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Sigo Bernheimer dient als Apotheker und wird Opfer der NS-Verfolgung

Landkreis Augsburg

Er kümmerte sich um die Kranken im Lechfelder Lazarett und wurde von den Nazis ermordet

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    Hier hatte Sigo Bernheimer als Apotheker gearbeitet: Die alte Ansichtskarte zeigt das Lechfelder Lazarett.
    Hier hatte Sigo Bernheimer als Apotheker gearbeitet: Die alte Ansichtskarte zeigt das Lechfelder Lazarett. Foto: Repro Bischler

    Diese Lebensgeschichte geht unter die Haut: Sigo Bernheimer war Apotheker der Königlich-Bayerischen Armee im Reserve-Lazarett Lechfeld. Er versorgte Menschen, rettete vermutlich auch Leben. Er erlebte kurz die Gräuel des Ersten Weltkriegs. Und geriet schließlich in die Fänge der Nazis, die ihn und seinen Bruder ermordeten.

    Bernheimers berufliche Laufbahn begann 1907 bei der Königlich-Bayerischen Armee. Vom 2. Infanterie-Regiment in München wurde er in das Garnisonslazarett Lechfeld versetzt. Dort blieb er vier Monate, ehe er ins Reservelazarett Würzburg geschickt wurde.

    In Ichenhausen geboren

    Sigo Bernheimer wurde am 14. Mai 1884 in Ichenhausen geboren. Seine Eltern Moritz und Charlotte gehörten zur jüdischen Gemeinde und führten einen Wein- und Tabakhandel. Neben Sigo bekam das Ehepaar noch sechs weitere Kinder: Lina, Louis, die Zwillinge Alfred und Sali, Eugenie und Rudolf.

    Im Mai 2025 wurde vor der früheren Wohnung von Sigo Bernheimer in der Völkstraße 3 in Augsburg ein Stolperstein verlegt. Anwesend war Brigitte Bernheimer aus Paris - Sigo Bernheimers Großnichte. In einer bewegenden Ansprache bedankte sie sich dafür, dass man auf diese Weise der jüdischen Mitbürger gedenkt, die während der NS-Diktatur umgebracht wurden.

    Mit Beginn der Mobilmachung wurde Bernheimer 1914 ins Reservelazarett Augsburg A einberufen. Nach drei Jahren musste er ins Reservelazarett B, das in der Elias-Holl-Schule an der Jakober Mauer eingerichtet worden war. Dort könnte er den späteren Lyriker Bertolt Brecht getroffen haben, der als Krankenpfleger helfen musste. Im November 1918 wurde Bernheimer ins bayerische Feldlazarett 58 ins Elsass geschickt. Kurz darauf war der Krieg zu Ende. Für Bernheimer begannen die besten Jahre seines Lebens.

    In einem Teil der Akten des Bayerischen Hauptstaatsarchivs, Abt. IV Kriegsarchiv, wird das Lazarett in Lechfeld als „Garnisonslazarett“ bezeichnet.
    In einem Teil der Akten des Bayerischen Hauptstaatsarchivs, Abt. IV Kriegsarchiv, wird das Lazarett in Lechfeld als „Garnisonslazarett“ bezeichnet. Foto: Repro Bischler

    Das Lazarett auf dem Lechfeld

    Für die in Teilen heute noch stehenden Gebäude des Lechfelder Lazaretts gibt es mehrere Bezeichnungen. Es taucht die Bezeichnung Garnisonslazarett auf, die wiederum in Reservelazarett geändert wurde. Für akute Fälle wurde bereits 1871 ein „Filial-Lazarett“ errichtet, das aber auf Dauer nicht ausreichte. Daher wurde 1879 am südlichen Ende des zwei Kilometer langen „120-Baracken-Lagers auf dem Lechfeld“ in den Baracken Nummer 115 und 116 ein eigenes „Kantonnement-Lazarett“ eingerichtet, das den Soldaten während der Dauer der Schießübungen auf dem Lechfeld von April bis Oktober zur Verfügung stand. In den Akten des Bayerischen Kriegsministeriums werden für „Lechfeld und Lazarett“ die Begriffe Filial-Lazarett, Kantonnement-Lazarett, Garnisons-Lazarett und Reserve-Lazarett in dieser zeitlichen Reihenfolge verwendet.

    Diese Postkarte wurde 1908 in Ichenhausen geschrieben und an den „Einjährig-			Freiwilligen Militärapotheker Sigo Bernheimer“ im Garnisonslazarett nach Lagerlechfeld geschickt.
    Diese Postkarte wurde 1908 in Ichenhausen geschrieben und an den „Einjährig- Freiwilligen Militärapotheker Sigo Bernheimer“ im Garnisonslazarett nach Lagerlechfeld geschickt. Foto: MGS, Repro Bischler

    1919 heiratete er in Bayreuth Alma Pfefferkorn. Die beiden zogen nach Augsburg und ließen sich schließlich in der Gabelsberger Straße nieder. Dort kam auch das einzige Kind des Paares auf die Welt, der Sohn Rudolf. Bernheimer wurde Teilhaber der Firma Dr. Raff & Bernheimer, die in der Bürgermeister-Fischer-Straße die „Luitpold-Drogerie“ betrieben.

    Der 17-jährige Sohn konnte in die USA auswandern

    Mit den Nazis an der Macht begann ein nicht enden wollender Albtraum. Zunächst war die Drogerie vom NS-Boykott betroffen. Die angeordneten Einschränkungen wurden immer größer, gleichzeitig begann die Verfolgung von Juden in Deutschland.

    Bernheimer setzte alle Hebel in Bewegung, damit sein Sohn auswandern konnte. 1937 klappte es, Rudolf trat die Schiffsreise an. Im selben Jahr starb Alma Bernheimer. Was hielt den Apotheker noch in Augsburg? Der Gedanke, in die Freiheit auszuwandern, festigte sich.

    Bernheimer wollte sich mit Verwandten nach Spanien durchschlagen

    Die Nazis durchkreuzten die Pläne. 1938 wurde er erstmals im Rahmen der Schutzhaft in Dachau interniert, jener damaligen Form der Inhaftierung ohne richterlichen Beschluss. Im Jahr darauf gelang es Bernheimer, mit Mitgliedern seiner Familie nach Frankreich zu fliehen, wo sie in Paris in der 12 Rue de la Cavalerie wohnten. Die Bernheimers wollten sich nach Spanien durchschlagen, um von dort per Schiff nach Amerika zu gelangen.

    Ein Stolperstein erinnert in Augsburg an den ermordeten Sigo Bernheimer.
    Ein Stolperstein erinnert in Augsburg an den ermordeten Sigo Bernheimer. Foto: Werner Bischler

    Im März 1942 wurden sie in der Nähe von Bayonne verhaftet und im Lager Mérignac interniert. Von dort kamen sie in das Sammellager Drancy in der Nähe von Paris und wurden mit dem Konvoi 26 nach Auschwitz gebracht. Nach ihrer Ankunft wurden Sigo Bernheimer, sein Bruder Louis, dessen Frau und alle anderen, die im Transport dabei waren, ermordet.

    • Mittendrin: In einer neuen Serie stellt Werner Bischler von der Militärgeschichtlichen Sammlung Menschen auf Flugplatz Lechfeld und die Geschichte des Militärgeländes vor. Es geht um Triumphe und Tragödien, technische Meisterleistungen, Diebstähle und Unglücke auf dem Truppenübungsplatz und um Flugzeuge und ihre Piloten. Diese Geschichten müssen erzählt werden, sonst gehen sie für immer verloren. (AZ)
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