Stuttgart Lange sah es am Sonntag danach aus, dass sich der FC Augsburg aus dem Wellental in der Bundesliga kämpfen könnte. Zweimal führte der FCA beim VfB Stuttgart, doch am Ende waren die Abwehrschwächen wieder einmal zu groß und der FCA verlor mit 2:3 (2:2).
Natürlich hatte FCA-Trainer Sandro Wagner den VfB am Donnerstagabend zu Hause in der Europa-League-Partie gegen Feynoord Rotterdam beobachten lassen. Die FCA-„Spione“ sahen einen 2:0-Sieg durch späte Tore von Bilal El Khannouss (84.) und Deniz Undav (90.+1). „Stuttgart ist ein Brett. Sie haben einige top Spieler, sind gut drauf. Wir werden uns auf viele Szenarien vorbereiten“, hatte Wagner vor der Partie versprochen. Das war der FCA. Am Ende reichte es wieder einmal nicht.
Sandro Wagner setzte auf Anton Kade statt Mert Kömür
Gegenüber dem Dortmund-Spiel hatte Wagner nur einen Wechsel vorgenommen. U21-Nationalspieler Anton Kade verdrängte seinen Nationalmannschaftskollegen Mert Kömür auf die Bank. Dort saß auch Jeffrey Gouweleeuw. Der Kapitän hatte sich zwar sieben Wochen nach seiner Knieverletzung wieder fit zurückgemeldet, doch Wagner vertraute auf das Innenverteidiger-Trio Schlotterbeck - Banks - Matsima. Denn das 0:1 gegen die Borussia war zwar der Abschluss einer desaströsen Heimwoche mit drei Heimpleiten. Allerdings war eine Stabilisierung nach dem 0:6 gegen Leipzig und dem blamablen Pokalaus gegen Zweitligist VfL Bochum nicht zu übersehen.
VfB-Trainer Sebastian Hoeneß hatte gegenüber dem Donnerstag viermal gewechselt. Schließlich war es das siebte Spiel des VfB innerhalb von 23 Tagen. Der FCA dagegen konnte sich in einer langen Woche auf die wichtige Partie vorbereiten. Und Wagner hatte neue Reize gesetzt. Am Freitag hatte Wagner seinen Spielern nochmals freigegeben, am Samstag stand das Abschlusstraining an. Am Sonntagmorgen fuhr die Mannschaft um neun Uhr in Augsburg ab, vor dem Spiel hielt sie sich noch in einem Hotel in Esslingen auf. Um 16 Uhr fuhr das Team an der Stuttgarter Arena vor. Rund fünf Stunden später ohne Punkte wieder ab. Weil man sich wieder einmal selbst im Weg stand.
FCA-Geschäftsführer Ströll verteidigt vor Stuttgart-Spiel den Kurs des FC Augsburg
Kurz vor dem Spiel hatte FCA-Geschäftsführer Michael Ströll bei DAZN noch einmal den Weg mit Sandro Wagner verteidigt. Ströll bezeichnete den Umbruch und Imagewandel vor der Saison als nötig. „Wenn wir die Dinge weiter so machen, wie in den letzten zehn Jahren, dann ist es nur eine Frage der Zeit, bis es uns erwischt.“ Den bisherigen Saisonverlauf bezeichnete er als „wellenförmig“.
Und so verlief auch das Spiel in Stuttgart. Schon nach acht Minuten konnten die rund 1.600 mitgereisten FCA-Fans jubeln. Mit einem einfachen, langen Ball war die Stuttgarter Abwehr in Unordnung geraten. Gegen Anton Kade und Alexis Claude-Maurice konnte VfB-Torhüter Alexander Nübel noch retten, gegen den Schuss seines ehemaligen Mannschaftskollegen Fabian Rieder war er machtlos. Der FCA führte – aber nicht lange. In der 18. Minute gingen Keven Schlotterbeck und Dan-Axel Zagadou bei einer Ecke in den Ringkampf. Schlotterbeck zog plump am Nacken, nach Sichtung der Videobilder für Schiedsrichter Harm Osmers elfmeterwürdig. Den Strafstoß verwandelte Maximilian Mittelstädt sicher zum 1:1 (18.).
Doch es ging Schlag auf Schlag weiter. Han-Noah Massengo eroberte einen Hochrisikopass von Nübel mit robustem Zweikampfverhalten gegen Atakan Karazor und schob überlegt zum 2:1 (26.) ein. Aber auch diese Führung hielt nur kurz. In der 39. Minute kam Deniz Undav zum Kopfball, zuvor hatte der FCA zu lasch verteidigt. FCA-Torhüter Finn Dahmen erwischte den Ball, aber ein paar Millimeter zu weit hinter der Linie, wie die Torkamera unerbittlich zeigte. Es hieß 2:2. Der Schlusspunkt hinter eine aufgewühlte erste Hälfte mit mehr Torabschlüssen für den FCA.
Essende vergibt Großchance gegen den VfB Stuttgart
In der Halbzeit verzichteten beiden Trainer erst einmal auf Wechsel. Nach einer Stunde entschied sich Wagner dann für Routinie und Robustheit und brachte für Banks und Claude-Maurice Gouweleeuw und Samuel Essende. Das Tempo der ersten Hälfte war aber raus. Der VfB war nach der donnerstäglichen Zusatzschicht müde, der FCA blieb durchaus aktiv, aber auch vorsichtig. Und so plätscherte das Spiel dahin. Bis zur 77. Minute. Da spielte der auffällige Kade Essende am 16er völlig frei, doch der wuchtete den Ball über die Querlatte. Die Riesenchance – vergeben. Der entscheidende Qualitätsunterschied. Denn wie es geht, zeigte dann Deniz Undav, der mit Hilfe von Matsima und Dahmen das 3:2 (80.) erzielte. Der FCA wehrte sich verzweifelt gegen die siebte Saisonniederlage, vergebens. Ohne Erfolgserlebnis geht es in die Länderspielpause. Danach erwartet der FCA am 22. November Aufsteiger Hamburger SV in der WWK-Arena.
FC Augsburg Dahmen – Banks (62. Banks), Matsima, Schlotterbeck – Fellhauer, Massengo, Rexhbecaj (84. Wolf), Giannoulis – Rieder (81. Kömür), Kade (81. Saad) - Claude-Maurice (62. Essende)
Um kommentieren zu können, müssen Sie angemeldet sein.
AnmeldenSie haben noch kein Konto? Kostenfrei registrieren