Ein Ansinnen des FC Augsburg an seinen neuen Trainer Sandro Wagner war es, mutigeren und attraktiveren Fußball spielen zu lassen. Das hat Wagner in den ersten drei Bundesliga-Spielen mehr als erfüllt. Auch bei der 1:2 (1:1)-Niederlage beim FC St. Pauli hatte das Spiel hohen Unterhaltungswert. Die drei Punkte bleiben aber in Hamburg.
„Ich freue mich auf die Atmosphäre und hoffe, dass es richtig laut wird – je lauter und je schwieriger sie es uns machen, desto schöner wird es“, gab sich FCA-Trainer Sandro Wagner vor der Partie auf dem Kiez kämpferisch. Die lautstarke Unterstützung im kleinen, engen Kultstadion nahe der Reeperbahn hatte schon manchen Gästen zu schaffen gemacht.
FC Augsburg geht früh gegen St. Pauli in Führung
Doch schon nach 16 Minuten platzierte der FCA einen ersten Dämpfer mit dem 1:0-Führungstreffer durch Fabian Rieder. Den Schweizer Neuzugang hatte Wagner gleich in die Startelf beordert. Die ersten beiden Spieltage (3:1 gegen Freiburg und 2:3 gegen den FC Bayern) hatte Wagner noch mit der gleichen Elf begonnen, doch am Sonntag musste er drei Änderungen notgedrungen vornehmen. Rieder ersetzte Robin Fellhauer, der nach seiner Gehirnerschütterung auf der Bank Platz nahm. Cedric Zesiger und überraschenderweise Elvis Rexhbecaj rückten für die verletzten Dimitrios Giannoulis und Keven Schlotterbeck (beide Muskelverletzungen) auf. Für Rexhbecaj hatte sich Wagner taktisch etwas besonders einfallen lassen. Im eigenen Ballbesitz rückte der Nationalspieler Kosovos in die Spielfeldmitte, hinten reichte da eine Dreierkette. Im Defensivmodus musste Rexhbecaj in der Fünferkette dann den linken Außenverteidiger geben. „Elvis ist flexibel, der kann alles spielen außer Torhüter“, hatte Wagner vor der Partie erklärt.
Die Hauptrolle spielten im FCA-Drehbuch aber beim Führungstreffer zwei andere. Han-Noah Massengo hatte den Ball im Mittelfeld erobert, war damit nicht zufrieden, marschierte in den Pauli-Strafraum, kam wieder an den Ball und chippte ihn gefühlvoll in die Mitte. Dort köpfte Rieder zur Führung für den FCA ein.
FC Augsburg auf St. Pauli: Finn Dahmen pariert Handelfmeter
Beim Hamburger Publikum hinterließ der Treffer kein große Wirkung, bei der Pauli-Mannschaft hingegen schon. Die Gastgeber brauchten über 20 Minuten, um wieder in die Gänge zu kommen. Der FCA versäumte es, in dieser Phase zwingender nachzusetzen. Das rächte sich.
Dabei bahnte sich das Unheil mit einem vermeintlichen Foul der Hamburger an. Finn Dahmen wurde bei einem weiten Ball von Adam Dzwigala im Fünfmeter-Raum touchiert, dafür gab es durchaus schon einen Foulpfiff für den Torhüter, doch Schiedsrichter Harm Osmers ließ weiterspielen und entschied auf Eckball. Der war dann folgenschwer für den FCA. Die Ecke wurde zwar abgewehrt, doch dann stoppte Cedric Zesiger einen Schuss unabsichtlich mit der Hand. Osmers entschied dann nach Ansicht der Videobilder richtigerweise auf Elfmeter. Es war eine unglückliche Aktion von Zesiger, es sollte nicht die letzte sein.
Es schien, als würde Dahmen seinen Halbfehler wieder gutzumachen, er parierte den Strafstoß von Andreas Hountondji, doch den Nachschuss verwandelte der Nationalspieler des Benins zum 1:1 (45.). Danach hatte FCA-Trainer Wagner Glück, dass er wegen Spielverzögerung nicht Rot, sondern nur die Gelbe Karte sah. Das Stadion tobte angesichts der wilden Schlussphase der ersten Hälfte, in der Fellhauer (mit Gesichtsmaske) noch für den benommenen Jakic eingewechselt werden musste. Wagner hatte das, was er wollte: Stimmung in der Bude.
Gegen Mainz will der FCA wieder punkten
Nach dem Wechsel wiederholte sich der Start des Spiels. Es ging hin und her. Die Gastgeber scheiterten immer wieder im 1:1 am nervenstarken Finn Dahmen. Der FCA etwas mehr an sich selbst, weil sie ihre durchaus vorhandenen Möglichkeiten nicht konsequent ausspielten. Es war eine Partie, die in der Schlussphase auf Messers Schneide stand.
Zweite unglückliche Aktion von Cedric Zesiger
Die dann durch die zweite unglückliche Aktion von Zesiger, der eigentlich eine gute Partie ablieferte, entschieden wurde. In der 77. Minute drosch der Hamburger Danel Sinani einen Freistoß von der linken Strafraumkante scharf nach innen und der Schweizer in der FCA-Innenverteidiger fälschte unhaltbar zum 2:1 für den FC St. Pauli ab.
Danach setzte Wagner alles auf eine Karte. Er löste seine Abwehr auf, doch so richtig gefährlich wurde es nicht mehr im Hamburger Strafraum. Nach dem Auftaktsieg in Freiburg ist der FCA wieder auf dem Boden der Tatsachen gelandet. Und die Realität ist: vor dem Heimspiel am kommenden Samstag gegen den FSV Mainz 05 hat der FCA bisher zwar viel Spektakel abgeliefert, aber halt auch nur drei Punkte auf dem Konto. Die Pauli-Fans feierten hingegen ihr Team und nun sieben Zähler.
FCA: Dahmen - Matsima, Gouweleeuw, Zesiger – Massengo (84. Dardari), Jakic (45. Fellhauer) – Wolf (69. Tietz), Rieder (84. Gharbi), Rexhbecaj, Saad (69. Claude-Maurice) – Kömür.
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