Eine dröhnende Leere bleibt nach dem Treffen zwischen US-Präsident Donald Trump und dem russischen Diktator Wladimir Putin, das – je nach Blickpunkt – mit fieberhaften Hoffnungen, aber auch mit bangen Befürchtungen erwartet wurde. Wie es jetzt weitergeht? Unklar. Die von der Ukraine und ihren Unterstützern herbeigesehnte Waffenruhe? Fehlanzeige. Ein konkreter Zeitplan für weitere Verhandlungen? Vage. Die Forderungen nach einer direkten Einbeziehung des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj an künftigen Verhandlungen? Von Moskau blockiert.
Nun könnte man sich damit trösten, dass der Diktatfrieden, der letztlich auf eine Vernichtung der Ukraine als souveränen Staat herauslaufen würde, in Anchorage nicht auf der Tagesordnung stand. Trump hat allerdings seine Hauptforderung an Moskau, den Weg für Verhandlungen mit einer bedingungslosen Waffenruhe zu ebnen, schon nach den ersten Metern auf dem roten Teppich kassiert. Das ist für Kiew eine katastrophale Nachricht. Im Gedächtnis bleiben die Bilder, wie der US-Präsident dem international gesuchten Kriegsverbrecher Putin demonstrativ applaudiert.
Präsident Wladimir Putin bekommt Zeit für seinen Krieg
Der russische Präsident hat das bekommen, was er unbedingt wollte: Zeit für seine Soldateska, den Angriffskrieg Kilometer für Kilometer tiefer auf ukrainisches Territorium zu tragen. Seit Wochen verdichten sich die Anzeichen, dass Russland mit zwei frischen Divisionen noch im Herbst die Abwehrfront durchbrechen will. So sind die Aussichten düster.
Putin wird aus der inneren Logik seiner „militärischen Spezialoperation“ heraus nur gesichtswahrend aus diesem Krieg herausfinden, wenn er seinem Land die östlichen Oblaste der Ukraine einverleiben kann. Denn nüchtern betrachtet ist die militärische Bilanz nach dreieinhalb Jahren Krieg aus Sicht des Kremls fast schon demütigend: Die selbsterklärte militärische Supermacht war bisher nicht in der Lage, die ungleich kleinere Ukraine zu besiegen. Gut für Putin, dass diese Einschätzung in seinem politisch und medial gleichgeschalteten Riesenreich durch eine endlose Propagandaschleife auf allen Kanälen erfolgreich verdeckt wird.
Europa wird noch mehr investieren müssen, um die Auslöschung der Ukraine zu verhindern
Europa muss sich darauf einstellen, noch mehr zu investieren, um zu verhindern, dass die Ukraine ausgelöscht wird. Und zwar im eigenen Interesse. Immerhin hat nicht zuletzt der deutsche Kanzler Friedrich Merz vor dem Alaska-Treffen entscheidend dazu beigetragen, dass Europas Stimme zumindest gehört wurde.
Zwei Punkte verdeutlichen dies: Trump hat die Warnung der Europäer offenbar ernst genommen, die russischen Eroberungen kurzerhand anzuerkennen. Gleichzeitig sprach er nach dem Treffen mit Putin in einer Telefonschalte davon, dass sich die USA nun doch an robusten, also militärischen Sicherheitsgarantien für die Ukraine beteiligen könnten. Das sind neue, erfreuliche Töne – auch wenn unklar ist, ob Trump sein Angebot nur aus einer Laune heraus angeschlagen hat und es genauso schnell wieder kassieren wird. Dass an diesem Montag nicht nur der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj, sondern mit ihm auch europäische Regierungschefs – darunter der Bundeskanzler und EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen – nach Washington reisen, lässt zumindest hoffen, dass der Westen weiterhin versuchen wird, eine gemeinsame Linie zu halten.
Dass Putin eines Tages für seine Verbrechen bezahlen muss, ist nur eine verzweifelte Hoffnung
Die ukrainischen Soldaten an der Front, die Eltern und Geschwister von nach Russland entführten Kindern und viele Tausend Ukrainerinnen und Ukrainer, die ihre Liebsten in diesem sinnlosen Krieg verloren haben, werden Mühe haben, aus Alaska etwas Positives zu ziehen. Dass Putin eines Tages ohne roten Teppich und Applaus auskommen und für seine Verbrechen zahlen muss, ist mehr denn je nur eine zunehmend verzweifelte Hoffnung.
Um kommentieren zu können, müssen Sie angemeldet sein.
AnmeldenSie haben noch kein Konto? Kostenfrei registrieren