Herr Vogele, Der AVV wurde vor 40 Jahren gegründet. Wie war die Situation im öffentlichen Personennahverkehr denn in der Zeit vorher in der Region?
KARL VOGELE: Die Ausgangslage nach 1945 war katastrophal. Pendler und Schüler mussten beispielsweise im Altlandkreis Schwabmünchen bis zu fünf Kilometer auf holprigen Straßen zum nächsten Bahnhof zu Fuß oder mit dem Rad zurücklegen. Und dies auch noch in den schneereichen, kalten Wintermonaten. Die Bahn war das einzige Rückgrat des öffentlichen Personennahverkehrs. Es war sehr mühsam und zeitraubend, den Arbeitsplatz in Augsburg oder im Stadtumland zu erreichen. Ende der 1960er-Jahre, in der Zeit des Wirtschaftswunders, fuhren zwei Drittel der Pendler mit dem Auto an den Arbeitsplatz. Augsburger Stadträte sorgten sich um die wachsende prekäre Verkehrssituation in der Innenstadt und riefen nach neuen Lösungen. Der Ruf nach mehr Bahnbussen wurde lauter. Dafür opferte die Bundesbahn ab 1963 drei Zughalte, zuerst in Wehringen, dann in Großaitingen und in Westerringen. Ein großer Arbeitgeber, die ehemalige Firma Hoechst in Bobingen, hatte früher eigene Werksbusse für die Mitarbeiter, denn mit den üblichen Busverbindungen wäre ein Schichtbetrieb in der Fabrik gar nicht möglich gewesen.
Wie kam es zur Idee, einen Tarif- und Verkehrsverbund ins Leben zu rufen?
VOGELE: Die Idee entstand viele Jahre vor der Gründung. Aber, um solch ein Vorhaben umzusetzen, braucht es die richtigen Entscheidungsträger und den entsprechenden Zeitgeist. Das war Anfang der 1970er-Jahre gegeben. Der damalige bayerische Wirtschaftsminister Anton Jaumann war ein Befürworter der wirtschaftlichen Stärkung des ländlichen Raumes. Mein Vorgänger, Landrat Frey, war ebenfalls einer der treibenden Motoren. Und so wurde in den 1970er-Jahren das erste Verkehrsgutachten in Auftrag gegeben. Das war der erste von drei Meilensteinen auf dem Weg zum AVV.
Um kommentieren zu können, müssen Sie angemeldet sein.
AnmeldenSie haben noch kein Konto? Kostenfrei registrieren