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Streit um Rentenreform: So denken junge Menschen über die Debatte

Streit um Rentenreform

„Ich habe definitiv Angst um meine Rente“: Wie junge Menschen über die Debatte denken

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    Manche haben Angst um ihre Rente, manche blicken positiv in die Zukunft. Wir haben mit jungen Menschen gesprochen.
    Manche haben Angst um ihre Rente, manche blicken positiv in die Zukunft. Wir haben mit jungen Menschen gesprochen. Foto: Karolina Enzler, Imke Rauhut, Juenna Fiola (Montage AZ)

    Die Rente ist ein Generationenvertrag. Arbeitende Menschen finanzieren die Rente der Älteren in der Erwartung, dass die nachfolgende Generation diese Verantwortung übernimmt. Kamen vor einigen Jahrzehnten noch sechs Beitragszahler auf einen Rentner oder eine Rentnerin, so sind es heute noch zwei. Die Rentenbelastung wächst – wie auch der Dissens in der Koalition, wie das System künftig finanziert werden soll. Die Junge Union kritisiert die zu hohen Belastungen für junge Menschen und fordert Kürzungen. Doch wie blicken die Menschen auf das System, die noch am längsten einzahlen werden? Wir haben mit jungen Frauen und Männern gesprochen, wie sie auf die Rente blicken.

    Karolina Enzler, 19 Jahre: „Es fühlt sich teilweise unfair an“

    Karolina Enzler kommt aus Deuringen (Landkreis Augsburg) und arbeitet als Werkstudentin . Sie fordert eine Neustrukturierung des Rentensystems.
    Karolina Enzler kommt aus Deuringen (Landkreis Augsburg) und arbeitet als Werkstudentin . Sie fordert eine Neustrukturierung des Rentensystems. Foto: Karolina Enzler

    Ich bin aktuell Studentin im ersten Semester und arbeite nebenbei als Werkstudentin, wodurch ich auch rentenversicherungspflichtig bin. Grundsätzlich halte ich es für einen sinnvollen Schritt, gegen Altersarmut vorzugehen und ihr auch möglichst vorzubeugen. Trotzdem fühlt es sich teilweise unfair an, dass meine Generation viel einzahlen soll, und in einigen Jahrzehnten dann vermutlich keine Rente mehr erhält, die ein lebenswertes Auskommen ermöglicht. Da besonders Frauen von Altersarmut betroffen sind, bereitet mir das schon einige Sorgen für die Zukunft. Leider ist es aktuell aber auch schwierig, Geld für die Rente zu sparen, da während des Studiums mein Einkommen eher gering ist und auch die Inflation den Wert des Geldes vermutlich zusätzlich mindern wird. Das aktuelle Rentensystem ist meiner Meinung nach aufgrund des demographischen Wandels in Deutschland weder fair noch zukunftstauglich und müsste grundlegend umstrukturiert werden, um künftige Altersarmut zu verhindern und der Generationengerechtigkeit zu entsprechen. 

    Juenna Fiola, 20 Jahre: „Ich habe definitiv Angst um meine Rente“

    Die 20-jährige Studentin Juenna Fiola blickt pessimistisch auf die Rente: "Realistisch ist wohl eher, dass meine Generation bis Ende 70 arbeiten muss."
    Die 20-jährige Studentin Juenna Fiola blickt pessimistisch auf die Rente: "Realistisch ist wohl eher, dass meine Generation bis Ende 70 arbeiten muss." Foto: Juenna Fiola

    Ich stamme aus dem Allgäu und studiere in Augsburg, wo ich meinen Bachelor in Anglistik, Amerikanistik und Germanistik mache. Aktuell verbringe ich ein Auslandssemester in Australien. In meiner Freizeit spiele ich gerne Fußball. Eine Rentenreform finde ich eine gute und lange schon überfällige Maßnahme, denn: Ich habe definitiv Angst um meine Rente und glaube auch nicht mehr daran, dass mir die Rente später mal zum Leben im Alter reicht. Und genauso geht es auch vielen in meinem Freundeskreis, wenn wir mal darüber reden. Meistens ist es eher so, dass man das Thema Rente verdrängt, einfach weil es noch so weit weg ist und daher auch wenig greifbar. Als Studentin bleibt mir ohnehin wenig finanzieller Handlungsspielraum für private Rücklagen. Lösungen erwarte ich auch eigentlich von der Politik und Entlastung für meine Generation. Schließlich will ich ja nicht noch arbeiten müssen, wenn ich alt und krank bin, dann zahle ich lieber jetzt mehr ein. Wünschenswert wäre es dann aber auch, mit Ende 60 in Rente gehen zu können. Allerdings glaube ich eher, dass meine Generation ohnehin bis Ende 70 arbeiten muss und uns selbst dann nicht genug zum Leben bleibt.

