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Was CSU-Urgestein Peter Gauweiler an Donald Trump gefällt

Interview

Ich würde zu Trump sagen: „Das haben Sie gut gemacht in Davos, Mister President“

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    „Das mögen die Tanzlehrer aus Deutschland nicht“: Peter Gauweiler über Donald Trumps Attitüde.
    „Das mögen die Tanzlehrer aus Deutschland nicht“: Peter Gauweiler über Donald Trumps Attitüde. Foto: Michael Stifter

    Herr Gauweiler, wenn Sie fünf Minuten unter vier Augen mit Donald Trump hätten: Was würden Sie ihm sagen?

    PETER GAUWEILER: „Das haben Sie gut gemacht in Davos, Mister President. Hat mir gefallen.“ Kleine Anmerkung: Ich habe eine Schwäche für Leute, die den Willen haben, verstanden zu werden, sich was trauen und sich nicht verstellen. Es amüsiert mich, dass nun eine regelrechte Wissenschaft daraus gemacht wird, wie man mit diesem Mann umgeht. Vermutlich geht es ganz einfach.

    Ist das so?

    GAUWEILER: Was er tut, ist eine anwaltliche Tätigkeit im Großformat. Er vertritt die Interessen seines Mandanten. Und das sind die Vereinigten Staaten von Amerika und die US-amerikanische Menschheit. 

    Nur sind ihm die Interessen bisheriger Partner dabei völlig egal.

    GAUWEILER: Ist das so? Er sagt doch nur, die Partner müssen ihre eigenen Interessen schon selbst vertreten.

    Befindet sich die deutsch-amerikanische Partnerschaft in Auflösung?

    GAUWEILER: Auflösung von was? Wie hat diese Partnerschaft denn begonnen? Der erste Nato-Generalsekretär, ein Brite und enger Vertrauter von Winston Churchill, hat nach dem Zweiten Weltkrieg Europa und Deutschland diese Ansage gemacht: „Americans in. Russians out. Germans down.“ Die Amerikaner sollten in Europa präsent sein, um die Russen draußen und die Deutschen kleinzuhalten. Weil Staaten keine Freunde, sondern Interessen haben, unterliegt ein solcher Interessenverbund ständigem Wandel. Dies war damals so. Das ist heute so.

    Nur hat Trump offenbar das Interesse an Europa verloren…

    GAUWEILER: In Davos hat er dargelegt, dass und wie diese alte Ordnung versungen und vertan wurde. Für Europa gibt er eine neue Devise aus: Wir Amis ziehen uns militärisch von Eurer Seite des Ozeans etwas zurück, liebe Europäer. Wenn Ihr diesbezüglich etwas wollt, müsst Ihr dafür zahlen. Mit den Russen müsst Ihr selber klarkommen. Und hallo, Deutschland: zeig, was Du drauf hast. Kanzler Merz war der Einzige von den EU-Europäern, den er gelobt hat.

    US-Präsident Donald Trump hat die Europäer mit seiner Rede in Davos einmal mehr verstört.
    US-Präsident Donald Trump hat die Europäer mit seiner Rede in Davos einmal mehr verstört. Foto: Evan Vucci, dpa

    Welche Konsequenzen muss die Bundesregierung daraus ziehen?

    GAUWEILER: Sie sollte als Erstes das Schachbrett umdrehen können, um sich selbst und ihre Lage mit den Augen der anderen zu sehen. Das hilft beim Denken über eigene Planung. 

    Und welchen Zug plant Trump als nächstes?

    GAUWEILER: Er will sich alle Möglichkeiten offenlassen. Dies wird erleichtert durch diese Huckleberry-Finn-artige Unangepasstheit: Füße auf den Tisch. Anti-Elite-Sprech „Zur Hölle, was ist das?“ und so. Das mögen die Tanzlehrer aus Deutschland nicht. Aber es macht den Mann nochmal interessant und niemand will es sich mit ihm ernsthaft verderben. 

