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Enhanced Games sorgen für Kritik, finden aber auch Verteidiger

Doping erlaubt

Enhanced Games: Wieso ein Philosoph die Doping-Wettkämpfe verteidigt

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    In Las Vegas werden die ersten Enhanced Games stattfinden. Doping ist dort ausdrücklich erwünscht.
    In Las Vegas werden die ersten Enhanced Games stattfinden. Doping ist dort ausdrücklich erwünscht. Foto: dpa

    Kaum noch zwei Monate, dann beginnen in Las Vegas die Enhanced Games. In den Disziplinen Leichtathletik, Schwimmen und Gewichtheben werden sich 50 Athletinnen und Athleten messen. Der Clou daran: Doping ist ausdrücklich erwünscht. Seit Wochen bereiten sich die Teilnehmer vor und bekommen unter ärztlicher Aufsicht diverse leistungssteigernde Mittelchen verabreicht. Unter ihnen sind etliche Weltklasse-Sportler wie zum Beispiel der britische Schwimm-Weltmeister Ben Proud oder der frühere 100-Meter-Weltmeister und derzeit dopinggesperrte Fred Kerley (USA). Im Gewichtheben wird der isländische Weltrekordhalter im Kreuzheben Thor Björnsson zu sehen sein, der durch seine Rolle als Gregor Clegane (genannt „der Berg“), in der Serie Game of Thrones bekannt wurde. Deutschland ist mit Marius Kusch (Schwimmen) und Michael Bryan (Leichtathletik) vertreten.

    Enhanced Games locken mit hohen Prämien

    Die Veranstalter locken mit hohen Prämien. Jeder Wettkampf ist mit einem Gesamtpreisgeld von 500.000 Dollar dotiert, Sieger bekommen 250.000 Dollar. Dazu kommen Antrittsgelder und Prämien von bis zu einer Million Dollar, wenn die Weltrekorde über 100 Meter in der Leichtathletik und im 50-Meter-Freistilschwimmen unterboten werden. Letzteren hat gerade erst der Australier Cameron McEvoy (mutmaßlich ohne verbotene Mittel) auf 20,88 Sekunden verbessert.

    Im traditionellen Sport stoßen die Enhanced Games auf breite Ablehnung. „Das Versprechen eines sicheren und fairen Sports seitens der Veranstalter mittels experimentellen Dopings an Athletinnen und Athleten ist ein sehr gefährlicher Trugschluss“, sagte Lars Mortsiefer, Vorstandsvorsitzender der Nada Deutschland. Gefahr für Leib und Leben ist der häufigste Kritikpunkt. „Da werden Menschen zu Versuchskaninchen“, sagte der renommierte Dopingforscher Fritz Sörgel unserer Redaktion.

    Tech-Milliardär gründete die Doping-Spiele

    Gegründet wurden die Enhanced Games (übersetzt: Verbesserte Spiele) vom australischen Tech-Milliardär Aron D´Souza. Er proklamiert, dass bei seinen Veranstaltungen Sportlerinnen und Sportler selbst entscheiden dürfen, wie sie ihren Körper zu Höchstleistungen bringen. „Athleten sind Erwachsene, die das Recht haben, mit ihrem Körper zu tun, was sie wollen“, sagt D´Souza, der als Investoren unter anderem US-Präsidentensohn Donald Trump Jr., Paypal-Milliardär Peter Thiel oder Krypto-Investor Christian Angermayer gewonnen hat. Geld kommt zudem aus Saudi-Arabien.

    Der Schwimm-Weltverband World Aquatics verfügte, dass es für alle Teilnehmer an den Enhanced Games keine Rückkehr in den regulären Wettkampfbetrieb geben werde. Der US-amerikanische Staffel-Olympiasieger Hunter Armstrong kündigte dennoch an, aus finanziellen Gründen an den Enhanced Games teilnehmen zu wollen. Gleichzeitig plane er auch mit einem Start bei den Sommerspielen 2028 in Los Angeles. Sein Argument: Er werde bei den Enhanced Games ungedopt schwimmen und bleibe im Testpool. Noch ist unklar, ob er damit bei seinem Weltverband durchkommt.

    Weniger traditioneller Sport, mehr Show

    Der Sportphilosoph Robert Gugutzer kann die Ablehnung der Enhanced Games nicht nachvollziehen. Dem RND sagte er mit Blick auf die Doping-Spiele. „Es werden Zeiten und Kilogramm gemessen, und dann gibt es Gewinner und Verlierer. Das alles versteht man gemeinhin unter Sport. Und zugleich ist es ein Rahmen, der vielleicht mehr Show ist, mehr Entertainment, mehr Unterhaltung und insofern nicht mehr nur oder ‚reiner‘ Sport.“ Den Fairnessgedanken, den man im traditionellen Sport anlegt, könne man nicht heranziehen für eine Fairnessdiskussion. „Der Vergleich hinkt, weil bei den Enhanced Games andere Regeln gelten. (...) Die Unfairness kann nur Thema werden, wenn man das mit anderen, normalen Wettkämpfen vergleicht, in denen Doping verboten ist. Deshalb hinkt dieser Vergleich. Es sind zwei verschiedene Veranstaltungen.“

    Auch das Gesundheitsargument lasse er nicht gelten, sagte Gugutzer. Denn Leistungssport habe nichts mit Gesundheit zu tun, „er ist sogar gesundheitsschädlich. Wer 15 oder 20 Jahre lang im Hochleistungssport aktiv ist, hat jedenfalls gute Chancen, dass er gesundheitliche Schäden davonträgt, weil die Belastung des Körpers immens ist.“ Selbst die Vorwürfe, dopende Spitzensportler würden ihrer Vorbildrolle für die Jugend nicht gerecht, kontert der Sportphilosoph. „Wieso müssen Spitzensportler Vorbilder sein? Erwarten wir dasselbe von Politikern, von Handwerkern, von Lehrern? Es scheint so zu sein, dass die moralischen Erwartungen an Spitzensportler ausgesprochen hoch sind.“ Aus persönlichen, moralischen Gründen könne man natürlich gegen Doping sein, „aber sachlich-neutrale Argumente gibt es kaum“. 

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