    Lara Hauber, 24 Jahre, Bautechnikerin aus Appetshofen bei Nördlingen: „Das ganze System sollte umgestaltet werden“

    Lara Hauber aus Appetshofen bei Nördlingen wünscht sich eine Reform des Rentensystems.
    Lara Hauber aus Appetshofen bei Nördlingen wünscht sich eine Reform des Rentensystems. Foto: Lara Hauber

    Ich finde, dass die Rente stabil bleiben sollte. Menschen, die ihr Leben lang gearbeitet haben, sollen sich darauf verlassen können, dass ihre Rente später nicht einfach wegbricht. Gleichzeitig empfinde ich es aber als unfair, dass die jüngere Generation immer mehr zahlen muss, nur um das heutige Rentenniveau zu halten. Das Problem wird damit nur verschoben, nicht gelöst. Meiner Meinung nach sollte das ganze System langfristig neu gestaltet werden. Besonders sinnvoll fände ich ein Rentensystem, das wie in Schweden teilweise kapitalgedeckt ist. Also eine Mischung aus Umlagesystem und staatlich organisiertem Kapitalstock. Das würde die Rente stabiler machen, die Beiträge langfristig entlasten und wäre fairer gegenüber jüngeren Generationen. Um meine eigene Rente mache ich mir Sorgen. Vor allem, weil sich die Lebensläufe verändert haben: Viele Menschen studieren länger, zahlen dadurch später ein und gehen teilweise sogar früher in Rente. Das führt dazu, dass weniger Menschen für längere Zeit in die Rentenkasse einzahlen – und die Last dann bei denjenigen liegt, die regulär arbeiten. Weil ich mich nicht darauf verlassen kann, dass die gesetzliche Rente später zum Leben ausreichen wird, sorge ich privat vor: Ich investiere in ETFs und habe zusätzlich eine betriebliche Altersvorsorge sowie eine Riester-Rente.

    Quentin Moll, 19 Jahre: „Wir dürfen uns nicht auf der gesetzlichen Rente ausruhen“

    Quentin Moll findet die geplante Rentenerhöhung in Ordnung. Doch ohne private Vorsorge glaubt er nicht, dass ihm die Rente künftig zum Leben ausreichen wird.
    Quentin Moll findet die geplante Rentenerhöhung in Ordnung. Doch ohne private Vorsorge glaubt er nicht, dass ihm die Rente künftig zum Leben ausreichen wird. Foto: Imke Rauhut

    Ich komme aus Harburg im Landkreis Donau-Ries und mache gerade meine Ausbildung zum Industriemechaniker. Die geplante Rentenerhöhung finde ich im Grunde schon eine gute Idee. Lieber so, als künftig niedrigere Renten zu haben. Die Rente ist gerade ja ein großes Thema. Man merkt, die Leute werden immer älter. Das ist wie ein Schneeball, der ins Rollen kommt. Dabei fühle ich mich schon ein bisschen überfordert. Wir müssen uns darauf vorbereiten und privat vorsorgen. Wir dürfen uns nicht auf der gesetzlichen Rente ausruhen. Es gibt ja auch viele Möglichkeiten, um privat vorzusorgen: ETFs, Sparpläne, und so weiter. Ich persönlich sorge auch schon vor. Ich investiere in Aktien und Krypto-Währung. Mit der privaten Vorsorge gehe ich davon aus, dass meine Rente in Zukunft zum Leben ausreichen wird. Darauf will ich hinarbeiten. Ich glaube kaum, dass die Rente ohne private Vorsorge reichen wird.

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