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Kriminalität auf Kreuzfahrtschiffen. Das sind die häufigsten Straftaten, die angezeigt werden

Kreuzfahrt

„Die Dunkelziffer dürfte höher liegen“: Vor allem diese Straftaten passieren auf Kreuzfahrtschiffen

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    Viele Passagiere, wenig gemeldete Straftaten: Kriminalität auf Kreuzfahrtschiffen ist laut einer Studie ein Tabuthema.
    Viele Passagiere, wenig gemeldete Straftaten: Kriminalität auf Kreuzfahrtschiffen ist laut einer Studie ein Tabuthema. Foto: Andrii - stock.adobe.com

    Eine Kreuzfahrt dauert im Schnitt eine Woche, bis zu 10.000 Menschen sind inzwischen auf den Gigalinern der Weltmeere unterwegs. So viele Menschen auf engem Raum – auch wenn die Werbung der Reedereien und Agenturen paradiesische Zustände versprechen, sind Konflikte und auch Straftaten an Bord möglich. Professor Dominic Kudlacek, Leiter des Studiengangs „Integrated Safety and Security Management“ an der Hochschule Bremerhaven, wollte es genauer wissen und startete die Studie „Crime at Seas“. Sein erster Eindruck: Ein Tabuthema, zu dem es kaum Informationen gibt. „Das ist ein riesiges schwarzes Loch“, sagte er bei der Vorstellung seiner Studie kürzlich auf dem Deutschen Präventionstag in Hannover.

    Vor allem Sexualdelikte werden auf Kreuzfahrtschiffen angezeigt

    Nur in den USA gibt es laut Kudlacek offizielle Zahlen über Kriminalität auf Kreuzfahrtschiffen. Für die Monate April, Mai und Juni des vergangenen Jahres weist diese Statistik 43 Straftaten für rund 100 Kreuzfahrtschiffe mit 700.000 Menschen an Bord auf, die in Häfen der USA anlegten. Mit weitem Abstand an der Spitze liegen dabei Sexualdelikte, von der sexuellen Belästigung bis zur Vergewaltigung. „43 Straftaten auf 700.000 Menschen sind wenig plausibel, die Dunkelziffer dürfte wesentlich höher liegen“, sagt Kudlacek. Er hat die wenigen wissenschaftlichen Studien ausgewertet, die Zahlen zu dem Thema liefern. Eine US-Studie nennt Zahlen aus einer Branchenstatistik für den Zeitraum 2003 bis 2005. Danach kam es bei 31 Millionen Fahrgästen zu 178 sexuellen Übergriffen, 24 vermissten Personen und vier Raubüberfällen.

    Die Straftaten fanden überwiegend zwischen Passagieren statt, gefolgt von Crewmitgliedern als Täter und Passagiere als Opfer sowie Straftaten innerhalb der Besatzung. Nach der Untersuchung „Sex auf See“ von Klein & Poulson von 2011 kam es innerhalb von einem Jahr zu 92 Fällen sexueller Gewalt auf Kreuzfahrtschiffen, bei denen vor allem Besatzungsmitglieder und Minderjährige unter den Opfern waren.

    Die Fallzahlen auf Kreuzfahrtschiffen seien auffallend niedrig

    Professor Dominic Kudlacek
    Professor Dominic Kudlacek Foto: privat

    Angesichts der oft vagen Aussagen und auffallend niedrigen Fallzahlen versucht Kudlacek selber etwas mehr Licht ins Dunkel zu bringen, durch Interviews mit 15 Personen, die mindestens zwei Jahre als Crewmitglieder auf Kreuzfahrtschiffen unterwegs waren. Nach ihren Aussagen geht es bei Straftaten an Bord vor allem um Diebstähle. „Immer wieder wurde in den Interviews von ‚normalem Schwund‘ im kleineren Rahmen gesprochen, mit dem man rechnen muss“, sagt Kudlacek. An zweiter Stelle stehen danach sexuelle Übergriffe, von denen vor allem Bordpersonal und vereinzelt Passagiere betroffen seien. Seltener seien Schmuggel, Drogen und Vandalismus auf Kreuzfahrtschiffen.

    „Vorfälle werden an die Vorgesetzten gemeldet. Behörden werden nur bei schwerwiegenden Fällen informiert, wie zum Beispiel bei sexuellen Übergriffen, die durch Aufnahmen der Bordkameras auch belegt werden können“, so Kudlacek. Sprich: Es wird so wenig wie möglich an die große Glocke gehängt. Nicht selten würden nach einer Studie von Wilson & Hanley von 2022 die Opfer selber für Vergewaltigungen verantwortlich gemacht und Beweise unterdrückt, um das Image des Unternehmens nicht zu beschädigen. Die Interviewpartner betonen zudem, dass bei Vergehen innerhalb der Crew Vorgesetzte versuchen, eine Lösung zu finden und Konflikte intern zu regeln.

    Alkohol auf Kreuzfahrtschiffen spielt eine wichtige Rolle

    Alkohol spiele die wichtigste Rolle bei Schlägereien, Übergriffen und Belästigungen an Bord. Solche Probleme würden eher auf großen Kreuzfahrtschiffen mit vielen Partys als auf kleineren und luxuriöseren Schiffen auftreten. Was letztlich als unangemessenes sexuelles Verhalten wahrgenommen und gemeldet werde, hänge auch von unterschiedlichen kulturellen Normen ab.

    Kudlacek kritisiert ungenügende staatliche Kontrolle und fehlende einheitliche Regeln für den Umgang mit Straftaten auf hoher See. Wenn sich das Schiff in internationalen Gewässern befindet, sei in manchen Fällen die Justiz des Landes zuständig, unter dessen Flagge das Schiff fährt, in anderen Fällen wiederum sei der Start- oder der Zielhafen entscheidend.

    Kudlaceks Fazit: „Unsere Interviews zeigen nur die Perspektive der Crew. Wir müssten auch Passagiere befragen. Derzeit wird die Kriminalität auf Kreuzfahrtschiffen eher unter- als überschätzt.“

    So reagieren die Kreuzfahrt-Anbieter

    Und was sagen die großen Kreuzfahrtveranstalter? AIDA Cruises, mit 1,5 Millionen Gästen auf seinen elf Schiffen im vergangenen Jahr deutscher Marktführer bei Kreuzfahrten, teilt mit: „Wir bitten um Verständnis, dass wir zu sicherheitsrelevanten Aspekten an Bord unserer Schiffe keine Auskünfte geben können.“ TUI Cruises kommt 2025 auf 895.000 Gäste und 14.000 Crewmitglieder - und hat auf eine Anfrage nicht geantwortet.

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