    Sie haben schon vor Jahren gefordert, deutsche Goldreserven, die in der US-Zentralbank lagern, zurückzuholen. Schließen Sie aus, dass Trump sie einsetzen könnte, um seine Ziele zu erreichen?

    GAUWEILER: Die Berliner Regierungen sind leichtfertig mit unserem Staatsgold umgegangen. Der für unantastbar gehaltene Grundsatz der Staatsimmunität für staatliche Vermögenswerte im Ausland wird neuerdings übrigens ganz offen von der EU selbst infrage gestellt – in Bezug auf die eingefrorenen, vertraglich gesicherten Staatsgelder aus Russland. Sie sagen: Not kennt kein Gebot. Das wird ganz zwangsläufig Nachahmer finden. Ich rate seit Jahren, unser Staatsgold nach Deutschland zurückzuholen. Natürlich muss man das ohne großes Getöse machen, um nicht gleich den nächsten Konflikt zu provozieren. Es wird auch eine logistische Frage sein, wie man das ganze Gold aus den US-Kellern herausbekommt.

    Es wäre nicht das erste Mal, dass Trump einen Partner regelrecht erpresst.

    GAUWEILER: Sie meinen „Und willst du nicht mein Bruder sein, dann schlage ich dir den Schädel ein.“ Das hat er aber nicht gesagt. 

    Er sagte recht unverhohlen, notfalls werde er den Dänen Grönland eben mit Gewalt wegnehmen…

    GAUWEILER: Das hat er doch – getreu dem Adenauerschen Motto „Was kümmert mich mein dummes Geschwätz von gestern“ – schon wieder zurückgenommen. Er ist ja ein erfahrener Populist und hat sofort gemerkt, dass so etwas zu Hause nicht goutiert wird. Einmal andersherum: Wenn ich Anwalt der Dänen wäre, hätte ich schon längst geraten, den amerikanischen Präsidenten beim Wort zu nehmen.

    Also Grönland zu verkaufen?

    GAUWEILER: Ja klar. Das ist kein Tabubruch. Die vielen Grönland-Experten in den deutschen Feuilletons wussten nicht einmal, dass die Grönländer in den 80er Jahren gegen eine EU-Mitgliedschaft gestimmt haben. Weil Europa auf der anderen Seite des Erdballs nichts mit ihnen zu schaffen hat, außer ihre Fische wegzufangen. Im Übrigen hat Dänemark auch schon früher Teile seiner Kolonien verkauft, zuletzt noch im 20. Jahrhundert die Gruppe der Jungferninseln.

    Was ist also Ihr anwaltlicher Rat?

    GAUWEILER: Ich würde dem Mandanten Dänemark sagen: Jetzt bekommt Ihr noch etwas dafür - in wenigen Jahren vermutlich nichts mehr. Also legt dem Mister President einen Vertrag auf den Tisch mit dem Gegenangebot: Sie können unsere Hoheitsrechte über Grönland haben, für eine Billion Dollar. Dann müssten die USA wohl oder übel zustimmen und die Dänen von heute wären auf einen Schlag eines der reichsten Völker der Welt und machtpolitisch würde sich nicht viel ändern. Denn militärische Gewalt haben sie über dieses Eiland ohnehin nie gehabt. Die ist seit bald 80 Jahren in den Händen Amerikas.

    Trump scheint sich unantastbar zu fühlen. Er stellt andere Staatschefs bloß, äfft sie vor laufenden Kameras nach. Finden sie das nicht abstoßend?

    GAUWEILER: Das machen Politiker ständig. Sie machen es nur eben abseits der Kameras, am liebsten in Hintergrundgesprächen mit Journalisten oder unter sich. Das ist dann natürlich nicht abstoßend (lacht). 

    Viele sagen nun: Das ist die Stunde Europas. Wenn wir jetzt zusammenhalten, können wir neben den USA, Russland und China bestehen.

