Die FCA-DNA wollte Jess Thorup wieder sehen. Einsatz also, Kampfkraft und Leidenschaft. Keine schlechte Idee, wenn es gegen einen Gegner wie den VfB Stuttgart geht, der dem FC Augsburg spielerisch klar überlegen ist. Das zeigte sich am Sonntagabend vor 30.660 Fans auch deutlich. Stuttgart dominierte, der FCA lief meist hinterher. Das aber so intensiv, dass sich die Gäste trotz ihrer Überlegenheit kaum Möglichkeiten erspielten. Dennoch gewann der VfB mit 1:0 (0:0).
FCA-Trainer Thorup ist mit seiner Aufstellung am Sonntag ein Risiko eingegangen. Er hatte sich für einen Wechsel auf der Torhüterposition entschieden. Finn Dahmen statt Nediljko Labrovic. Beim 1:5 in Kiel hatte der Kroate mehrfach gepatzt, zuvor hatte er sich allerdings nach schwierigem Beginn auf gutem Niveau stabilisiert. Warum also der Wechsel? Sein Bauchgefühl entscheide letztlich, hatte Thorup am Freitag gesagt. Ausschlaggebend sei zudem, welcher Torhüter der Mannschaft im Moment mehr geben könne. Und ein Zeichen konnte Thorup damit auch setzen an alle Akteure. Kein Posten ist sicher, überall herrscht Konkurrenzkampf. Das betont Thorup immer wieder.
Was für einen Einsatz von Finn Dahmen im Spiel gegen den VfB Stuttgart sprach
Dahmen habe sich im Training mehr und mehr aufgedrängt, erklärte Thorup zuletzt häufig. Offenbar so sehr, dass der Däne die Zeit für einen Wechsel in Spiel eins des neuen Jahres reif hielt. Der FCA hatte vor der Partie gegen Stuttgart 32 Gegentore kassiert, deutlich zu viel für eine Mannschaft, die sich dem gesicherten Mittelfeld nähern möchte. So rückt eher die Abstiegszone näher. Dahmen durfte in dieser Saison bislang nur im Pokal ran. Aber vor allem beim Weiterkommen in Karlsruhe überzeugte er als Elfmeterheld. „Es war mein großes Ziel, wieder ins Tor zurückzukommen. Aber natürlich habe ich es mir vom Ergebnis anders vorgestellt“, sagte Dahmen. Und: „Von der Mentalität kann man uns heute nichts vorwerfen.“ Ob er sich nun als feste Nummer eins fühle? „Der Trainer hat mir versichert, dass er voll zu mir steht. Ich war ständig mit ihm im Austausch. Vielleicht bin ich ihm auch ein bisschen auf die Nerven gegangen.“ Mit Erfolg.
Der FCA-Torwart dürfte sich auf einen arbeitsreichen Tag eingestellt haben. Stuttgart ist als offensivstarker Gegner bekannt. Am Sonntag aber sah das Spiel des VfB zwar gefällig aus, vor dem Tor aber fehlte oft die Entschlossenheit. So musste Dahmen in Hälfte eins nur zweimal eingreifen. Zunächst gegen einen Kopfball von Ermedin Demirovic (5.), wenig später gegen einen Eckball, der direkt auf sein Tor flog. Beide Male war Dahmen hellwach. Sein Aufrücken in die Startelf war nicht die einzige Änderung im Vergleich zum Debakel von Kiel. Marius Wolf fehlte krankheitsbedingt, er hatte das Training am Donnerstag wegen Atembeschwerden abbrechen müssen. Für ihn spielte Robert Gumny. Zudem kehrte der in Kiel gesperrte Jeffrey Gouweleeuw in die Anfangself zurück, Frank Onyeka rückte ebenfalls in die Mannschaft. Phillip Tietz saß zunächst draußen. Keven Schlotterbeck fehlte weiterhin wegen seiner Oberschenkelverletzung. Er hoffe, in einer Woche in Bremen wieder dabei zu sein, ließ er vor Spielbeginn wissen. Ein Einsatz am Mittwoch bei Union Berlin komme wohl noch zu früh.
Lange Zeit hielt der FC Augsburg gegen Stuttgart ein 0:0
Die Gäste aus Baden-Württemberg dominierten von Beginn an, zwischenzeitlich hatten sie 80 Prozent Ballbesitz. Der FCA tat sich schwer, aus der eigenen Hälfte zu kommen. Richtig gefährliche Abschlüsse aber hatte der VfB kaum. Wenngleich sich immer wieder Lücken in der FCA-Abwehr auftaten. Nach einer knappen halben Stunde mussten die Augsburger ähnlich wie in Kiel frühzeitig ihre Defensive umbauen. Maximilian Bauer hatte in Minute fünf einen Ball gegen den Kopf bekommen. Der Innenverteidiger litt immer mehr unter Schwindelbeschwerden, was zu seiner Auswechslung führte. Ihn ersetzte fortan Noahkai Banks.
Stuttgart zeigte sich weiter überlegen, der FCA kam erst kurz vor der Pause mal zu längeren Ballbesitzphasen. Das führte prompt zu einer Doppelchance von Gouweleeuw und Gumny, beide Male aber parierte Stuttgarts Torwart Alexander Nübel (41.). Zuvor hatte Demirovic die beste Stuttgarter Chance vergeben, als er freistehend vor Dahmen am Tor vorbei köpfte (20.). Erstmals größerer Jubel brandete bei Stuttgarts zahlreichem Anhang nach gut einer Stunde auf, als Deniz Undav in die Partie kam. Für ihn musste der ehemalige Augsburger Demirovic weichen. Ein früher Feierabend an alter Wirkungsstätte also.
Kaum war Undav auf dem Feld, führten die Gäste. Ein perfekter Heber von Angelo Stiller landete beim Nationalstürmer, der aus wenigen Metern zur VfB-Führung traf (65.). Undav trat dabei FCA-Torhüter Dahmen auf den Fuß, Schiedsrichter Daniel Schlager fand das nicht ahndungswürdig. Ebenso lag keine Abseitsposition vor, wie die Überprüfung durch den Videoschiedsrichter ergab. Stuttgart führte verdient, wenngleich der FCA die Partie mittlerweile etwas ausgeglichener gestaltete. Dennoch ging der Jahresauftakt daneben.
FC Augsburg Dahmen - Matsima, Gouweleeuw, Bauer (29. Banks) - Gumny (72. Koudossou), Onyeka (72. Maier), Jakic, Giannoulis - Claude-Maurice (83. Jensen), Rexhbecaj - Essende (72. Tietz).
Tor 0:1 Deniz Undav (65.)
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