Kuriose Maibaumdiebstähle: von Polizei bis Freundschaft
Landkreis Augsburg
Das sind die kuriosesten Maibaumdiebstähle der vergangenen Jahre
Maibaumdiebstähle laufen nicht immer reibungslos ab. Manche bringen aber auch Freundschaften hervor. Bei anderen kommt die Polizei ins Spiel.
Von Ida Schloz|
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Für Ärger sorgte vergangenes Jahr der Maibaumdiebstahl aus dem Wald in Langenneufnach. Am Ende wurde der Baum wieder in den Wald zurückgebracht. Ohne Auslöse.Foto: Feuerwehr Siegertshofen
Das Maibaumstehlen hat in Bayern Tradition. Wann genau der Wettstreit entstanden ist, lässt sich heute nicht mehr eindeutig sagen. Sicher ist nur: Es gibt eine Menge kurioser Geschichten rund um gestohlene Maibäume im Augsburger Land.
Dass nicht immer Einigkeit herrscht, zeigte ein Fall aus dem vergangenen Jahr. Die Feuerwehr Siegertshofen hatte einen Baum aus Langenneufnach gestohlen, der angeblich der Maibaum werden sollte. Dieser befand sich allerdings noch im Wald und war weder geschmückt noch offiziell als Maibaum ernannt. Für den Bürgermeister von Langenneufnach, Gerald Elchinger, war klar: „Einen Baum noch im Wald zu stehlen, ist kein Brauchtum.“ Zwischenzeitlich stand sogar eine Anzeige wegen Holzdiebstahls im Raum. Am Ende wurde der entwendete Baum jedoch noch am selben Tag ohne Auslöse zurückgebracht.
Aus dem Maibaumklau entwickelte sich eine freundschaftliche Beziehung
Im vergangenen Jahr kam es auch in Nordendorf zu einem besonderen Maibaum-Diebstahl. Mitglieder des katholischen Burschen- und Mädchenverein Randelsried-Asbach hatten denMaibaum von Nordendorf ausgespäht und dann erfolgreich entwendet. „Die Nordendorfer haben damit nicht gerechnet“, so Bürgermeister Kunz. Er nahm die Aktion mit Humor, und statt Streit entwickelte sich daraus eine freundschaftliche Geschichte. Der katholische Burschen- und Mädchenverein Randelsried-Asbach hat sich auf das Entwenden von Maibäumen spezialisiert und in den vergangenen 20 Jahren fast 50 Bäume verschwinden lassen.
Regeln für die Maibaum-Tradition
Eigentlich ist der Maibaumklau Diebstahl. Doch zu den ungeschriebenen Gesetzen der Tradition gehört, dass die Polizei bei der Verfolgung der „Straftat“ beide Augen zudrückt.
Oberste Regel: Der Baum darf nicht beschädigt werden. Böswillige Scherze, wie etwa das Zersägen des Baumstamms, sind verboten. Das Glück und das Geschick der Diebe sollte siegen, nicht die mutwillige Beschädigung.
Der Wald ist tabu: Auch wenn oft bekannt ist, welcher Baum im Wald auserkoren wurde, darf er niemals von den Maibaum-Dieben gefällt werden. Das ist Holzdiebstahl und der wird auch geahndet. Erst wenn der Maibaum in der Ortschaft ist, geht es los.
Nur den Stamm klauen: Nur der entastete Stamm gilt als Beute. Maibaumschmuck – und damit Zunftzeichen, Bänder und Kränze – sind tabu.
Nur unbewachte Maibäume: Ein Maibaum darf nur gestohlen werden, wenn er unbewacht ist - auch wenn nur eine Person am Versteck Wache hält und zehn Diebe anrücken. Der Wächter darf nicht bedroht oder überwältigt werden.
Wer erwischt wird, hat Pech: Diebe müssen geschickt genug sein, um unbemerkt mit dem Maibaum, der oft mehr als 30 Meter misst, das Dorf zu verlassen. Grundsätzlich aber gilt: Wer mit der Beute innerhalb der Gemeindegrenze ertappt wird, der hat Pech gehabt. Die vermeintliche Trophäe muss wieder abgegeben werden.
Brotzeit als Auslöse: Wenn der Maibaumklau erfolgreich war, dann wird verhandelt. Der Bestohlene muss den Dieben Bier und eine Brotzeit bezahlen, um den Baum zurückzubekommen. (mcz)
Ebenfalls spektakulär verlief der Maibaumklau 2024 in Oberneufnach. Der 40 Meter lange Maibaum wurde zum ersten Mal in der Dorfgeschichte gestohlen. Die Oberneufnacher Musikanten hatten ihren Baum unbewacht in einer verschlossenen Halle abgelegt. Dann war er weg. Zurück blieb ein Zettel, auf dem stand: „Ich bin auf Reisen. Hier ist meine neue Handynummer.“ Hinter der Aktion steckte die Landjugend Weil, die den richtigen Moment abgepasst hatte. In einer Nacht-und-Nebelaktion mit 50 Mann wurde der Baum abtransportiert. Die Auslöse wurde noch am selben Tag ausgehandelt und umfasste 200 Liter Bier, Frühschoppen inklusive Weißwürste und musikalische Begleitung durch die Oberneufnacher. Dafür wurde der entwendete Baum noch am Abend zurückgebracht.
Bei der Übergabe des Maibaums waren sich der Kleinaitinger Burschenverein und die Freiwillige Feuerwehr Pfersee schon wieder einig.Foto: Anja Fischer
Diese Diebe wurden noch während der Tat erwischt
Ganz so glatt läuft der geduldete Diebstahl jedoch nicht immer ab. InBobingen kam es 2023 zu einem Vorfall. Die Mitglieder des Burschenvereins Kleinaitingen stahlen den Maibaum aus Pfersee, der dann in Bobingen gelagert wurde. Dieser war unbewacht, als sich eine weitere Gruppe mit zwei Traktoren an die Arbeit machte. Bei ihrer Aktion wurden sie allerdings von dem verantwortlichen Landwirt gesichtet. Dieser verständigte die Polizei, die sich kurz darauf mit dem Spannungsfeld von Strafrecht und Brauchtum konfrontiert sah. Die Aktion fand ein friedliches Ende: Der gestohlene Baum wurde einen Tag später den Besitzern aus Pfersee zurückgegeben.
In Scherstetten scheiterte der Plan des Maibaumklaus gänzlich. Im Jahr 2022 wäre der Baum beinahe zweimal gestohlen worden. Der erste Versuch musste abgebrochen werden, da der Maibaum wohl zu lang und schwer war. In der Nacht darauf gab es einen erneuten Versuch, den ein aufmerksamer Feuerwehrmann verhinderte. Schlussendlich konnte der geschmückte Baum wie geplant aufgestellt werden.
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