    GAUWEILER: In der hypertrophen Hoffnung, neben China, USA und Russland zu einem weiteren Erdteilstaat zu werden, will die EU die Interessen aller Mitgliedsstaaten zu einem großen Marshmallow-Brei verkleben. Trumpisch ausgedrückt: Das ist schon von der Idee her big bullshit. Mal ehrlich: Sie würden doch auch nicht die Bankkonten von allen Leuten, die in Ihrer Straße wohnen, zusammenlegen, in der Hoffnung, dass Sie gemeinsam mehr erreichen können, oder? Schauen Sie sich nur wieder die Pleite um das Mercosur-Abkommen an. Es wird zu viel unter einen Hut gebracht.

    Die Wirtschaft ist das eine, die Sicherheit das andere. Hier sind wir noch stärker von den USA abhängig. Fürchten Sie das Ende der Nato?

    GAUWEILER: Die Geschichte der Nato war im Positiven auserzählt, als der Warschauer Pakt aufgelöst und die letzten russischen Soldaten aus Deutschland für relativ wenig Geld abgezogen sind. Das war Theo Waigels ganz großes Verdienst. Und historisch betrachtet die letzte wirkliche Großtat der CSU für ganz Deutschland. Damals hätte man sagen können: Das war ein wirkliches Happy End! Jetzt schreiben wir ein neues Kapitel unserer Geschichte.

    Aber mit dem Angriff Russlands auf die Ukraine nahm diese Geschichte eine neue Wendung und alle hoffen, dass die Nato Wladimir Putin stoppen kann.

    GAUWEILER: Dieser Konflikt ist, ebenso wenig wie der vorherige Ost-West-Konflikt, militärisch nicht zu beenden. Es ist nicht richtig, Russland als Land immer mehr zu dämonisieren, wie das derzeit geschieht. Politiker und Medien haftet, wenn sie sich in etwas verbissen haben, etwas Durchgeknalltes an. 

    In der Russland-Frage nah beieinander: Peter Gauweiler bei einer Demo mit Sahra Wagenknecht.
    In der Russland-Frage nah beieinander: Peter Gauweiler bei einer Demo mit Sahra Wagenknecht. Foto: dpa

    Putin hat die Ukraine überfallen. Wie soll man da pro-russisch sein?

    GAUWEILER: Die Geschichte lief schon aber ein paar Kapitel davor. Das amtliche Washington war falsch abgebogen, als es die alten Bündnis- und Nachbarstaaten der UdSSR sämtlich zu Anti-Russländern umwandeln wollte. Dabei hatte Nova Russia doch selbst den Antrag auf die Mitgliedschaft in der Nato ins Gespräch gebracht. Daraus hätte ein besseres neues Kapitel der Geschichte geschrieben werden können.

    Sie glauben, dass man mit Putin noch reden kann?

    GAUWEILER: Man kann mit jedem reden. Wir reden ja auch neuerdings mit den Taliban und der neue syrische Präsident, früher ein islamistischer Terrorist, war zu Besuch im Weißen Haus. Politik als Kunst des Möglichen. Als Giorgia Meloni Premierministerin wurde, haben alle geschrien: Eine Post-Faschistin kommt an die Macht! Und jetzt hat ausgerechnet sie Italien zu einem der politisch stabilsten Länder Europas gemacht. Politische Ächtung bringt uns nicht weiter. Wir müssen immer wieder ins Gespräch kommen. Vergessen Sie nicht: die Menschen können sich gerade auch im Kopf ändern und sie tun es immer wieder. Wer wüsste das besser als wir Deutschen?

    Zur Person: Peter Gauweiler, einst als „Schwarzer Peter“ berüchtigt, sieht sich ganz in der Tradition von CSU-Ikone Franz Josef Strauß. Doch der 76-jährige Anwalt und frühere Bundestagsabgeordnete war immer auch ein Querkopf, ein Grenzgänger zwischen Links und Rechts.

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