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Wie Trump die Macht entgleitet

Kommentar

Wer hat noch Angst vor Donald Trump?

Margit Hufnagel
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    Was ist mit Donald Trump los? Dem US-Präsidenten scheint die Macht zu entgleiten.
    Was ist mit Donald Trump los? Dem US-Präsidenten scheint die Macht zu entgleiten. Foto: Saul Loeb, afp

    Mit Prognosen und Donald Trump ist das so eine Sache. Die Gefahr, dass er selbst die kühnsten Erwartungen noch übertrumpft, ist riesig. Doch eines lässt sich diesmal mit beinahe 100-prozentiger Sicherheit sagen: Am 80. Geburtstag des amerikanischen Präsidenten – also des mächtigsten Mannes der Welt, man muss das an dieser Stelle dazusagen – wird Blut fließen. Und das nicht zu knapp. Auf dem Rasen vor dem Weißen Haus werden zu seinen Ehren Käfigkämpfer gegeneinander antreten. Ein Spektakel wie im antiken Rom, wo einst Gladiatoren zur Unterhaltung als Kampfmaschinen auftraten.

    Trump liebt das Lautstarke, die Inszenierung. Und doch könnte man meinen, er habe sich in den vergangenen Monaten seit seinem Amtsantritt selbst oft genug eine blutige Nase geholt und würde es etwas ruhiger angehen. Doch die Feierlichkeiten sollen nicht nur dem Jubilar huldigen, sie sollen vor allem das Volk ablenken. Denn in Washington läuft es nicht mehr rund für Trump. Der Dealmaker stößt mit seiner Art der Politik an Grenzen. Und die tun sich immer dann auf, wenn er an jene gerät, die noch skrupelloser sind als er selbst.

    Putin und Chamenei sind noch skrupelloser

    „Wahre Macht ist – ich möchte das Wort eigentlich gar nicht in den Mund nehmen – Angst.“ Es ist ein Satz, den Trump schon im Jahr 2016 gesagt hat. Er hat lange funktioniert. Die Europäer mögen kuschen vor seinen Drohgebärden, die Nato ihm schmeicheln. Doch den Mullahs im Iran, dem russischen Präsidenten Wladimir Putin und Chinas Machtapparat ist er nicht gewachsen. Denn die scheren sich nicht um das Wohl der Menschen, deren Wohl sie eigentlich dienen sollen.

    Dass seine Soldaten an der Front ihr Leben lassen für eine Idee, die längst unrealistisch ist – nämlich die ganze Ukraine zu erobern – bringt Putin nicht zurück an den Verhandlungstisch. In Peking blickt Xi Jinping inzwischen mit der Gewissheit auf Amerika, dass das eigene System haushoch überlegen sei. Und dass sich die Iranerinnen und Iraner am Rande des wirtschaftlichen Zusammenbruchs bewegen, ist für Ayatollah Modschtaba Chamenei noch längst kein Grund, einen Kompromiss einzugehen und so die Sanktionen gegen sein Land zu lindern. Noch nicht einmal Trumps Getreuer, Benjamin Netanjahu, lässt sich an die Leine nehmen.

    Gegen die Mullahs hat Trump schon verloren

    Doch am Beispiel Iran zeigt sich am deutlichsten, wie erbarmungslos Trump die Macht regelrecht entgleitet: Die USA mögen die stärkere Armee haben, doch die Mullahs haben den Krieg längst gewonnen. Allein die banale Tatsache, dass sie auch mehr als 100 Tage nach Beginn des Krieges noch an der Macht sind, macht Trump zum Verlierer. Hatte der US-Präsident nicht eben noch verkündet, dass es nur noch wenige Tage dauern werde, ehe der Iran klein beigibt? Frieden durch Stärke heißt das Motto im Pentagon. Doch wie glaubwürdig ist das, wenn am Ende kein Frieden in Sicht ist? Und was bedeutet das für die eigene Stärke?

    Die Amerikanerinnen und Amerikaner jedenfalls kann Trump durch seine Kraftmeierei nicht mehr beeindrucken. Die fast schon religiöse Verehrung durch seine Hardcore-Anhänger mag darüber auf den ersten Blick hinwegtäuschen, doch seine Umfragewerte sind längst im freien Fall. Sie müssen nur an die Tankstelle fahren und einen Blick auf die Spritpreise werfen, um zu wissen, wo ihr Land steht. Selbst innerhalb der republikanischen Partei regt sich so etwas wie Widerstand. Ein staatlicher Fonds für angebliche Justizopfer – darunter Männer, die im Januar 2021 das Kapitol gestürmt hatten – wurde ausgebremst, ein Paket zur Ukraine-Unterstützung zusammen mit den Demokraten verabschiedet.

    Täuschen lassen sollten sich vor allem die Europäer von dieser Entwicklung nicht. Trumps Macht scheint zwar zu bröckeln, doch Nachfolger in seinem Geiste stehen bereits in den Startlöchern. Die Welt, wie sie früher einmal war, in der die USA auf die Interessen der Partner Rücksicht genommen haben, wird nicht wieder zurückkehren.

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