Zu den grandiosesten Figuren, die der Humorist Loriot erschaffen hat, gehört Heinrich Lohse. Im besten Alter unvermittelt in den Vorruhestand versetzt, sucht der akribische Ex-Einkaufsdirektor im Spielfilm „Pappa ante portas“ nach neuen Betätigungsfeldern. Und findet sie im heimischen Haushalt. Zum Leidwesen seiner Frau, die damit klarkommen muss, dass der Gatte plötzlich zu absoluten Nicht-Zeiten daheim herumoptimiert – also tagsüber.
Und weil an der Alltagstauglichkeit des Heinrich Lohse doch mehr als zarte Zweifel angebracht sind, entwickelt sich dessen neue Häuslichkeit zum familiären Fiasko.
Um Winfried Kretschmann machen wir uns da weniger Sorgen. Der Mann wird schließlich bald 78, man muss da also eher von Spätverrentung sprechen. Außerdem hat er zu Hause seine eigene Werkstatt, in der er basteln kann, ohne Gattin Gerlinde in die Quere zu kommen. Und doch scheint das Thema „Winfried ante portas“ eines zu sein im Hause Kretschmann.
Winfried Kretschmann: „Gerlinde ist sehr reiselustig, um nicht zu sagen reisewütig“
Darauf angesprochen, antwortete der Bald-nicht-mehr-Ministerpräsident in einem Interview vielsagend: „Da machen Sie jetzt noch mal ein Fass auf …“ Andererseits: Geht es nach seiner Frau, dann ist er ohnehin auch künftig kaum zu Hause: „Wissen Sie, Gerlinde ist sehr reiselustig, um nicht zu sagen reisewütig.“ Er selbst reise hingegen lieber gedanklich: „Es gibt doch so tolle Dokumentationen im Fernsehen, du musst da doch nicht selbst hin.“
Steckt in Kretschmann also doch ein bisschen Lohse? Er selbst sieht alldem gelassen entgegen: „Aushandlungsprozesse sind in einer Ehe wichtig. Aber wir haben letztes Jahr Goldene Hochzeit gefeiert, das werden wir schon hinbekommen.“
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