Nach etwas mehr als fünf Jahren wechselt Bobingens Stadtkämmerer zum Landkreis Augsburg und wird in Zukunft dessen Finanzen verwalten. Die grundsätzliche Lage bleibt dabei die Gleiche. Genauso wie in der Stadt Bobingen ist die Finanzsituation beim Landkreis angespannt. Die Stadt Bobingen verliert dabei einen kompetenten und menschlichen Finanzchef. So war Stefan Thiele auch vor sechs Jahren in Cremlingen verabschiedet worden. „Unseren Respekt und unsere Anerkennung hat er sich durch seine menschliche und kompetente Art im Einsatz für die Gemeinde Cremlingen erworben“, sagte seinerzeit Uwe Lagosky, Vorsitzender der CDU-Gruppe im Cremlinger Stadtrat. Von dort hatte Stefan Thiele damals nach Bobingen gewechselt.
Herr Thiele, wie fällt das Fazit Ihrer Amtszeit in Bobingen aus?
STEFAN THIELE: Es war eine durchweg bereichernde Zeit. Mir wurde von Anfang an große Unterstützung zuteil. Vor allem die menschliche Komponente in besonders herausfordernder Zeit werde ich bestimmten Kolleginnen und Kollegen nicht vergessen. Hierfür werde ich ihnen immer dankbar sein.
Sind die Gründe für den Wechsel beruflicher oder privater Natur?
THIELE: Die Gründe liegen ausschließlich im beruflichen Bereich und bestehen aus mehreren Komponenten, die ich hier aber nicht ausführen werde.
Kämmerer Stefane Thiele: „Sachlicher Streit ist das Salz in der Suppe“
Steht der Wechsel zum Kreis vielleicht mit dem Wahlausgang in Bobingen in Zusammenhang? Zwischen ihnen und der FBU-Fraktion im Bobinger Stadtrat gab es ja doch ein paar Meinungsverschiedenheiten.
THIELE: Sachlicher Widerstreit ist das besondere Salz in der Suppe. Es gehört einfach dazu, sich bei unterschiedlichen Auffassungen - manchmal auch hart in der Sache - auszutauschen. Am Ende dürfen wir aber das Gemeinsame nicht aus den Augen verlieren: Politische Entscheidungsträger sowie städtische Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind nicht für ihre eigenen Interessen da, sondern im Rahmen der Gesetze für die Einwohner Bobingens.
Die Finanzlage in Bobingen war schon zu seinem Amtsantritt alles andere als rosig. Daran hat sich nichts geändert. Ist es für einen Kämmerer eher Stress oder doch Herausforderung, wenn man den sprichwörtlichen „Taler dreimal umdrehen muss“?
THIELE: Die Finanzlage vieler Kommunen ist nicht rosig, und das wird in der nächsten Zeit nicht besser! Das begreife ich als besondere Herausforderung, die allerdings viele Kolleginnen und Kollegen im gesamten Land umtreibt. Es gibt nicht immer deckungsgleiche Interessen: Verwaltungen haben ihre Vorstellungen, Einwohnerschaft und Interessengruppen melden ihre individuellen Bedürfnisse an, Stadträte bringen ihre politischen Ideen ein und diese münden in einen Haushalt.
Thieles Sorge: Immer mehr Egoismus in der Gesellschaft
Als „Mann aus dem Norden“ hatten Sie, besonders zu Beginn der Amtszeit, eher einen Blick von außen auf die Stadt. Was hat sich für sie positiv dargestellt, was eher negativ?
THIELE: Meine Anfangszeit in Bobingen war besonders von Corona und allen Begleiterscheinungen geprägt. Der Ukraine-Krieg folgte, nun gibt es kriegerische Auseinandersetzungen im Nahen Osten, die sich massiv auf eine sehr anfällige Wirtschaftsstruktur Deutschlands auswirken. Darüber hinaus sehe ich seit Jahren mit Sorge auf eine sich immer stärker in Richtung Egoismus entwickelnde Gesellschaft. Diese versucht in immer stärkerer Ausprägung die öffentliche Hand auf allen Ebenen zum Selbstbedienungsladen zu gestalten, ohne selbst Verzicht üben zu wollen. Das kann auf Dauer nicht gut gehen! Die Zeiten, in denen es nur immer bergauf geht, haben wir nicht mehr. Wir erkennen, dass der Gürtel enger geschnallt werden muss. Das kann nur solidarisch gelöst werden, indem jeder etwas dazu beiträgt. Trotz dieser nicht von uns beeinflussbaren Faktoren ist es in Bobingen gelungen, professionell zu arbeiten, wichtige und in die Zukunft gerichtete Entscheidungen zu treffen und umzusetzen, das Miteinander der städtischen Mitarbeiterschaft anders und moderner auszurichten. Ein Prozess, der von Bürgermeister Förster und dem vorherigen Stadtrat getragen wurde, und von dem ich nun hoffe, dass er unter neuem Bürgermeister und neuem Stadtrat fortgesetzt wird.
Welchen Rat würden Sie Ihrem Nachfolger oder Ihrer Nachfolgerin geben?
THIELE: Im besten Fall kommt eine in Kämmerei-Angelegenheiten erfahrene Person, die aber offen für das weite Zuständigkeitsfeld meines Referates ist. Allgemein rate ich dazu, nicht zu vergessen, wer die eigentliche Arbeit in einer Kommune Stadt Bobingen erledigt. Das sind viele wertvolle Kolleginnen und Kollegen, nicht nur im Rathaus, sondern insbesondere auch in den Außenstellen. Sie alle tragen mit ihrer Arbeit zu einem guten Gesamtbild bei, machen eine Stadt Bobingen lebenswert.
Was erwarten Sie sich von Ihrer neuen Tätigkeitsfeld als Kämmerer des Landkreises?
THIELE: Da ich bereits Kreiskämmerer war, erwarte ich aus rein fachlicher Sicht keine größeren Überraschungen. Die finanziellen Rahmenbedingungen auf Kreisebene sind sehr herausfordernd, und sie werden durch viele Abhängigkeiten der staatlichen Ebenen untereinander nicht besser. Aus menschlicher Sicht bin ich sehr neugierig auf meine künftigen Kolleginnen und Kollegen und freue mich auf eine ähnlich sympathische Aufnahme, wie ich sie seinerzeit in Bobingen erfahren habe.
Zur Person: Stefan Thiele ist in Braunschweig geboren. Der 59-Jährige hat einen Sohn und einen Enkel. Seit rund zwei Jahren lebt er mit seiner Frau in Bayern. Zuvor war Thiele Gemeindekämmerer in Cremlingen. Beim Wechsel ging es Stefan Thiele auch um persönliche Lebensqualität. Zum Hintergrund seines Abschiedes in Cremlingen sagte Thiele damals: „Der Schritt nach Bayern fällt mir nicht leicht, da ich in Cremlingen viele Freundschaften und gute Kollegen und Kolleginnen zurücklasse. Aber das allein macht nicht alles aus. Meine Vorstellung von der Führung einer Gemeindeverwaltung sieht anders aus. Und bevor sich das noch stärker auf meine Gesundheit auswirkt, musste ich diese Entscheidung, so leid es mir tut, für mich und meine Frau treffen.“
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