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Catrin Pfannes-Jell: Sozialarbeiterin im ehrenamtlichen Engagement für die Flüchtlingshilfe. 

Chiemsee

Catrin Pfannes-Jell lebt soziales Engagement auch an freien Tagen

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    Catrin Pfannes-Jell ist auch nach der Arbeitszeit für die Menschen da, denn „mit der Zeit wird sie ein Teil der Familien.“
    Catrin Pfannes-Jell ist auch nach der Arbeitszeit für die Menschen da, denn „mit der Zeit wird sie ein Teil der Familien.“ Foto: Philippa Jell

    Wenn man in Breitbrunn am Chiemsee, einem kleinen Dorf in Oberbayern, durch die Siedlungen schlendert und sich gestutzte Hecken, akkurat gemähte Rasenflächen und saubere Einfamilienhäuser zu einem ganz konventionell deutschen Dorfbild zusammensetzen, bleibt der Blick vor einem Haus unweigerlich etwas länger hängen. Statt einem Mähroboter halten dort fünf Schafe den Rasen kurz. Die 54-jährige Catrin Pfannes-Jell hebt sich aber nicht nur mit ihrer Art der Rasenpflege von vielen Deutschen ab. Sie hilft geflüchteten Menschen, ehrenamtlich. Sie zeichnet sich dadurch aus, genau hinzusehen.

    Aufgewachsen auf einem Bauernhof, wollte sie eigentlich „etwas mit Pferden“ machen. Durch die ältere Schwester kam sie zur sozialen Arbeit. Sie arbeitete einige Jahre für das Jugendamt. Doch dort wollte sie nicht für immer bleiben. Die Arbeit empfand sie frustrierend. Sie sagt: „Es ist schwer, wenn du merkst, dass du selbst nicht viel bewegst und überall nur gespart wird.“ Durch die Arbeit für das Jugendamt wurde Catrin Pfannes-Jell erstmals in Asylunterkünfte geschickt. Sie begann während der Corona-Pandemie Kinder in Traunstein und Traunreut zu unterstützen. Die Begegnungen dort ließen sie nicht mehr los.

    Ehrenamt in der Flüchtlingsunterkunft

    Sie engagiert sich von Anfang 2020 bis August 2025 ehrenamtlich in der Unterkunft in Traunreuth. Rückblickend beschreibt sie die Zustände dort als unzureichend. „Innerhalb der Unterkunft werden so viele Projekte gestartet, ohne darauf zu achten, was die Menschen eigentlich brauchen“, sagt sie. Sie sieht das Problem vor allem in der Politik. Sie berichtet von einer Äthiopierin. Sie habe weder ihre Tochter nach Europa holen, noch dieser Geld schicken können. Seit der Einführung von Bezahlkarten in Deutschland sei dies nicht mehr möglich. Pfannes-Jell: „Das ist Politik von Männern gemacht, die nicht einen Fuß in eine Flüchtlingsunterkunft gesetzt haben und keine Ahnung von den Hintergründen haben.“ 

    Dem Vorurteil, Geflüchtete wollten weder arbeiten, sich noch integrieren, widerspricht sie. Catrin Pfannes-Jell macht eine völlig andere Erfahrung: „Die meisten wollen arbeiten, und zwar dringend. Aber das System lässt sie nicht.“ Heute arbeitet Catrin Pfannes-Jell zusätzlich zu ihrem Job als Sozialarbeiterin jeden Mittwoch ehrenamtlich in einer Formularwerkstatt. Dort hilft sich Menschen beim Ausfüllen von Verträgen, beim Verstehen von Bescheiden und bei der Jobsuche.

    Privates Engagement über die Arbeit hinaus

    Egal wie oft sie von ihren Vorgesetzten gebeten wird, einfach nur bei ihrer Arbeit zu bleiben, sieht sie ihre Arbeit eben nicht als getan an, sobald ein Formular korrekt ausgefüllt ist. Die Menschen lassen sie nicht los. Ein Antragsformular für eine Arbeitsstelle auszufüllen, sagt sie, bedeute noch lange nicht, dass man am Ende auch einen Job bekomme.

    Also sucht die 54-Jährige privat über Kontakte nach Betrieben, die Geflüchteten eine Chance geben. „Bis die Papiere durch sind, suchen viele Betriebe gar keine Leute mehr“, sagt sie. Viele Hürden im System wirken schlicht absurd auf sie. So fragt Catrin Pfannes-Jell sich zum Beispiel: „Wieso muss ich fließend Deutsch können, um als Putzkraft irgendwo zu arbeiten?“ Mit der Zeit wird sie ein Teil der Familien. Eine der Frauen stammt aus Nigeria und hat drei Kinder, zwei davon autistisch. Wenn sie bei den autistischen Kindern auf dem Boden sitze, denke sie manchmal, sie sei nur „ein Möbelstück im Raum“, so erzählt sie weiter. Aber dann kommt ein Kind auf ihren Schoß, nimmt ihre Hand – und sie weiß, dass sie dazugehört.  

    Um die vielen, oftmals schlimmen Geschichten zu verarbeiten, findet die 54-Jährige ihren Ausgleich im kreativen Arbeiten, im Nähen und Sammeln. In ihrem Wohnzimmer stapeln sich farbenfrohe und gemusterte Stoffe bis unter die Decke. Auf dem Tisch hat eine schwere Industrienähmaschine ihren Platz. Die Breitbrunnerin fertigt upgecycelte Jeansjacken und Waschlappen. Auf Spaziergängen sammelt sie Dinge, die andere wegwerfen würden. Sie erzählt: „Wenn ich unterwegs bin, finde ich immer etwas, das ich weiterverwerten kann. Ich putze das dann, mach was draus.“ 

    Etwas aus dem machen, was andere Menschen absichtlich übersehen: Weggeworfenes, Schicksalsschläge - Catrin Pfannes-Jell kümmert sich jeden Tag aufs Neue darum.

    #redaktionjoko

    Dieses Porträt ist in Zusammenarbeit mit der Uni Passau entstanden. Studentinnen und Studenten des Studiengangs Journalistik und Strategische Kommunikation (JoKo) arbeiteten unter der Leitung von Max Kramer, Veronika Lintner und Verena Wengert (Augsburger Allgemeine und Günter Holland Journalistenschule) an einer Serie bewegter Lebensläufe aus ganz Deutschland. Das hier ist das Ergebnis. Alle Porträts sind nachzulesen unter www.azol.de/redaktionjoko.

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