Der Unfallbericht Nummer 86 der Fliegerschule 4 an das Bayerische Kriegsministerium nach München liest sich nüchtern: „Lagerlechfeld westlich Bahnhof, Unteroffz. Wilhelm Mack, Rumpler C 6099, vermutlich Abrutschen über den rechten Flügel infolge zu geringer Fahrt hervorgerufen durch unsachgemäßes Kippen. Bei einem Übungsflug stürzte das Flugzeug aus geringer Höhe ab. Er starb auf dem Weg zum Lazarett an seinen erlittenen schweren Verletzungen. Flugzeug zertrümmert.“ Über den verunglückten Piloten wird wenig bekannt. Dabei gibt es noch mehr zu erzählen. Wilhelm Mack gehörte zu den Piloten der Fliegerschule auf dem Lechfeld.
Nach der Schule lernte er Schreiner
Wilhelm Mack war offenbar ein vorbildlicher Soldat und wurde während seiner Dienstzeit mehrfach ausgezeichnet. Seine Eltern, die in Treuchtlingen lebten, werden vermutlich stolz auf ihren Sohn gewesen sein.
Nach der allgemeinen Schulausbildung erlernte Wilhelm Mack den Beruf des Schreiners. Mit der notwendigen Erlaubnis seines Vaters, eines Königlich-Bayerischen Bahnbeamten, wurde er im Oktober 1911 als 16-Jähriger in die bereits seit 1894 bestehende Unteroffizier-Vorschule Fürstenfeldbruck eingestellt. Diese jungen Vorschüler waren keine Militärangehörigen. Sie sollten aber die für den späteren Soldatenberuf benötigte allgemeine „geistliche und sittliche Grundlage sowie die körperliche Leistungsfähigkeit“ erwerben. Daneben wurde auch gewisse militärische Vorbildung vermittelt. Alles, was für den Lebensunterhalt nötig war, bekamen die Schüler unentgeltlich. Das Taschengeld von fünf Pfennigen im Monat war für Putzzeug und kleine Anschaffungen bestimmt. Nach zwei Jahren Ausbildung wurde Mack zur eigentlichen Unteroffizierschule versetzt.
Die Ausbildung zum Piloten auf dem Lechfeld
Mit 43 verschiedenen Flugzeugen wurden in Lechfeld Piloten und Bordschützen ausgebildet. Dabei kam es auch zu Unfällen. Die Prüfung für die Piloten war nicht übermäßig schwierig: „Ein Pilot muss in der Lage sein, ein Flugzeug so zu landen, dass es danach in startfähigem Zustand bleibt“ – so ein Auszug aus der damaligen Prüfungsordnung. Bis 1918 wurde an der Fliegerschule 4 ausgebildet, ehe die Militärfliegerei in Deutschland wegen des Versailler Vertrages verboten wurde. In der Übergangsphase hin zu einer eigenen Teilstreitkraft Luftwaffe wurde Lechfeld als - „Höhenflugzentrale des Deutschen Flugwetterdienstes“ getarnt. Daraus entstand eine Bombenschule, aus der eine Kampffliegerschule und später die Große Kampffliegerschule hervorgingen.
Dann kam die Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts, der Erste Weltkrieg. Mack wurde eingezogen und an die Westfront verlegt. Kaum dort angekommen, wurde er bei Kämpfen im August 1914 durch Querschläger schwer verwundet. Nach den Recherchen der Militärgeschichtlichen Sammlung Lechfeld wurde er im Oktober 1914 zum Unteroffizier ernannt. Nach seiner Entlassung aus dem Lazarett versetzte wurde Mack innerhalb des Regimentes in eine Ersatz-Kompanie versetzt, mit der er dann an den Kämpfen an der Ostfront teilnahm. Ein Jahr nach seiner schweren Verwundung folgte der nächste Tiefschlag: Mack musste eine Rippenfellentzündung auskurieren, dann erhielt er einen Lungensteckschuss. Damit war der Erste Weltkrieg erst einmal vorbei für den jungen Mann.
Da in der Truppe dringend fliegendes Personal gebraucht wurde, wurde Wilhelm Mack im August 1916 zur Fliegerersatz-Abteilung I nach Schleißheim kommandiert. Nachdem er dort das kleine Einmaleins des Fliegens gelernt hatte, wurde er zur weiteren Ausbildung an die Fliegerschule 5 nach Gersthofen versetzt. Danach kam er an die Fliegerschule 4 nach Lechfeld. Dort passierte es.
Absturz nördlicher der Straße zwischen Lagerlechfeld und Graben
Wilhelm Mack startete am 4. Oktober 1917 morgens um 6.53 Uhr mit dem Rumpler-Doppeldecker C.1 6099/16 zu einem Übungsflug. Unmittelbar nach dem Abheben stürzte er nördlich der von Lagerlechfeld nach Graben führenden Straße ab. Dabei verlor der 22-Jährige sein Leben. (Werner Bischler)
- Serie In einer neuen Serie stellt Werner Bischler von der Militärgeschichtlichen Sammlung Lechfeld die Menschen und ihre Geschichte vor - und nimmt dabei immer auch die Geschichte ins Visier. Es geht um Triumphe und Tragödien, technische Meisterleistungen, Diebstähle und Unglücke auf dem Truppenübungsplatz und um Flugzeuge und ihre Piloten. Diese Geschichten müssen erzählt werden, sonst gehen sie für immer verloren.
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