Nach Jahren des harten Abstiegskampfs haben die Augsburger Panther unter dem neuen/alten Sportdirektor Larry Mitchell einen sanften Aufwärtstrend eingeleitet. Vergangene Saison verpassten sie als Elfter nur knapp die Play-offs in der Deutschen Eishockeyliga (DEL). Letztmalig in der K.-o.-Runde vertreten war der Klub 2019. Damals noch unter dem Trainer Mike Stewart (53), der künftig bei den Vienna Capitals hinter der Bande stehen wird. 2019 war Spiel sieben des Halbfinales gegen München das Ende einer begeisternden Saison. Längst ist die damalige Mannschaft in alle Winde zerstreut. Wohin hat es die prägenden Figuren von damals verschlagen? Wer spielt noch? Wer tingelt durch welche Ligen? Wer hat aufgehört? Eine kleine Zeitreise.
Topscorer der Panther von 2019 war Matt White. In 50 Hauptrundenspielen brachte er es auf 22 Tore und 27 Assists. Für den US-Amerikaner war Augsburg 2017 die erste Station in der DEL. Der quirlige und technisch versierte Stürmer überzeugte auf Anhieb und blieb nur deshalb auch ein zweites Jahr, weil Panther-Boss Lothar Sigl eine klubseitige Option in den Vertrag hineinverhandelt hatte. In den Play-offs 2018/19 steuerte er noch einmal vier Tore und fünf Vorlagen bei. Diese Top-Quoten bescherten ihm zwei lukrative Jahre in der russischen KHL, ehe noch jeweils drei Spielzeiten in Berlin und Wolfsburg folgten. Gerüchte, dass er noch einmal nach Augsburg zurückkehren könnte, erwiesen sich als falsch. Denn jetzt ist klar, dass es White in die DEL2 ziehen wird.
Dort mühen sich die Kassel Huskies seit Jahren damit ab, in die DEL aufzusteigen. Wie die Schlittenhunde jetzt beganntgaben, soll White beim nächsten Anlauf helfen. Neben Tyler Benson, Hunter Garlent sowie Chris Wilkie wird Matt White der vierte Kontingentspieler im Team. Im deutschen Eishockey-Unterhaus dürfen sechs Ausländer lizenziert werden und vier pro Spiel im Kader stehen. Huskies-Sportdirektor Daniel Kreutzer wird auf der Homepage des Klubs mit den Worten zitiert: „ „Matt hat über viele Jahre hinweg bewiesen, dass er zu den konstantesten Offensivspielern im deutschen Eishockey gehört. Seine Zahlen sprechen für sich, aber noch wichtiger ist die Art und Weise, wie er das Spiel liest und seine Qualitäten in entscheidenden Situationen einbringt. Er verfügt über enorme Erfahrung, hat auf höchstem Niveau gespielt und Verantwortung in erfolgreichen Mannschaften übernommen. Die Aussicht, möglicherweise einen deutschen Pass zu erhalten, macht Matts Verpflichtung noch wertvoller für uns.“
Geschäftsführer der Huskies ist übrigens Derek Dinger (39), der ebenfalls eine Augsburger Vergangenheit hat. Von 2015 bis 2018 spielte der Verteidiger für die Panther - das letzte Jahr an der Seite von White.
Ehemaliger AEV-Torwart ging im Streit
Olivier Roy (34) hat eine bewegte Karriere hinter sich, 17 verschiedene Klubs klapperte der Torwart als Profi ab. Die längste und möglicherweise erfolgreichste Phase als Sportler erlebte er in Augsburg. Während der Saison 2017/18 aus Crimmitschau gekommen, etablierte er sich schnell zur Nummer 1 und war 2018/2019 einer, wenn nicht sogar der entscheidende Faktor für den Durchmarsch der Panther bis in Spiel sieben gegen München. Auch im Jahr danach spielte er auf hohem Niveau, wurde aber immer verletzungsanfälliger.
2022 zog Roy zu Fehérvár AV19 weiter, ehe es ihn für ein Jahr zum HC Pustertal weiterzog. Das Ende dort: unrühmlich. „Ich hatte das Glück, in den letzten zehn Jahren in Europa zu spielen, und dies war das einzige Mal, dass ich negativ zurückblicken musste“, schrieb Roy auf Instagram und listete in seltener Offenheit auf, wie mit ihm umgegangen worden sei. „Unsere Familie wurde in einer Wohnung untergebracht, die ein massives Schimmelproblem aufwies, das nie behoben wurde. Ich zog mir eine leichte Knieverletzung zu, nachdem ein Spieler auf mich gefallen war, wurde jedoch gezwungen, mit Schmerzen weiterzuspielen, die mit der Zeit immer schlimmer wurden. Sie beschlossen, mich zu entlassen, während ich gerade mit der Reha meines Knies begann – anstatt erst nach deren Abschluss. Nach einer Buy-out-Vereinbarung seitens des Teams haben sie den vereinbarten Betrag nie vollständig ausgezahlt.“ Es folgten noch zehn Einsätze in der DEL2 für Regensburg, ehe es Roy zurück nach Kanada in die Ligue Nord-Américaine de Hockey (LNAH) zog. Roys Backup war damals übrigens schon Markus Keller, der heutige Teammanager der Panther. Ihn verband und verbindet mit Roy auch eine private Freundschaft.
