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Wehringen: Naturschützer kritisieren geplantes Gewerbegebiet im Auwald

Wehringen

Naturschützer kritisieren geplantes Gewerbegebiet im Auwald

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    Die Pflöcke für die Abholzungen sind schon gesetzt: Im Auwald in Wehringen soll Platz für ein Gewerbegebiet geschaffen werden.
    Die Pflöcke für die Abholzungen sind schon gesetzt: Im Auwald in Wehringen soll Platz für ein Gewerbegebiet geschaffen werden. Foto: Peter Roth/Bund Naturschutz

    Die Auwälder sorgen im südlichen Landkreis weiter für Meinungsverschiedenheiten zwischen Naturschützern und Kommunen. Nachdem in Großaitingen ein Kompromiss gefunden wurde, gibt es Diskussionen in Wehringen. Hier sollen im Herbst die Rodungsarbeiten für neue Gewerbeflächen beginnen. Das vorhandene Gewerbegebiet an der Waldstraße im Ortsteil Auwald soll um rund vier Hektar (das entspricht etwa der Größe von drei Fußballfeldern) erweitert werden – im Norden des bisherigen Gewerbegebiets um eine Fläche von 3,4 Hektar, im Süden um 0,6 Hektar.

    Insgesamt hatte die Gemeinde Wehringen vor zwei Jahren von der Nachfolgegesellschaft der Firma Hoechst 13 Hektar Auwaldfläche erworben. Die restlichen neun Hektar sollen als Auwald erhalten bleiben. Außerdem will die Gemeinde als Ausgleich für die gerodeten Flächen an anderer Stelle eineinhalb mal so viel klima-beständigen Mischwald pflanzen.

    Trotzdem ist man beim Bund Naturschutz unzufrieden: „Sicherlich muss man den Gemeinderäten zugestehen, dass sie sich der ökologischen Problematik bewusst waren. Aber es werden vier Hektar Wald für ein Gewerbegebiet vernichtet“, sagt Johannes Enzler, Vorsitzender der Kreisgruppe Augsburg des Bundes Naturschutz: „Als Vertreter eines Verbands, dessen Anliegen es ist, die natürlichen Lebensgrundlagen in ihrer Vielfalt zum Nutzen und zur Freude künftiger Generationen zu erhalten, können wir eine Waldvernichtung und Bodenversiegelung, die allein dem Zweck dient, Einnahmen durch Gewerbesteuern zu generieren, nicht befürworten.“ Die rund 20 Jahre alten Planungenwürden aus einer Zeit stammen, als die Großkatastrophen der Klimaerwärmung und des Verlustes der Artenvielfalt noch nicht als so bedrohlich empfunden wurden: „Aus heutiger Sicht sollte ein Auwald eine Tabuzone für jegliche Bauvorhaben sein. Wir zeigen mit dem Finger auf Brasilien und vernichten den Wald vor unserer Haustür.“

    Auwälder dienen zahlreichen Pflanzen und Tieren als Heimat

    Enzler räumt ein, dass der größere Teil der für die Rodung vorgesehenen Fläche aus einer Fichtenkultur besteht, die nach dem Krieg gepflanzt worden sei und sowieso in den nächsten Jahren geschlagen werden müsste. „Die kleinere Teilfläche dagegen ist ein hauptsächlich von Erlen und Haselsträuchern gebildeter Niederwald, den auch ein hoher Anteil an Totholz ökologisch sehr wertvoll macht, denn solche Auwälder dienen zahlreichen Pflanzen und Tieren als Heimat.“

    Rechtlich haben die Naturschützer keine Handhabe, gegen das Projekt vorzugehen: „Der Bebauungsplan der GemeindeWehringen ist rechtsgültig. Das aus Sicht des Natur- und Klimaschutzes anachronistische Vorhaben kann also auf juristischem Wege nicht mehr verhindert werden; wir können nur noch an die Verantwortlichen appellieren, ihre Pläne zu überdenken“, so Enzler.

