Während der Corona-Pandemie wurde die telefonische Krankschreibung eingeführt. Und ab 2022 ging die Zahl der Krankheitstage in Deutschland rapide nach oben. Also: Telefonische Krankschreibung wieder abschaffen, um die Krankheitstage zu senken? So forderte es die CSU kürzlich bei ihrer Jahresauftaktklausur und auch Kanzler Merz äußerte sich dahingehend. Nur: Wer hier stumpf einen Zusammenhang herausliest, rasiert sich auch die Haare ab, um mehr Gehalt zu bekommen. Schließlich verdienen Menschen mit Glatze statistisch gesehen besser.
Expertinnen und Experten widersprechen der These, dass die telefonische Krankschreibung schuld am Fehltage-Anstieg ist. Andere Effekte erklären die höheren Fehlzeiten – und zeigen, dass ein Teil des Anstiegs nur auf dem Papier existiert.
Ein großer Teil des Anstiegs der Krankheitstage liegt an einer besseren Erfassung
So lieferte eine Untersuchung des Instituts für Gesundheits- und Sozialforschung (Iges) dieses Ergebnis: „Erkältungswellen und rein technische Gründe sind die wichtigsten Ursachen des sprunghaften Anstiegs des Krankenstandes. Keine Rolle spielt hingegen die telefonische Krankschreibung.“ Zum gleichen Schluss kam im Herbst 2025 das Zentralinstitut der Kassenärztlichen Versorgung (ZI). Dieses sagt auch, dass in nur etwa einem Prozent aller Ausfalltage eine telefonische Krankschreibung genutzt wird. Viel zu wenig, um den Anstieg zu erklären.
Allerdings wurde Ende 2021 die elektronische Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (eAU) eingeführt. Krankschreibungen werden jetzt automatisch von den Arztpraxen an die Krankenkassen weitergeleitet – zuvor mussten Patientinnen und Patienten diese einreichen. Passiert ist das nicht immer. Das Iges hat ermittelt: Bei Erkältungen sind etwa 60 Prozent des Anstiegs auf die Einführung der eAU zurückzuführen. Es handelt sich also nur um Fälle, die durch eine bessere Erfassung sichtbar geworden sind.
Die Corona-Pandemie hat Wirkung: Menschen melden sich eher wegen einer Erkältung krank
Der Rest des Anstiegs ist hingegen real. Krankenkassen haben in den vergangenen Jahren vergleichsweise starke Grippe- und Erkältungswellen verzeichnet. Und dann greift noch ein Covid-Effekt: Die Pandemie hätte zu einem bewussteren Umgang, gerade mit Erkältungskrankheiten, geführt, so das Iges. Während 2019 Schniefnasen im Büro noch Alltag waren, lassen sich viele Menschen nun schneller krankschreiben – auch um Kolleginnen und Kollegen zu schützen.
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