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Einzug ins Champions-League-Achtelfinale: Beim FC Bayern reagiert die absolute Unsicherheit

Champions League

Wackel-Einzug ins Achtelfinale: Der FC Bayern und die absolute Unsicherheit

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    Alphonso Davies (rechts) freut sich mit Leon Goretzka über seinen späten Ausgleichstrefferzum 1:1 gegen Celtic Glasgow.
    Alphonso Davies (rechts) freut sich mit Leon Goretzka über seinen späten Ausgleichstrefferzum 1:1 gegen Celtic Glasgow. Foto: Markus Fischer, Witters

    Kurz vor Mitternacht hatten sie genug geknuddelt und geherzt. Das Adrenalin pegelte sich wieder im Normalbereich ein und die kurzen, heftigen Euphoriewellen wichen sanfter Erleichterung. Nachdem Alphonso Davies in der vierten Minute der Nachspielzeit den Ball irgendwie ins Tor gewurstelt hatte, wollten seine Mitspieler unbedingt mit ihm feiern. Soll noch einer sagen, Männer könnten keine Gefühle zeigen. Die Bayern hatten vor der Partie nicht damit gerechnet, dass ein Torjubel am späten Abend so heftig ausfallen würde. Immerhin hatte man sich mit dem 2:1 im Hinspiel bei Celtic Glasgow eine hervorragende Ausgangsposition erspielt und zudem konnte man sich sicher sein, über die bessere Mannschaft zu verfügen. Doch absolute Sicherheit gibt es im Fußball nicht.

    Von absoluter Sicherheit in der Defensive sind die Münchner beispielsweise in etwa so weit entfernt wie die SPD von der absoluten Mehrheit im kommenden Bundestag. Dayot Upamecano und Josip Stanisic stärkten nach einer Viertelstunde mit kapitalen Schnitzern die Hoffnung der Schotten, dass eine der größeren Überraschungen der Vereinsgeschichte möglich ist. Als dann in der zweiten Halbzeit Nicolas Kühn – ausgerechnet Nicolas Kühn gebietet es sich zu sagen, der Mann hat früher zeitweise für die zweite Mannschaft des FC Bayern gespielt – tatsächlich die Führung für Glasgow erzielt hatte, wurde aus der Hoffnung Glaube. In Stanisic, Upamecano, Minjae Kim und Paulo Guerreiro schaffte es tatsächlich jedes Mitglied des Abwehrverbunds eine Teilschuld an dem Gegentreffer auf sich zu laden, mehr Fehler- denn Viererkette.

    Manuel Neuer freut sich über Weiterkommen des FC Bayern

    Allzu streng wollten sich die Münchner nach dem Spiel aber nicht selbst aburteilen. „Am Ende ist es entscheidend, hier weiterzukommen. Das haben wir geschafft. Dieser Glanz war vielleicht auch nicht ganz möglich heute, weil das nicht unser bester Tag war. Am Ende zählt, was dabei rumgekommen ist, das ist das Weiterkommen“, sagte Mannschaftskapitän Manuel Neuer nach dem 1:1. Auch Trainer Vincent Kompany ging nicht allzu streng mit seinen Spielern um. Natürlich, man habe in dieser Saison schon deutlich besser gespielt, aber man müsse eben auch den Kontext sehen. Und dieser sah so aus, dass die Bayern innerhalb von sechs Tagen drei wichtige Spiele zu absolvieren hatten. Zwischen den Glasgow-Partien hatte der Spielplan noch das Aufeinandertreffen mit Bayer Leverkusen vorgesehen. Nach der möglicherweise anstrengendsten Woche der Saison stehen die Bayern im Achtelfinale der Champions League und führen die Liga mit acht Punkten Vorsprung an. Eine Zwischenbilanz, die in Europa so auch nur der FC Liverpool und Paris St. Germain vorweisen können.

    Selbstverständlich ist aber auch den Münchnern nicht entgangen, dass ihnen die Arbeit schon mal leichter vom Fuß gegangen ist. „Es ist nicht so, dass wir jetzt da sitzen und sagen: ‚Hey, wir sind in Top-Form, alles ist fantastisch.‘ Das ist es momentan nicht. Es ist alles ein bisschen schwerer, aber wir sind durch“, fasste Sportvorstand Max Eberl die Gemütslage zusammen. Sich darauf zu verlassen, dass die Form einfach wieder komme, wenn die Mannschaft Zeit zum Durchschnaufen hat, mag Eberl nicht: „Wir reden darüber. Manche Dinge sind aber nicht so für die Öffentlichkeit geeignet.“ Es ist wahrscheinlich nicht so, dass ein Teil dieser Gespräche die Bevölkerung verunsichern würde, viel mehr dürften Spieler und Trainer gespannt sein, was der Funktionär ihnen zu erzählen hat. Möglicherweise, dass bei einigen von ihnen eine Weiterbeschäftigung in München nicht zwangsläufig ist. Serge Gnabry beispielsweise hat in den vergangenen Monaten wenige spielerische Argumente vorbringen können, ihn nicht auf dem Transfermarkt anzubieten.

    Leroy Sané immerhin zeigte nach seiner Einwechslung eine couragierte Leistung. Das alleine wird aber nicht reichen, um Eberl und Co. von einer Weiterbeschäftigung über den kommenden Sommer hinaus zu überzeugen. Das sieht bei Joshua Kimmich anders aus. Mit ihm würden die Münchner gerne sofort verlängern. Der Mittelfeldspieler aber wägt immer noch ab, wo er mit nun auch schon 30 Jahren seine berufliche Zukunft sieht. Die vergangenen drei Partien könnten ihn in seiner vor Wochen geäußerten Meinung bestärken, dass die Bayern derzeit kein Spitzenteam seien. In den kommenden Spielen können sie das Gegenteil beweisen. In der Liga stehen die Partien gegen Frankfurt und Stuttgart an, ehe es zum Achtelfinale in der Champions League kommt. Am Freitag wird ausgelost, ob die Münchner auf Atletico Madrid oder Bayer Leverkusen treffen. Adrenalin ist garantiert.

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