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Wehringen: Protest per Klick: Widerstand gegen Wehringer Auwald-Rodung wächst

Wehringen

Protest per Klick: Widerstand gegen Wehringer Auwald-Rodung wächst

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    40.000 Quadratmeter Auwald sollen nahe Bobingen-Siedlung für ein neues Gewerbegebiet gerodet werden.
    40.000 Quadratmeter Auwald sollen nahe Bobingen-Siedlung für ein neues Gewerbegebiet gerodet werden. Foto: Karl Rosengart

    Mitglieder des Bund Naturschutz und der Fridays-for-Future-Bewegung stemmen sich gegen eine Erweiterung des Gewerbegebiets im Wehringer Auwald. Sie haben online eine Petition gestartet, um den Gemeinderat umzustimmen.

    Für das neue Gewerbegebiet sollen vier Hektar Wald in unmittelbarer Nachbarschaft der Bobinger Siedlung gerodet werden. Die Ortsgruppe Bobingen und die Kreisgruppe Augsburg des ältesten und größten Umweltschutzverband Bayerns sowie die Schüler- und Studierenden-Bewegung halten die Pläne "für unvereinbar mit dem Schutz des Klimas und der Artenvielfalt". Sie befürchten außerdem, dass die Lebensqualität in der Bobinger Siedlung beeinträchtigt werden könnte.

    Petition gegen die Rodung des Auwaldes läuft fünf Wochen

    Umschrieben ist die Petition mit "Keine Waldvernichtung für ein Gewerbegebiet in Wehringen". Sie richtet sich an Wehringens Bürgermeister Manfred Nerlinger. Wird in den kommenden fünf Wochen eine bestimmte Anzahl von Stimmen erreicht, dann wird er um eine Stellungnahme gebeten. Mit der offenen Internetplattform kann generell jeder sein Anliegen veröffentlichen, debattieren und unterzeichnen lassen. Im Unterschied zur im Grundgesetz verankerten Petition ist der Adressat hier aber nicht zu einer Reaktion verpflichtet.

    Eine Petition will die Rodung im Wehringer Auwald verhindern.
    Eine Petition will die Rodung im Wehringer Auwald verhindern. Foto: Sebastian Ridder

    Die Initiatoren appellieren an Bürgermeister Nerlinger und den Gemeinderat von Wehringen: "Geben Sie das Projekt auf. In unserer Umgebung sind bereits zu viele Flächen versiegelt und unwiederbringlich für die Natur verloren. Sehen Sie dieses Stück Natur als einen Schatz an, den es für die Zukunft zu bewahren gilt." Und: "Dieses Vorhaben muss angesichts der sich verschärfenden Klimakrise und des Artensterbens neu bewertet werden. Es passt nicht mehr in unsere Zeit."

    Wehringens Bürgermeister verweist auf einen rechtsgültigen Bebauungsplan

    Auf einem Abrisszettel, der im Internet heruntergeladen werden soll, haben die Gewerbegebiet-Gegner die Vorgeschichte festgehalten: "Die Planungen dafür sind über 20 Jahre alt, konnten aber nicht umgesetzt werden, solange die Flächen nicht im Eigentum der Gemeinde waren. Im Jahr 2000 hatte die Stadt Bobingen Einspruch erhoben, bei einer erneuten Vorlage 2015/2016 aber zugestimmt mit der Auflage, dass die Belange der Bürgerinnen und Bürger aus der Siedlung unbedingt geschützt werden." Inzwischen existiere ein rechtsgültiger Bebauungsplan, der juristisch kaum mehr angreifbar sei. Im November 2021 habe der Gemeinderat von Wehringen einen Durchführungsbeschluss gefasst. Die Arbeiten sollen im Herbst 2022 beginnen.

    Wehringens Bürgermeister Manfred Nerlinger verteidigt das Konzept für das Gewerbegebiet: "Wir haben uns die Sache wirklich nicht leicht gemacht und uns im Gemeinderat extra zu einer Klausurtagung getroffen. Bei unserer Entscheidung spielte auch der Naturschutz eine wichtige Rolle, und ich finde, wir haben ökologische Interessen ausreichend gewürdigt." Der Wehringer Bürgermeister verweist darauf, dass nur ein kleiner Teil der erworbenen Fläche für das Gewerbegebiet genutzt würde und dass der Großteil dieser Fläche aus alten Fichten bestehe: "Der ökologisch wertvollere Teil bleibt erhalten, und wir forsten eineinhalb mal so viel mit ökologisch wertvolleren Bäumen auf, als wir jetzt für das Gewerbegebiet nutzen. Wir machen da mehr, als wir müssten."

    Die Nachfrage nach Gewerbeflächen in Wehringen ist groß

    Laut Nerlinger ist die Nachfrage nach Gewerbeflächen in der Gemeinde riesig: "Wir können im Moment an anderer Stelle keine Gewerbeflächen anbieten, wollen aber Arbeitsplätze vor Ort schaffen, damit die Leute nicht jeden Tag pendeln müssen, was auch nicht gut für die Umwelt wäre." Der Bürgermeister rechnet mit Arbeitsplätzen im dreistelligen Bereich, die in dem Gebiet entstehen könnten.

    Beim Protest per Mausklick gibt es die Möglichkeit, einen Kommentar zu hinterlassen. Über 130 sind es bereits. Luzia Waliczek aus Gablingen schreibt beispielsweise: "Der Flächenverbrauch darf meiner Ansicht nicht rigoros so weitergehen auf Kosten der Umwelt. Arbeitsplätze schaffen ist wichtig, aber immer neue Gebiete zu roden ist falsch. Es stehen viele Gebäude leer, daran soll gearbeitet werden, sinnvolles daraus zu schaffen. Bitte unterlassen Sie dieses Vorhaben an der Wertach." Auch Klaus Luger aus Bobingen geht auf den Flächenverbrauch ein: "Es sind genügend brach stehende Flächen in der Nähe vorhanden. Zum Beispiel bei Trevira."

    Auch in Burgwalden gab es eine Petition

    Die jüngste größere Petition wurde übrigens in Burgwalden gestartet. Dort war 2020 bekannt geworden, dass der Golfclub Augsburg eine Flutlichtanlage für die Driving-Range bauen möchte. Das Landratsamt verhängte 2020 einen Baustopp, weil es noch keine naturschutzrechtliche Erlaubnis durch die Kreisverwaltungsbehörde gegeben hatte. In den Wochen darauf gab es immer mehr Bedenken seitens der Dorfgemeinschaft und von Naturschützern. Sie gipfelten in einer Onlinepetition, die dann im Sommer am Landtag behandelt wurde. Die Abgeordneten im Umweltausschuss hielten in der Mehrheit die Einwände aus der Petition für begründet, sahen aber keinen aktuellen Handlungsbedarf. Das bedeutete: Landratsamt und die Regierung von Schwaben sollten entscheiden. Am Ende zog der Golfclub seine Pläne zurück.

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