Henry Haase ist in der Regionalliga gelandet
Mit Brady Lamb hat ein weiterer Erfolgsgarant der damaligen Mannschaft seine Karriere längst beendet. Der mittlerweile 37-jährige Ex-Verteidiger bekam 2023 kein neues Vertragsangebot mehr in Augsburg und ging nach einem tränenreichen Abschied mit seiner Familie zurück nach Kanada. Dort baut er zusammen mit einem Freund Holzhäuser. Ebenfalls eine prägende Figur war Henry Haase (32). Der Abwehrspezialist mit den unüberhörbaren Berliner Wurzeln spielte bis 2023 in Augsburg, also insgesamt fünf Jahre. Ihn zog es nach einer eher freudlosen Trennung ebenfalls zurück in die Heimat, wo er bis zuletzt in der Regionalliga Ost für FASS (Freier akademischer Sportverein Siegmundshof) Berlin spielte.
In Augsburg geblieben ist mit Arvids Rekis (47) eine echte AEV-Legende. Insgesamt zehn Spielzeiten trug der Lette das Panther-Trikot. Seine Karriere als Profi war nach der Erfolgssaison 2018/19 vorbei. Dem Eishockey blieb er aber erhalten, arbeitet inzwischen beim AEV als Trainer im Nachwuchs - ebenso übrigens wie Thomas Holzmann (38): Beide sind also gern gesehene Gäste im Curt-Frenzel-Stadion.
Scott Valentine ist für seine harten Checks berühmt
Scott Valentine (35) und Steffen Tölzer (40) waren und sind weiter aktiv. Den Kanadier Valentine, berühmt-berüchtigt für seine knallharten Checks (legendär, wie er in Spiel sechs der Serie gegen München Yasin Ehliz mit einem sauberen Check fast aus den Schlittschuhen befördert) zog es 2022 zum HC Bolzano, wo er die vergangenen vier Jahre spielte. Tölzer wiederum, mit 770 DEL-Spielen Rekordhalter bei den Panthern, ist mittlerweile bei den Lindau Islanders in der Oberliga angekommen. Dort spielte er die vergangenen beiden Jahre, ist gleichzeitig aber auch „Head of Marketing“ des Klubs. Seine Nummer 13 wird bei den Panthern nicht mehr vergeben und soll unter das Hallendach gehängt werden.
Das gilt auch für die Nummer 24 seines langjährigen Teamkollegen Thomas J. Trevelyan (42). Der war (natürlich) auch Teil der Erfolgsmannschaft von 2019 und hängte die Schlittschuhe am Ende der vergangenen Saison an den Nagel. Gleiches tat Hans Detsch (31), der weniger wegen seiner spielerischen Klasse, als vielmehr wegen seiner Faustkämpfe in Erinnerung geblieben ist.
Keiner gab mehr Vorlagen für die Panther
Genau umgekehrt ist die Situation bei Drew LeBlanc (36). Der US-Amerikaner ist einer der technisch begabtesten Eishockeyspieler, der je in Augsburg seiner Arbeit nachging. Mit 221 Torvorlagen in acht Jahren hält er den DEL-Rekord der Panther. Auch in der Saison 2018/2019 war er der Dreh- und Angelpunkt des Augsburger Offensivspiels. 16 Tore und 39 Vorlagen dienten ihm als Arbeitsnachweis. 2023 endete seine Zeit in Augsburg. Eine Trennung, die viele Fans damals als Fehler bezeichneten und lautstark kritisierten. LeBlanc ging für ein Jahr nach Iserlohn, ehe er mit Dresden erst in die DEL auf- und dann gleich wieder abstieg. Für die kommende Saison hat er bei den Sachsen noch einmal einen neuen Vertrag unterschrieben.
Ein komplett anderer Spielertyp war und ist Daniel Schmölz (34). Der Allgäuer kam 2017 aus Schwenningen nach Augsburg und überzeugte auch in der Erfolgssaison 2018/19 mit den Attributen Einsatzwille und Kampfgeist. 2020 verließ er die Panther, es folgten die Stationen Nürnberg und zuletzt Ingolstadt. Bei den Oberbayern wird er auch nächste Saison wieder auf Torejagd gehen.
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