In mehreren europäischen Ländern häufen sich seit dem Spätsommer 2024 Fälle von Hunden, die plötzlich panisch wirken, ihre Halter nicht mehr zu erkennen scheinen und teilweise aggressiv reagieren. Darüber berichtete unter anderem das ZDF. Was viele zunächst für einen Anfall oder eine akute psychische Störung hielten, wird inzwischen umgangssprachlich unter dem Begriff „Werwolfsyndrom“ zusammengefasst – ein Phänomen unbekannter Ursache, das Tierärzte quer durch Europa beschäftigt. Was ist das Werwolfsyndrom, welche Symptome bringt es mit sich und was können Halter tun?
Übrigens: Viele Menschen in Deutschland würden sich gerne den Traum vom eigenen Hund erfüllen und wählen Rassen nach bestimmten Kriterien aus. Mal soll der Hund besonders gut für Familien oder Allergiker geeignet sein, für andere ist ein friedliches Naturell wichtiger oder dass der Hund wenig bellt. Bei den beliebtesten Rassen in Deutschland gibt es aber eine klare Nummer 1. Auch bei den Hundenamen in Deutschland gibt es unangefochtene Spitzenreiter.
Was ist das Werwolfsyndrom?
Der Begriff „Werwolfsyndrom“ ist kein veterinärmedizinischer Fachbegriff, sondern ein umgangssprachlicher Ausdruck, der sich aus der Beschreibung vieler Halter ableitet, deren Hunde plötzlich jaulen, heulen oder laut bellen. Das ZDF beschreibt es in einem Beitrag als schwere neurologische Störung, die ohne Vorwarnung beginnt und von „Bellen, Zittern und extremen Angstzuständen“ begleitet werden kann. Die zu dem Thema forschende LMU München definiert das Krankheitsbild als „akute, episodische Verhaltensstörung mit Angstzuständen und schweren neurologischen Symptomen.“
Werwolfsnydrom: Welche Symptome treten typischerweise auf?
Hunde, die am Werwolfsyndrom leiden, zeigen diese am häufigsten beschriebenen Symptome:
- Panikattacken
- Angstreaktionen wie Heulen und Zittern
- unkontrollierte oder unkoordinierte Bewegungen
- starkes Jaulen oder Bellen
- Fluchtverhalten
- im späteren Verlauf teilweise epileptische Anfälle
Die Tierärztliche Hochschule Hannover (TiHo Hannover) und die LMU München betonen in Beiträgen, dass die genannten Symptome sehr plötzlich auftreten – ein wichtiges Unterscheidungsmerkmal gegenüber anderen neurologischen Erkrankungen.
Warum wirken Hunde panisch und aggressiv zugleich?
Viele Tiere, die am Werwolfsyndrom leiden, wirken gleichzeitig verängstigt und zeigen aggressive Reaktionen. Einige Hunde scheinen ihre Halter vorübergehend nicht zu erkennen, was zu unberechenbarem Verhalten führen kann. Das ZDF berichtet, dass manche Hunde in ihrem Stress sogar versuchen, durch geschlossene Fenster zu springen. Da die neurologischen Störungen plötzlich einsetzen, geraten viele Hunde in eine Mischung aus Angst, Panik und Desorientierung, erläutert die TiHo Hannover.
Welche Ursachen kommen für das Werwolfsyndrom infrage?
Zwischenzeitlich ging man davon aus, dass es sich beim Werwolfsyndrom mutmaßlich um Vergiftungserscheinungen handelt, da die meisten betroffenen Hunde kurz vor dem Auftreten der Symptome Kauknochen aus Rinderhaut erhalten hatten – jedoch fehlt der endgültige Nachweis für einen kausalen Zusammenhang, wie die LMU und die TiHo betonen.
Wichtig: Die LMU stellte in einem Beitrag aus dem Juni 2025 klar, dass bisher kein toxikologischer Nachweis erbracht wurde, weder in den Kauknochen noch in Körperproben der Hunde. Auch die TiHo betont, dass der zeitliche Zusammenhang allein keine eindeutige Ursache beweist. Andere potenzielle Ursachen wie Impfungen oder Ektoparasitika wurden ausgeschlossen, weil kein zeitlicher Zusammenhang besteht.
Was können Halter tun, wenn ihr Hund so reagiert?
Sollte ein Hund gemäß den Symptomen reagieren, rät Tierärztin Nina Meyerhoff laut dem Stern dazu, zunächst auf die eigene Sicherheit zu achten, da betroffene Hunde sich anders verhalten könnten als gewohnt. Wichtige Sofortmaßnahmen sind Stern und ZDF zufolge:
- Hund sichern (Geschirr, doppelte Leine)
- Reizarme Umgebung schaffen
- Hund von Kindern und fremden Menschen fernhalten
- Möglichst schnell eine tierneurologische Praxis oder eine Tierklinik aufsuchen
Dort umfasst die Behandlung die Gabe von Beruhigungsmitteln, angstlösenden Medikamenten und gegebenenfalls Antikonvulsiva. Die angeführten Quellen betonen allerdings, dass die Erkrankung beim Hund nicht tödlich verläuft und die Symptome meist nach einigen Tagen bis Wochen abklingen.
Werwolfsyndrom: Lässt sich das Verhalten vorbeugen?
Viele Tiere sprechen auf angstlösende oder beruhigende Medikamente an; manche erholen sich aber auch ohne medikamentöse Behandlung, wie der NDR in einem Beitrag erklärte. Da die konkrete Ursache des Phänomens noch nicht nachgewiesen ist, gibt es bislang keine wissenschaftlich belegte Präventionsmaßnahme. Sowohl die TiHo Hannover als auch die LMU München betonen, dass derzeit keine abschließende Bewertung möglich ist. Eine epidemiologische Studie soll erst klären, ob möglicherweise Kauknochen eine Rolle spielen oder ob andere Faktoren an der Entstehung des Werwolfsyndroms beteiligt sind.
Bis dahin bleibt das Werwolfsyndrom ein neurologisches Phänomen, das Hunde in extreme Angst- und Panikzustände versetzen kann. Bis ein toxikologischer Beweis erbracht ist, gilt der Expertenrat: Symptome beim Hund ernst nehmen und schnell tierneurologische Hilfe suchen.
Übrigens: Die Forschung beschäftigt sich nicht nur mit Krankheiten, die Hunde befallen können. Eine Studie untersuchte beispielsweise, ob Hunde so gute Menschenkenner sind, wie ihre Besitzer immer annehmen. Eine weitere Untersuchung räumte mit dem Glauben auf, Hunde könnten die Angst von Menschen riechen.
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