der Zuwanderung infolge des Ukraine-Kriegs und an einer Lebenserwartung, die langsamer stieg als angenommen.

    Ein anderes Beispiel: Viele Prognosen beruhen auf Erhebungen des Statistischen Bundesamtes. Die Forscher errechnen regelmäßig, wie viele Rentner künftig auf einen Erwerbstätigen kommen. Im Jahr 2015 gingen sie davon aus, dass es 2060 ein Verhältnis 100 zu 55 geben werde. Diese Schätzung wurde immer wieder nach unten korrigiert. Zuletzt ging die Behörde von nur 45 Rentnern auf 100 Arbeitende aus.

    Es kommt auf die Arbeit an

    Manchmal kommt es schlimmer als gedacht: So ging ein Prognos-Bericht im Auftrag der Hans-Böckler-Stiftung im Jahr 2017 davon aus, die Rentenausgaben würden im Jahr 2020 bei 266,5 Milliarden Euro liegen. Tatschlich betrugen die Ausgaben über 300 Milliarden.

    Doch selbst wenn es schlimm käme, wäre die Lage laut Deutscher Rentenversicherung beherrschbar. Der Anstieg der demo­graphischen Belastung ist demnach keineswegs beispiellos. Vielmehr habe es in der Vergangenheit „sogar schon Phasen gegeben, in denen der Anstieg noch stärker war als in der nun vor uns liegenden Zeit.“ Eine verlässliche Finanzierung der Renten sei jedoch immer gewährleistet gewesen. Der entscheidende Faktor, so die Experten, sei „immer der Arbeitsmarkt – und der dürfte in Zeiten von Arbeitskräfte­mangel deutlich aufnahmefähiger sein als in den Zeiten hoher Arbeitslosigkeit, wie etwa in den neunziger Jahren.“

    SPD-Fraktionsvize Dagmar Schmidt warb ebenfalls für einen differenzierten Blick. Der Anteil der Rentenausgaben gemessen am Bruttoinlandsprodukt sei in den letzten Jahren gesunken, erklärte sie und ergänzte: „Das zeigt vor allem: Mit der Einführung und in Folge der Erhöhung des Mindestlohns, haben wir vieles richtiges getan, um die Rente zu stärken.“ Es reiche nicht, nur auf die Demografie zu blicken. „Wir sehen das Gesamtbild und setzen ein klares Signal an alle Generationen: Der Generationenvertrag hat schon viele Krisen gut überstanden. Auf die gesetzliche Rente wird jetzt und in Zukunft Verlass sein.“

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