    Der Bund Naturschutz befürchtet auch, dass auf dem Gelände Altlasten gefunden werden könnten: „Teile des Bodens im Waldstück sind möglicherweise von der Sprengstoffproduktion im Zweiten Weltkrieg mit Hexogen kontaminiert. Eine gründliche Untersuchung hat bislang nicht stattgefunden. Ich frage mich auch, wer am Ende für die Beseitigung dieser Altlasten aufkommen müsste.“

    Diskussion um Abholzung in Wehringen

    Wehringens Bürgermeister Manfred Nerlinger verteidigt das Konzept für das Gewerbegebiet: „Wir haben uns die Sache wirklich nicht leicht gemacht und uns im Gemeinderat extra zu einer Klausurtagung getroffen. Bei unserer Entscheidung spielte auch der Naturschutz eine wichtige Rolle, und ich finde, wir haben ökologische Interessen ausreichend gewürdigt.“ Der Wehringer Bürgermeister verweist darauf, dass nur ein kleiner Teil der erworbenen Fläche für das Gewerbegebiet genutzt würde und dass der Großteil dieser Fläche aus alten Fichten bestehe: „Der ökologisch wertvollere Teil bleibt erhalten, und wir forsten eineinhalb mal so viel mit ökologisch wertvolleren Bäumen auf, als wir jetzt für das Gewerbegebiet nutzen. Wir machen da mehr, als wir müssten.“

    Laut Manfred Nerlinger ist die Nachfrage nach Gewerbeflächen in der Gemeinde riesig: "Wir können im Moment an anderer Stelle keine Gewerbeflächen anbieten, wollen aber Arbeitsplätze vor Ort schaffen, damit die Leute nicht jeden Tag pendeln müssen, was auch nicht gut für die Umwelt wäre." Der Bürgermeister rechnet mit Arbeitsplätzen im dreistelligen Bereich, die in dem Gebiet entstehen könnten. Im Herbst dieses Jahres soll mit den Bauarbeiten für das Gewerbegebiet begonnen werden.

    Auch über das Thema Altlasten habe man sich in der Gemeinde Gedanken gemacht: „Wir müssen die Gewerbeflächen ja frei von Altlasten übergeben, sonst können wir sie nicht verkaufen.“ Seines Wissens sei in dem Gebiet, in dem das Gewerbegebiet entstehen soll, Hexogen zwar gelagert, aber nicht produziert worden: „Die ersten Untersuchungen laufen bereits, und nichts deutet darauf hin, dass es da Probleme geben könnte.“ Und falls doch etwas gefunden werden würde, müsse man die Situation neu bewerten: „Dann müssen wir schauen, ob die Kosten für die Beseitigung noch im Verhältnis stehen.“

    Kompromiss in Großaitingen gefunden

    Eine Diskussion um Auwälder hatte es vor Kurzem in Großaitingen gegeben. Hier sollte es an der Wertach nördlich des Sportplatzes nach den ursprünglichen Plänen auf einer Fläche von 2,6 Hektar Abholzungen und Wiederaufforstungen geben. Anstelle der bisherigen Sträucher und Bäume will die Gemeinde Großaitingen als Waldbesitzer Edellaubhölzer wie den Bergahorn pflanzen. Vertreter des Bundes Naturschutz hatten sich dafür ausgesprochen, den Wald, so wie er ist, zu belassen, weil er einer Vielzahl von Pflanzen und Tieren eine Heimat bietet.

    Anfang Februar haben sich Großaitingens Bürgermeister Erwin Goßner, Johannes Enzler, Vorsitzender der Kreisgruppe Augsburg des Bundes Naturschutz, mit Vertretern der Unteren Naturschutzbehörde und dem Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten per Videokonferenz ausgetauscht. „Nun ist geplant, 0,7 Hektar Wald zu roden und mit Edelhölzern neu zu bepflanzen. 0,9 Hektar sollen Niederwald bleiben. Das ist ein Kompromiss, mit dem wir leben können“, sagt Johannes Enzler.

    Wie es dann weitergeht, das soll später entschieden werden. „Im Jahr 2025, wenn der Waldentwicklungsplan fortgeschrieben wird, werden wir darüber noch mal sprechen", sagt Großaitingens Bürgermeister Erwin Goßner. Die Rodungen hätten schon stattgefunden, die Aufforstungen würden mit Mitteln des Freistaats gefördert, die schon bereitstünden. „Das ist ein sensibler Bereich, und wir gehen so gut es geht damit um.“

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