Sein rot-gelbes Cap hatte Aleksandar Pavlovic verkehrt herum auf dem Kopf sitzen. Immer irgendwie ein Zeichen von Jugendlichkeit. Pavlovic ist 21 Jahre jung, da darf man sich also durchaus Kappen zweckentfremdet aufsetzen. Zugleich passte das zu seinen Ausführungen, hinter denen sich ebenso eine gewisse Jugendhaftigkeit verbarg, mancher mag es gar als Leichtsinn bezeichnen. Pavlovic jedenfalls hatte die Kabine verlassen, um Fragen der Medienvertreter zu beantworten. Freimütig erzählte er von einer spontanen WM-Qualifikationsparty. Mit lauter Musik, Pizza und ausgelassener Stimmung.
DFB-Spieler Aleksandar Pavlovic traut seinem Team den Titel zu
Mit der deutschen Fußball-Nationalmannschaft hatte der Mittelfeldspieler zuvor 6:0 gegen die Slowakei gewonnen und sich damit direkt für die WM 2026 in den USA, Kanada und Mexiko qualifiziert. Die Geschehnisse berauschten ihn. Mitten hinein in diese Gemütslage wurde der Nationalspieler gefragt, mit welchen Zielen er seine erste Weltmeisterschaft angehen werde. Pavlovic überlegte nicht lange, sagte geradeheraus: „Natürlich gewinnen. Alles andere wäre nicht gut.“ Seine Aussage wirkte. Und bedingte die Nachfrage, ob er das deutsche Team tatsächlich beim Großereignis im kommenden Jahr zum Favoritenkreis zähle. Erneut benötigte Pavlovic kaum Bedenkzeit. „Ich sage nicht nein! Deutschland hat immer die Chance, zu gewinnen. Wenn wir so spielen wie heute, ist sehr viel möglich.“
Was soll ein Spieler in diesem Moment auch anderes sagen. Wie realistisch die Ausführungen von Pavlovic sein werden, wird sich erst während des Turniers zeigen. Doch fahren er und seine Mitspieler selbstredend dorthin, um den Titel zu holen. Wie jedes andere Teilnehmerland auch. Die Worte des Spielers waren folglich mehr Ausdruck von Ehrgeiz denn Überheblichkeit. Bundestrainer Julian Nagelsmann agierte wesentlich zurückhaltender. Nach dem EM-Aus 2024 hatte er gesagt, es tue weh, dass man jetzt zwei Jahre warten müsse, ehe man Weltmeister wird. Diese Aussage deckte sich nicht mit den Auftritten danach. Pavlovic hingegen darf vorpreschen. Beim FC Bayern München wird ihm „Mia-San-Mia“ vorgelebt, innerhalb kurzer Zeit ist er dort zur Stammkraft aufgestiegen. Leon Goretzka hat Pavlovic dort verdrängt, im DFB-Team spielt er an dessen Seite.
Aleksandar Pavlovic ist genauso wichtig wie Wirtz und Musiala
Pavlovic steht für die junge Generation im deutschen Team, die ihre erste WM erleben wird. An hoch veranlagten Talenten scheint es dem deutschen Fußball-Bund gerade nicht zu mangeln. Alles überstrahlen die beiden 22-jährigen Florian Wirtz und Jamal Musiala. Dahinter drängen weitere nach. Said El Mala, 19, ist ein Versprechen für die Zukunft, ebenso Assan Ouedraogo, 19, der nach seiner Einwechslung zum Endstand traf. Nathaniel Brown und Malick Thiaw, beide 24, wurden gegen die Slowakei eingewechselt. Angelo Stiller, 24, war nicht berufen worden, mit ihm warb der DFB im Leipziger Stadion aber auf großen Plakaten.
Wirtz und Musiala sind als Stammkräfte fest eingeplant, in ihrer Bedeutung in nichts nach steht ihnen Pavlovic. Seine Spielweise gleicht einer Mischung aus Schweinsteiger und Kroos. Eine „Holding Six“, die unspektakulär und unaufgeregt im Zentrum wirkt, für das Gleichgewicht zwischen Defensive und Offensive aber ungemein wertvoll ist. Gegen die Slowakei nahm ihn Bundestrainer Nagelsmann zur Pause angeschlagen vom Feld, doch gravierend scheint die Wadenblessur nicht zu sein. Eher eine Vorsichtsmaßnahme. Pavlovic wird gebraucht. Beim FC Bayern, aber auch in der Nationalmannschaft.
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