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Graben: Er hat Graben in ein neues Zeitalter geführt

Graben

Er hat Graben in ein neues Zeitalter geführt

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    Bis 2008 war Hans Winkler Bürgermeister von Graben. In seinen 24 Jahren als Gemeindeoberhaupt hat er die Gemeinde Graben maßgeblich geprägt.
    Bis 2008 war Hans Winkler Bürgermeister von Graben. In seinen 24 Jahren als Gemeindeoberhaupt hat er die Gemeinde Graben maßgeblich geprägt. Foto: Brigitte Fregin

    Er hat Graben geprägt wie kein anderer: Rathaus, Schule, Feuerwehrhaus, Bürgersaal, Kindergärten oder die Gewerbeflächen an der A30, wo heute Amazon, Lidl und Hermes zu Hause sind: Sie gehen auf Hans Winkler zurück. Am Wochenende ist er im Alter von 86 Jahren gestorben.

    Hans Winkler war ein Macher und Schaffer: 2003 präsentierte er das Modell des neuen Bürgerhauses.
    Hans Winkler war ein Macher und Schaffer: 2003 präsentierte er das Modell des neuen Bürgerhauses. Foto: Erik Markert

    Er war ein Macher, der die Gemeinde in ein neues Zeitalter geführt hat. Doch beinahe hätte er einen anderen Weg eingeschlagen. Jahrzehntelang arbeitete er als Flugzeugmechaniker bei der Bundeswehr. Erst in Landsberg bei den Amerikanern, dann beim Jagdbombergeschwader 32 auf dem Lechfeld. Mit Mitte 30 machte er seinen Meister. 1983 durfte er im Starfighter von Frankreich aufs Lechfeld fliegen. Wer weiß, was ihn in seiner Flugzeugkarriere nicht noch alles erwartet hätte, wäre er nicht 1984 Bürgermeister von Graben geworden. Um sich schnell in das besondere Ehrenamt einzufinden, besuchte er Seminare und wälzte Geschichtsbücher aus der Region. Winkler stieß dabei auf etwas Besonderes.

    Großes Fugger-Fest in der Gemeinde Graben

    Er entdeckte, dass Fürst Karl Fugger zu Babenhausen Ehrenbürger von Grabenwar und der Gemeinderat im Jahr 1899 beschlossen hatte, jedem Haupt dieser Linie das Ehrenbürgerrecht zu verleihen. Und genau das machte der neue Bürgermeister 1989: Hubertus Fürst Fugger von Babenhausen wurde Ehrenbürger der Gemeinde. Die Verleihung war ein Spektakel, denn rund 10.000 Gäste kamen zum Fest in die kleine Lechfeldgemeinde. Während Augsburg heute meistens mit den Fuggern in Verbindung gebracht wird, kann sich Graben als Fuggergemeinde rühmen. Denn Stammvater der heute bekannten Linien war der Weber Hans Fugger, der 1367 nach dem Ehrenbuch aus dem Dorf Graben südlich von Augsburg in die damalige freie Reichsstadt übersiedelte. "Fucker advenit", zu deutsch "Fugger angekommen", wurde im Augsburger Steuerbuch vermerkt, als sich der Weber eine Existenz in der großen Stadt aufbaute. 

    Auf Hans Winkler geht das große Gewerbegebiet zurück

    Nicht nur der Heimatgeschichte galt das große Interesse von Hans Winkler. Er wollte seine Heimat gestalten. Er wurde vom Macher zum Schaffer und zur Leitfigur. In seiner Amtszeit wurde das neue Rathaus gebaut, ebenso eine Schule und zwei Kindergärten. Zu einem harten, aber erfolgreichen Kampf wurde die Ausweisung des Gewerbegebiets an der A16 am B17-Zubringer. In seiner Amtszeit war es noch ein Feld. Er sorgte für einen Flächennutzungsplan und legte damit den Grundstein für das Gewerbegebiet. Rund zehn Jahre verhandelte Winkler mit Ämtern. Dann erlebte der Bürgermeister einen Tiefschlag. Der Mineralwasserhersteller Altmühltaler Mineralbrunnen wollte sich ansiedeln und rund 90 Millionen Euro investieren. Doch der Widerstand in der Bevölkerung war groß - der Bürgermeister erhielt sogar Drohbriefe - und die zuständige Behörde stellte keine Genehmigung aus. Winkler bemühte sich auch um eine Ansiedlung von BMW.

    Der Nachwuchs lag Hans Winkler, der in Lagerlechfeld geboren wurde und aufwuchs, immer sehr am Herzen.
    Der Nachwuchs lag Hans Winkler, der in Lagerlechfeld geboren wurde und aufwuchs, immer sehr am Herzen. Foto: Privat

    Grabens Altbürgermeister spielte mit Leidenschaft Fußball

    Seine Leidenschaft galt auch dem Fußball. Der gebürtige Lagerlechfelder, der 1959 seine Frau Thea heiratete und einen Sohn und eine Tochter bekam, spielte jahrzehntelang. Über 30 Jahre stand er an der Spitze der SpVgg Lagerlechfeld-Graben. "Er hat den Verein stark geprägt", sagt Bürgermeister Andreas Scharf. In seiner Zeit als Vorsitzender wurde zum Beispiel die Vereinsturnhalle mit Sportheim gebaut. Scharf erlebte Winkler auch als Fußballtrainer in der A-Jugend: "Er konnte wahnsinnig motivieren." So wurde dann noch manches Spiel nach einem Rückstand umgebogen. Scharf erlebte Winkler später auch als Geschäftsstellenleiter im Rathaus - Graben war aus der Verwaltungsgemeinschaft Lechfeld ausgetreten und konnte wieder Einheitsgemeinde mit eigener Verwaltung sein. Zwischen Winkler und Scharf entwickelte sich ein sehr enges Vertrauensverhältnis. Scharf erinnert sich: "Er sagte immer, dass es nichts gibt, was man nicht schaffen kann."

    Bodenständig und verwurzelt

    Der Bundestagsabgeordnete Eduard Oswald (rechts) verlieh Hans Winkler die Erinnerungsmedaille des Deutschen Bundestages.
    Der Bundestagsabgeordnete Eduard Oswald (rechts) verlieh Hans Winkler die Erinnerungsmedaille des Deutschen Bundestages. Foto: Carmen Janzen

    Seine Arbeit wurde gesehen und gewürdigt. Innenminister Günther Beckstein ehrte ihn zum Beispiel für besondere Verdienste um die kommunale Selbstverwaltung. Ministerpräsident Edmund Stoiber verlieh ihm das Ehrenzeichen für Verdienste im Ehrenamt. Auch von Landrat Karl Vogele gab es eine Auszeichnung, vom DFB und von der Lagerlechfelder Sportvereinigung sowieso. Die Gemeinde machte ihn zum Ehrenbürger und verlieh den Titel Altbürgermeister. Die Liste ist lang. Papierstapel, Nadeln und Medaillen packte der bodenständige und sehr verwurzelte Hans Winkler früher in einen Beutel und sagte ganz trocken dazu: "Ich hab' halt geackert." 

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