Nach einer Stunde hatte das Schiedsrichtergespann genug. Sandro Wagner war gewohnt engagiert und leidenschaftlich an der Seitenlinie seiner Trainertätigkeit nachgegangen. Hatte seiner Mannschaft mit Worten und Gesten Unterstützung geleistet. Zugleich war der 37-Jährige wiederholt nicht mit Entscheidungen der Unparteiischen einverstanden gewesen. Und hatte seinen Unmut kundgetan.
FCA-Trainer Sandro Wagner will dazulernen – sein Auftreten an der Seitenlinie gehört dazu
Als der Trainer des FC Augsburg mal wieder vorstellig geworden war, quittierte Schiedsrichter Timo Gerach Wagners Verhalten mit einer Gelben Karte. Der Bundesliganovize sieht sich selbst weiterhin in einer Lernphase, sein Auftreten während eines Spiels zählt er selbst dazu. So cool wie ein erfahrener Trainer, möchte er einmal werden, so Wagner. Fakt ist: In sieben Ligaspielen hat er jetzt drei Gelbe Karten gesehen. Bei der nächsten Verwarnung wird Wagner gesperrt und muss auf der Tribüne zusehen.
Die Partie in Köln, die 1:1 endete, lieferte Wagner immense Lerneffekte bezüglich seiner emotionalen Beherrschung. In diesem hektischen, lauten Stadion die Ruhe zu bewahren, das erforderte Coolness. An diesem Nachmittag war das alles andere als einfach. Intensiv führten die Spieler ihre Zweikämpfe. Stets wandelten sie dabei an der Grenze: Passte das Timing nicht zu hundert Prozent, riskierten sie ein Zu-Spät-Kommen, Foul und Gelbe Karte. So gesehen nach sieben Minuten, als FCA-Spieler Anton Kade, der ein gutes FCA-Startelf-Debüt hinlegte, mehr Fuß als Ball traf und verwarnt wurde.
Kölns Supertalent Said El Mala trifft zum Ausgleich gegen den FC Augsburg
„50:50-Entscheidungen“ wurde bei den Beteiligten zum geflügelten Wort, wenn sie das Spiel einordnen sollten. Also Szenen, die sich zugunsten der Kölner oder der Augsburger werten ließen. Beides möglich, beides richtig wie falsch. Die Augsburger sahen sich bei diesen 50:50-Entscheidungen des Öfteren benachteiligt.
Etwa vor dem Ausgleich durch Said El Mala. Der Kölner Denis Huseinbasic hatte FCA-Spieler Fabian Rieder zuvor den Ball grenzwertig abgenommen. Rieder wollte sich im Nachgang über diese Auslegung des Unparteiischen ebenso wenig beschweren wie Wagner, der Spieler sprach mehr von einem „Gefühl auf dem Platz“. „Am Ende ist es keine Fehlentscheidung, wenn er es nicht pfeift. Es gab aber Fehlentscheidungen, die uns wichtige Bälle und Chancen nahmen“, so Rieder. Dabei meinte der Schweizer Nationalspieler etwa eine Szene aus der Schlussphase. Im Fernsehen war sie beinahe untergegangen, kaum einer hatte sie zunächst wahrgenommen. Wagner schon. „Es war ein klares Handspiel. Das ist für mich ein Elfmeter. Wir haben schon für viel weniger etwas gegen uns bekommen.“
FCA-Coach Wagner: „Finde es komisch, dass man nicht nachschaut“
Doch was war passiert? Han-Noah Massengo wollte den Ball an Kölns Florian Kainz vorbeispielen, dieser wehrte den Ball im eigenen Strafraum mit dem Arm ab. Gerach und sein Gespann hatten das Handspiel auf dem Platz nicht geahndet. Für Unverständnis sorgte bei den Augsburgern vor allem, dass sich Video Assistent Referee (VAR) Arne Aarnink nicht einschaltete und Gerach aufforderte, sich die Szene an der Seitenlinie am Bildschirm anzusehen. „Ich finde es komisch, dass man da nicht nachschaut“, betonte Wagner. Er wollte seine Worte explizit nicht als Kritik am Schiedsrichter verstanden wissen. „Ich versuche, mich auf meine Arbeit zu konzentrieren und da die Dinge gut anzugehen. Ich würde niemals sagen, dass wir deshalb nicht gewonnen haben.“
Ebenso sprach Sportdirektor Benjamin Weber von einem „Handelfmeter“, der fälschlicherweise nicht gegeben wurde. „Wenn man das auf dem Video sieht, ist es so klar.“ Auf Nachfrage wurde Weber vom Schiedsrichterteam erklärt, der Ball wäre vom Oberschenkel unabsichtlich an die Hand gesprungen. „Aber der Ball geht halt direkt an die Hand“, betonte Weber im Bauch des Stadions. Und fügte hinzu: „Und dann gibt es keine Diskussion.“
Unstrittig war zumindest die Szene, die zur Führung des FCA geführt hatte. Kade hatte Kölns Innenverteidiger Dominique Heintz mit seinem Dribbling auf dem falschen Fuß erwischt, plump stellte dieser dem Augsburger das Bein. Den fälligen Strafstoß verwandelte Rieder sicher zur zwischenzeitlichen Führung. Die Ausführung eines zweiten Strafstoßes blieb ihm verwehrt.
Wagner und Weber sahen im Auftritt einen Fortschritt. Nach dem Erfolg gegen Wolfsburg punktete der FCA beim euphorisierten Aufsteiger Köln. Wie weit die Mannschaft in ihrer Entwicklung ist, wird sich in den nächsten Spielen zeigen. Innerhalb einer Woche empfängt der FCA in der Liga die Spitzenteams RB Leipzig (Samstag, 15.30 Uhr, Sky) und Borussia Dortmund, dazwischen den Zweitligisten VfL Bochum im DFB-Pokal.
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