Startseite
Icon Pfeil nach unten
Politik
Icon Pfeil nach unten

Mindestalter und Konten ohne Algorithmen: Das sind die Pläne für das Social-Media-Verbot

Soziale Medien

Mindestalter und Konten ohne Algorithmen: Das sind die Pläne für ein Social-Media-Verbot

  • |
  • |
  • |
  • |
    Wird es auch in Deutschland ein Social-Media-Verbot für Kinder und Jugendliche geben?
    Wird es auch in Deutschland ein Social-Media-Verbot für Kinder und Jugendliche geben? Foto: Elisa Schu, dpa (Symbolbild)

    Seit Monaten brodelt die Diskussion über ein mögliches Social-Media-Verbot für Kinder und Jugendliche. In der Regierungskoalition herrscht Uneinigkeit: Die SPD spricht sich für strenge Bestimmungen aus, während große Teile der Union ein Verbot für Kinder und Jugendliche ausschließen. Bundeskanzler Merz äußerte nun jedoch Sympathien für ein mögliches Verbot. Wie könnten neue Regeln in der Praxis aussehen?

    Warum sind Soziale Netzwerke für Kinder und Jugendliche gefährlich?

    Soziale Medien bedeuten für junge Menschen Austausch und Teilhabe, aber auch Risiken, wie Sucht, Mobbing, Gewalt und Cyberkriminalität. Die „Jugend-Internet-Medien“-Studie kam 2025 zu dem Ergebnis, dass über 80 Prozent der 12- bis 19-Jährigen Social Media täglich im Schnitt rund 3,5 Stunden nutzen. Eine von der DAK-Krankenkasse in Auftrag gegebene Untersuchung stellte zudem fest, dass die Nutzungsdauer bei den über Zehnjährigen zwischen 2019 und 2024 deutlich gestiegen ist. Gleichzeitig habe sich eine Mediensucht auf hohem Niveau stabilisiert. Bei fünf Prozent der Jugendlichen gilt die Mediennutzung als „süchtig“, bei weiteren 20 Prozent als problematisch.

    Wie ist der Jugendschutz für Soziale Netzwerke bislang geregelt?

    Der sogenannte „Digital Services Act“ der EU und Vorgaben für Videos verpflichten Plattformen zu Schutzmaßnahmen für Minderjährige. Auch die Datenschutz-Grundverordnung sieht eigentlich eine Altersbegrenzung vor. In der Praxis sind diese Regeln aber oft nicht mehr ein Klick, um das Alter zu bestätigen. Das kritisierte kürzlich die dänische Digitalministerin Caroline Stage Olsen. Die Kontrollen seien zu gering: „Kein Türsteher, keine Ausweiskontrolle, nur ein einfaches Ja, ich bin über 18 Jahre alt.“

    Über welche Maßnahmen denkt die Regierungskoalition nach?

    Dass Kinder und Jugendliche im Netz besser geschützt werden müssen, da ist sich die Regierungskoalition einig. Nur das „Wie“ ist umstritten. Während die Union sowie CSU-Chef Markus Söder ein Verbot ablehnen, ist für Bildungsministerin Karin Prien klar: „Wir müssen auch über Verbote und Altersverifikationen sprechen.“ Rückenwind gibt es aus der SPD, die in einem neuen Positionspapier konkrete Maßnahmen nennt: Für Kinder bis 14 Jahre soll ein vollständiges Verbot von Social-Media-Plattformen gelten, für Jugendliche bis 16 Jahre hingegen eine verpflichtende „Jugendversion“ der Plattformen. Diese soll ohne algorithmisch gesteuerte Feeds auskommen und keine personalisierten Inhalte erlauben.

    Ist ein Verbot von Sozialen Medien für Kinder realistisch?

    Seit Dezember 2025 gibt es in Australien ein Social-Media-Verbot für Kinder und Jugendliche unter 16 Jahren. Auch in der EU brodelt die Debatte um ein mögliches Verbot: Während Frankreich bereits nationale Bestimmungen hat, drängen nun mehrere Mitgliedstaaten, darunter etwa Griechenland, Spanien und Belgien, auf europaweit wirksamere Alterskontrollen und strengere Jugendschutzstandards auf Plattformen. Experten hingegen warnen vor einem Verbot und plädieren für mehr Medienkompetenz.

    Wie könnte der Jugendschutz und ein Verbot kontrolliert werden?

    Die EU plant derzeit eine digitale Altersprüfung, die den Zugang zu nicht altersgerechten Inhalten sperrt, indem Plattformen das Alter anonym verifizieren sollen. Langfristig ist dabei geplant, die Technik in den digitalen EU-Ausweis (eID) zu integrieren. Die SPD hingegen möchte Social-Media-Begrenzungen mit dem EUDI-Wallet (EU Digital Identity), einer Art digitaler Brieftasche, umsetzen. Zukünftig müssten Plattformen demnach beim Anlegen eines Accounts oder beim Log-in über eine anonymisierte Funktion des EUDI-Walleta prüfen, ob jemand das Mindestalter erreicht hat.

    Was sind Algorithmen und welche Rolle spielen sie bei Sozialen Netzwerken?

    Algorithmen sind Programme mit mathematischen Formeln, die in Sozialen Netzwerken bestimmen, welche Beiträge und Videos angezeigt werden. Bei TikTok etwa wertet der Algorithmus aus, welche Clips man lange anschaut, mit „Gefällt mir“ markiert oder kommentiert. So werden Nutzerinnen und Nutzer gezielt mit Inhalten versorgt, die sie länger auf der Seite halten. Das kann in harmlosen Fällen praktisch sein, birgt aber auch Risiken, weil einseitige Inhalte verstärkt werden oder problematische Trends schnell große Reichweite bekommen.

    Können Algorithmen kontrolliert werden?

    Für viele Unternehmen sind Algorithmen ein zentraler Bestandteil ihres Geschäftsmodells und bleiben daher häufig als sogenannte „Black Boxes“ undurchsichtig. Die CDU setzt sich daher für mehr Transparenz ein. Die SPD fordert zudem, dass alle Nutzerinnen und Nutzer die Möglichkeit erhalten, Algorithmen in ihren Profilen abzuschalten.

    Diskutieren Sie mit
    XXX 0 Kommentare
    hier kommen komentare rein

    Um kommentieren zu können, müssen Sie angemeldet sein.

    Anmelden

    Sie haben noch kein Konto? Kostenfrei registrieren