Lautlos schleichen sich die sechs bewaffneten Männer der grönländischen Schlittenpatrouille durch die Eiswüste an die geheime Wetterstation der Deutschen heran. Gleich wollen sie losschlagen – als urplötzlich ein Wehrmachtssoldat mit einem Gewehr auftaucht.
Es ist April 1944, für die Nazis, die den Zweiten Weltkrieg vom Zaun gebrochen hatten, laufen die Dinge nicht gut. Auch hier, im äußersten Norden der Erde, wo eine Mission vor dem Scheitern steht, die so klein wie wichtig ist. Das „Unternehmen Bassgeiger“, das Hitlers Kriegsmaschinerie mit wertvollen arktischen Wetterdaten füttert, etwa für die Planung von Luftangriffen. 27 Mann waren im Jahr davor auf dem Fischerboot „Coburg“ nach Grönland aufgebrochen. Monatelang funken sie aus ihrem primitiven Lager Messergebnisse ins deutsch besetzte Norwegen. Doch nun sind sie entdeckt – von einer Hundeschlitten-Einheit, die aufseiten der USA kämpft.
Den kriegswichtigen „Eisstein“ gibt es nur hier
Dass amerikanische Truppen auf Grönland sind, liegt nicht zuletzt an den wässrig-milchigen Brocken, die in Ivittuut an der Südwestküste abgebaut werden – in der weltweit einzigen Mine. „Eisstein“, wie das Mineral auch heißt, ist potenziell kriegsentscheidend, denn es ermöglicht die effektive Aluminium-Herstellung. Schon 1868 erkennen das die USA und versuchen erstmals, nach Alaska auch Grönland zu kaufen. Doch Dänemark gibt seine Kolonie schon damals nicht her, so der dänische Arktis-Experte Marc Jacobsen, der zudem von einem abenteuerlichen, aber gescheiterten amerikanischen Ringtausch-Vorschlag berichtet: Dänemark soll von den USA für Grönland Teile der Philippinen bekommen und diese mit Deutschland gegen Schleswig tauschen. Das hatten Preußen und Österreich 1864 erobert – in einem für die Dänen traumatischen, verlustreichen Krieg.
Hitler überfällt Dänemark – und US-Truppen landen auf Grönland
Als Dänemark am 9. April 1940 in der Operation „Weserübung“ von Nazi-Truppen besetzt wird, ist der Widerstand gering. Die USA, zu diesem Zeitpunkt noch nicht offiziell in den Krieg eingetreten, fürchten um das Kryolith, an dem die Produktion der Flieger hängt, die später zum Sieg über Nazi-Deutschland und die Japaner entscheidend beitragen. Henrik Kauffmann, der dänische Gesandte in Washington, weigert sich, die Befehle der von den Nazis kontrollierten Regierung in Kopenhagen anzunehmen, stimmt sich mit den grönländischen Spitzen ab und schließt ein Schutzabkommen mit den USA. Fast 6000 US-Soldaten landen auf Grönland, errichten vier Marine- und 13 Armeestützpunkte.
Nach Kriegsende erhält Kopenhagen die Kontrolle über Grönland zurück. Ein weiterer Kaufversuch der USA scheitert 1946. Die US-Militärpräsenz würde Dänemark, obgleich Nato-Gründungsmitglied, am liebsten beenden, doch Washington drängt auf weitreichende Befugnisse, die 1951 vertraglich festgelegt werden.
Pläne im Kalten Krieg: Atomraketen-Eisenbahn unter dem Eis
Im Kalten Krieg potenziert sich die strategische Bedeutung der eisbedeckten Landmasse im Polarmeer. Feind sind nicht mehr die Deutschen, sondern die kommunistischen Sowjets. Im atomaren Wettrüsten ersinnen die Amerikaner das streng geheime Projekt „Iceworm“: Mit Schweizer Bohrgerät wollen sie den arktischen Eispanzer durchlöchern wie Käse. In den Tunneln, so die Pläne, könnten Atomwaffen versteckt und auf Schienen beliebig verlagert werden – um Ziele in der Sowjetunion zu treffen. Wegen technischer Probleme wird das Projekt beerdigt. Als 1968 beim Luftwaffenstützpunkt Thule ein US-Flugzeug mit vier Atombomben abstürzt, kommt es zum öffentlichen Aufschrei. Thule, 2023 in Pituffik Space Base umbenannt, ist bis heute der Eckpfeiler der US-Aktivitäten in Grönland – als Militärbasis, Radarstation und Flugplatz.
Dass die USA unter ihrem Präsidenten Donald Trump heute vehementer denn je auf die vollständige Kontrolle über Grönland drängen, liegt nicht nur an der Konkurrenz mit Russland und China um die Macht in der Arktis. Auch der – von Trump bestrittene – Klimawandel spielt eine Rolle, es winken eisfreie Schiffswege und neue Möglichkeiten, Rohstoffe auszubeuten. Statt um Kryolith, das heute synthetisch hergestellt wird, geht es etwa um Seltene Erden. Außerdem ist die Insel ein entscheidender Standort für das von Trump geplante Raketenabwehrsystem Golden Dome.
Vor dem Hintergrund des Streits zwischen dem US-Präsidenten und Dänemark, das an Grönland festhalten will, reisen auch 15 deutsche Soldaten zu einer Erkundungsmission in den Polarkreis. Nach gerade mal zwei Tagen endet ihr Trip in die Kälte – glücklicherweise weit weniger tragisch als 1944 das Unternehmen Bassgeiger. Damals wird die Schlittenpatrouille von einem Wehrmachts-Leutnant auf Schneehuhn-Jagd erschreckt. Der Deutsche wird erschossen, was dessen Kameraden alarmiert. Die Patrouille muss flüchten. Doch um einem amerikanischen Luftangriff zuvorzukommen, lassen sich Hitlers arktische Wetterbeobachter ausfliegen.
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