Im Flutlicht des DFB-Pokalabends bebte das Stadion, als Serhou Guirassy in der 82. Minute zur Entscheidung ansetzte. Mit einem wuchtigen Abschluss erzielte er für Borussia Dortmund den erlösenden Treffer – 1:0. Die schwarz-gelbe Bank sprang erleichtert auf, die Fans explodierten vor Freude und in diesem Moment sah alles nach einem erkämpften, aber dennoch geglückten Pokalauftakt im Revierderby gegen RW Essen aus. Es sollte nicht so bleiben.
Sieg mit bitterem Beigeschmack
Denn die Euphorie währte nur kurz. In der Nachspielzeit kippte die Stimmung schlagartig, als der BVB- Außenverteidiger Yan Couto nach einem brutalen Einsteigen des Esseners Kelsey Owusu nahe der Eckfahne zu Boden ging. Owusu erwischte Couto dabei mit durchgestrecktem Bein unmittelbar am Knie, dieser ging daraufhin schreiend zu Boden. Der Brasilianer krümmte sich vor Schmerzen, Mitspieler riefen sofort nach der medizinischen Betreuung. Die Gesichter an der Seitenlinie erstarrten, während die Sanitäter Couto schließlich auf einer Trage vom Feld bringen mussten. Statt ausgelassener Freude über Guirassys Siegtreffer herrschte plötzlich bedrückende Stille – die Sorge um den Verteidiger überschattete den sportlichen Erfolg.
Die Diskussionen über das Foul ließen nicht lange auf sich warten: Schiedsrichter Frank Willenborg entschied auf Gelb statt Rot – für viele im Dortmunder Lager ein Skandal. BVB-Sportdirektor Sebastian Kehl nannte die Aktion „eine klare Rote Karte“, Trainer Niko Kovac sprach gar von einem „Anschlag“. Dass Couto ausgerechnet in einer Phase ausfallen könnte, in der der BVB ohnehin mit massiven Abwehrsorgen kämpft, verschärft die Situation zusätzlich. Schon vor dem Spiel fehlten mit Niklas Süle, Emre Can und Julian Ryerson mehrere wichtige Defensivkräfte. Auch wenn bislang keine offizielle Diagnose vorliegt, lassen die Bilder Schlimmes befürchten.
Rassistische Anfeindungen gegen Owusu
Leider zudem unschön: Der dunkelhäutige Owusu bekam unmittelbar nach dem Spiel einen ganzen Sturm an rassistischen Hass-Kommentaren in den sozialen Medien ab. RWE-Trainer Uwe Koschinat fand hierfür die richtigen Worte: „Das ist unverzeihlich, wenn ein Spieler so hart einsteigt. Aber es ist nicht unverzeihlich, weil der Spieler dunkelhäutig ist, sondern, weil die Aktion einfach scheiße ist.“ Berichten zufolge suchte der 21-Jährige noch nach dem Spiel die Dortmunder Kabine auf, um sich zu entschuldigen. „Das war ein Fehler und ich glaube, dass Kelsey da auch lernen muss“, so Koschinat.
Sportlich zog der BVB dank einem erkämpften Sieg in die nächste Runde ein. Doch statt Jubel über den Erfolg dominierte die Sorge um Yan Couto. Ein Pokalabend, der in Erinnerung bleibt, nicht wegen des Siegtors, sondern wegen eines Fouls, das die ganze Dortmunder Defensive ins Wanken bringen könnte.
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