Die Wertachkliniken wollen am Standort Bobingen ihre Krankenpflegeschule massiv ausbauen. Künftig soll dort eine einjährige Ausbildung zur Pflegefachhilfe möglich sein. Außerdem soll es mehr Plätze bei der Pflegefachausbildung geben. Was für potenzielle Bewerber ein zusätzlicher Anreiz sein dürfte: Direkt an der Wertachklinik werden zehn Wohnungen in rund 15 Containern eingerichtet. Nötig sind außerdem weitere Schul- und Gruppenarbeitsräume, Toiletten, Büros, Gemeinschaftsräume sowie ein Archiv und eine Bibliothek. Dafür sind weitere rund 40 Container geplant. Sie sollen direkt an der Pflegeschule im Osten der Bobinger Wertachklinik aufgestellt werden.
Ausbau für den Pflegeschul-Campus der Wertachkliniken kostet über drei Millionen Euro
"Pflegeschul-Campus" nennt der Vorstand der Wertachkliniken, Martin Gösele, den Ausbau. Rund 3,1 Millionen Euro werden dafür veranschlagt. Die Mitglieder des Kreisausschusses stimmten bereits zu. Möglich macht die Investition der positive Geschäftsabschluss der Wertachkliniken für 2021. Ursprünglich war mit einem Minus von über drei Millionen Euro gerechnet worden.
Mit dem Pflegeschul-Campus wollen die Wertachkliniken dem Fachkräftemangel entgegentreten. "Er ist groß", sagt Gösele. Derzeit seien 40 der rund 300 Stellen in der Pflege unbesetzt. Die Situation wirkt sich auch auf den Alltag in den Kliniken aus: "Wegen des Fachkräftemangels wird die Belastung immer größer. Deshalb suchen wir dringend qualifizierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, damit wir insbesondere die Pflege unserer Patienten - die ja unter normalen Umständen eine sehr erfüllende und sinngebende Tätigkeit ist - wieder auf mehrere Schultern verteilen können", sagte Gösele in einem Interview im Mai.
Viele Pflegekräfte hätten das Gefühl, in ihrem Arbeitsalltag nicht mehr das tun zu können, weshalb sie den Beruf einmal gelernt haben. Gösele: "Der stetig steigende Dokumentationsaufwand und die immer höhere Arbeitsverdichtung, vor allem auch die zunehmenden Personalengpässe wegen offener Stellen oder Krankheitsausfällen lassen kaum noch Zeit für die tatsächliche Pflege. Viele Pflegekräfte sind daher enttäuscht von der Realität des Arbeitsalltags." Es müssten zum Teil über Arbeitnehmerüberlassungen externe Pflegefachkräfte "eingekauft" werden, um in manchen Bereichen die Versorgung aufrechterhalten zu können.
"Wir möchten Mut zum Pflegeberuf machen"
In Zukunft wollen die Wertachkliniken noch stärker auf den eigenen Nachwuchs bauen. Vor allem von der Ausbildung zum Pflegefachhelfer und zur Pflegefachhelferin versprechen sich die Verantwortlich viel. Sie dauert ein Jahr, Voraussetzung ist der Mittelschulabschluss. "Gerade für Interessierte, die schnell in den Beruf starten möchten, bietet dieser Weg eine gute Möglichkeit mit verhältnismäßig niedrigen Einstiegshürden. Wir möchten Mut zum Pflegeberuf machen", sagt Schwabmünchens Bürgermeister Lorenz Müller. Daran angeschlossen werden kann die dreijährige Pflegefachausbildung, für die sonst mindestens die Mittlere Reife notwendig ist. Es sollen 20 bis 25 Ausbildungsplätze entstehen. Start soll im September 2023 sein.
Gleichzeitig soll es fünf zusätzliche Plätze bei der Pflegefachausbildung geben. Die maximale Auslastung pro Ausbildungsjahr beträgt 25 Schüler und Schülerinnen. Die Vergangenheit hat gezeigt, dass bis zu fünf Auszubildende frühzeitig abbrechen. Um eine Klassenstärke von mindestens 25 zu erhalten, ist eine Erhöhung der Plätze auf 30 Auszubildende pro Klasse geplant.
Pläne für die Pflegeschule erhalten ein positives Echo
Der Ausbau der Pflegeschule in Bobingen stößt auf ein positives Echo. "Die Kreistagsfraktion der CSU im Landkreis Augsburg möchte im Kleinen und regionalen Rahmen etwas Konkretes gegen den Mangel an Pflegekräften tun", erklärt der Verwaltungsratsvorsitzende der Wertachkliniken und CSU-Kreisrat Norbert Krix aus Königsbrunn. "Deshalb haben wir im Verwaltungsrat der Wertachkliniken die Erweiterung der Krankenpflegeschule vorangetrieben. Indem wir vor Ort Ausbildungskapazitäten neu schaffen und erhöhen, können wir perspektivisch die Pflege sowie die Arbeit der Krankenhäuser im Landkreis Augsburg stärken."
Der Bobinger Bürgermeister Klaus Förster regte an, den Ausbau der ehemaligen Schwesternwohnheime vor Ort zu prüfen. Sie könnten perspektivisch in die Schule integriert werden. Landrat Martin Sailer sieht darin eine Chance für die landkreiseigene Wohnungsbaugesellschaft. Melanie Schappin von den Freien Wählern fragte, ob es nicht eine Alternative zu Metallcontainern, zum Beispiel aus Holz, geben könnte. Harald Güller betonte, dass der Landkreis wegen seiner Beteiligung am Kommunalunternehmen in Bobingen am richtigen Ort wirke. Damit spielte er auf die Pläne in Dinkelscherben an, dort eine neue Pflegeschule zu errichten.