Jordan Bardella weiß die Medien und den Glanz des Scheinwerferlichts perfekt für sich zu nutzen. Der rechtsextreme Politiker, der in Frankreich zurzeit die Umfragen anführt, ist ein eloquenter TV-Gast und hat viele Fans in den sozialen Netzwerken. Manchmal aber bringen ihn seine eigenen Auftritte ins Stolpern – nämlich wenn Archivmaterial mit früheren Aussagen herausgeholt wird, die sich nicht mit den heutigen decken. In Bezug auf US-Präsident Donald Trump gibt es da mehrere.
Fernsehmaterial aus dem Archiv wird Frankreichs Rechte peinlich
Vor knapp einem Jahr rühmte Bardella etwa den „Wind der Freiheit und des nationalen Stolzes, der über unsere westlichen Demokratien weht“. Diesen Wind verkörpere Trump in den USA und in Frankreich die rechtsextreme Le-Pen-Partei Rassemblement National (RN). Als Bardella im Dezember in einer Fernsehshow eine Frage formulieren sollte, die er Trump gerne stellen würde, erwiderte er in anbiederndem Tonfall: „Woher nehmen Sie nur diese ganze Energie?“
Die Szene ging viral - auch wegen der neben Bardella sitzenden Reaktion der konservativen Ex-Kulturministerin Roselyne Bachelot. „Hilfe“, stieß sie glucksend hervor. „Was für eine Schleimerei!“
„Befreit sie!“: Trump unterstütze Le Pen persönlich
Auch Marine Le Pen, die den Parteivorsitz vor drei Jahren an Bardella abgegeben hatte, aber als Fraktionschefin weiterhin Oppositionsführerin in der französischen Nationalversammlung ist, hatte Trumps Wahl zum Präsidenten gefeiert, Diese „Entscheidung eines souveränen Volkes für die Freiheit“ sei „eine gute Nachricht für Frankreich“, sagte sie damals. Parteivize Louis Aliot reiste sogar zur Amtseinführung nach Washington.
Einige Monate später stellten sich der US-Präsident und sein Vize J.D. Vance auf Le Pens Seite und kritisierten deren Verurteilung wegen Korruption in erster Instanz scharf, die ihr die Präsidentschaftskandidatur versperren könnte. „Befreit sie“, forderte Trump auf seiner Plattform Truth Social in Großbuchstaben.
Doch die Nähe zur US-Regierung droht Le Pens Partei wahltaktisch zu schaden. Einer Umfrage des Instituts IFOP zufolge fürchtet eine Mehrheit der Franzosen, dass die USA zu einer militärischen Bedrohung für ihr Land werden könnten. 81 Prozent haben eine schlechte Meinung von Trump. Unter RN-Anhängern sehen ihn nur noch 40 Prozent positiv.
Nun korrigiert die Partei ihren Kurs. Trump sei „nie sein Modell“ gewesen, versicherte Bardella nun. Er forderte eine harte Haltung gegenüber den USA, ob angesichts der Zollandrohungen oder von Trumps Griff nach Grönland. Le Pen rief zum „Respekt von internationalem Recht“ auf: Die Souveränität von Staaten sei „niemals verhandelbar“. Worte, die ihr in Bezug auf die Ukraine noch nicht über die Lippen kamen.
Le Pens Ziehsohn Bardella ist sich der Gefahren bewusst
Doch haben sie sich wirklich von Trump und dessen Umfeld abgewendet? Gerade erst organisierte die Rechtsaußen-Fraktion „Patrioten für Europa“ im EU-Parlament ein Kolloquium zum Thema „Meinungsfreiheit in Europa“, mit Vertretern von Trumps MAGA-Bewegung. Le Pens Nichte Marion Maréchal sagte, die französischen Eliten „täten gut daran, sich an Trumps Methoden zu inspirieren“.
Die Position gegenüber den USA sei „unbequem“ für das RN, sagt der Meinungsforscher Matthieu Gallard. Für einen Sieg bei den Präsidentschaftswahlen 2027 müsse es auch auf gemäßigt rechte Wähler setzen und sich ein Stück weit „normalisieren“. Bardella ist sich der Gefahren bewusst: Als der Trump-Vordenker Steve Bannon bei einer Rechtsaußen-Konferenz in Washington einen Nazigruß zeigte, sagte Bardella seine dort geplante Rede ab und reiste vorzeitig ab. Bannon schimpfte, Bardella habe „keinen Mumm“ und müsse „erst noch erwachsen werden“. Als er 2018 bei einem Parteitag des RN eingeladen war, habe er dieselbe Geste gezeigt. Da sei das überhaupt kein Problem gewesen, sagte Bannon.
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