Es war der übliche Gang. Michael Ströll schaute kurz in der Kabine vorbei. Nicht außergewöhnlich, das macht der Geschäftsführer des FC Augsburg nach jeder Partie. In Mönchengladbach aber war seine Miene finster. Die 0:4-Niederlage hatte ihm mächtig zugesetzt. Ebenso wie Trainer Manuel Baum oder Sportdirektor Benjamin Weber.
Wenige Minuten war Ströll in der Kabine, ehe er Richtung Flieger verschwand. Er hatte sich kurz mit Weber und Baum ausgetauscht, Worte an die Mannschaft hatte Ströll nicht gerichtet. Noch ist der Zeitpunkt für eine Brandrede nicht gekommen. Die Augsburger aber stecken im Tabellenkeller fest und müssen sich auf zähe Wochen einstellen. Auf den Kampf gegen den Abstieg. Dabei hätte diese Saison doch so ganz anders laufen sollen.
Nun steht der FCA wieder dort, wo er sich in 15 Jahren Erstligazugehörigkeit häufiger befunden hatte. Im harten Ringen um den Klassenerhalt. Dabei wähnten sich die Augsburger auf einem guten Weg. Dieses Gefühl hatten ihnen die letzten drei Partien des vergangenen Kalenderjahres vermittelt. Nachdem Baum den Job des entlassenen Sandro Wagners übernommen hatte, schien sich das FCA-Gesamtkonstrukt stabilisiert zu haben. Bis zum Sonntagnachmittag in Mönchengladbach.
Der FCA enttäuscht auf ganzer Linie
Der Jahresauftakt hätte für die Augsburger kaum bitterer sein können. Viel hatten sie sich vorgenommen, waren davon ausgegangen, dass ihre wiedergewonnene Kompaktheit auch am Niederrhein ein wichtiger Faktor ist. Hatten gehofft, erfolgreich ins neue Jahr zu starten. Was sie aber ablieferten, war eine große Enttäuschung. Und eine Überraschung. Mit einem solchen Auftritt hatte kaum einer gerechnet.
Gemeinsam standen Baum und Weber hinterher im Bauch des Borussia-Parks. Kalt war es, die Stimmung entsprechend frostig. Nach und nach schlüpften die Spieler im Hintergrund aus der Kabine in Richtung Bus. Die Enttäuschung war allen anzusehen. Ein unangenehmer Gegner wollte der FCA sein. So wie häufig. Baum aber musste zugeben: „Heute waren wir überhaupt nicht unangenehm.“
Weil seine Spieler die Kompaktheit vermissen ließen. Weil ihnen die Schärfe in den Zweikämpfen fehlte. Weil die Intensität eher an ein Freundschaftsspiel, statt an eine Partie in der Bundesliga erinnerte. Grundtugenden fehlten, das sollte zu denken geben. Andererseits seien das Grundsätzlichkeiten, die sich schnell wieder ändern ließen. Zumindest ist das Baums Hoffnung. Ob es gelingt, wird die Heimpartie am Donnerstag (20.30 Uhr) gegen Union Berlin zeigen.
Baums Analyse war schonungslos. Schon direkt nach Schlusspfiff begann in der Kabine die Aufarbeitung. „Vier Gegentore, vor allem in der Art und Weise, sind deutlich zu viele“, sagte der FCA-Trainer. Seine Akteure hätten häufig „brutal die falschen Entscheidungen getroffen“. Und im Spiel nach vorn ließen sie die Zielstrebigkeit vermissen. Eine verhängnisvolle Mixtur, die Baum zur Erkenntnis brachte: „Was Verteidigen und Angreifen anging, war es überhaupt nicht gut.“
Wird der FCA personell nachlegen?
Der Weg mit Baum schien der richtige. Der Auftritt in Mönchengladbach aber war ein erstes Stolpern. Nun müssen sich die Augsburger wieder aufraffen. Die Personalprobleme – Dimitrios Giannoulis fehlte gesperrt, Chrislain Matsima verletzt – wollte Baum nicht als Ausrede gewertet wissen. „Wir haben genug Bundesligaspieler im Kader. Jeder muss in der Lage sein, als Team die Leistung auf den Platz zu bringen“, meinte der Trainer.
Eine Einschätzung, der Weber zustimmte. „Beim FCA dürfen wir keine Abhängigkeit von Spielern haben“, meinte der Sportdirektor. Es brauche immer eine mannschaftliche Geschlossenheit. „Wir haben es nicht geschafft, griffig und zielstrebig zu sein“, sagte Weber. Es sei nicht gelungen, beim Anpfiff den Schalter umzulegen. Anders als bei den Gastgebern, die vor allem in Hälfte eins eine klare Überlegenheit hatten.
Ein solcher Auftritt sei nicht zu erwarten gewesen, so Weber. Nicht nach den vergangenen Wochen und Leistungen. „Es geht um die Art und Weise, die hat heute gar nicht gestimmt“, sagte der Sportdirektor. Am Donnerstag gegen Union Berlin brauche es eine andere Schärfe, eine andere Kompaktheit. Womöglich aber auch neue Spieler?
Die FCA-Verantwortlichen sind weiter auf der Suche. Im Angriff gibt es noch Bedarf, mittlerweile allerdings nach der Verletzung von Matsima auch in der Innenverteidigung. „Wir müssen schauen, was machbar ist“, sagte Weber. Klar ist: In Aktionismus möchte der FCA nicht verfallen, sondern nur tätig werden, wenn das Gesamtkonstrukt passt. Der neue Spieler muss finanzierbar sein und unmittelbar helfen können. „Wir werden nur Dinge machen, die uns weiterbringen und von denen wir überzeugt sind“, sagte Weber.
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