Anmerkung der Redaktion: Dieser Text zählt bei unseren Leserinnen und Lesern zu den beliebtesten Stücken und wird deshalb immer wieder ausgespielt.
Dass diese Partie wegweisend werden sollte, wusste man in jenem November 1952 eigentlich noch nicht. Doch zumindest geahnt haben es die Fans im Augsburger Rosenaustadion damals vielleicht schon. Immerhin satte 65.000 Menschen waren beim Testspiel der deutschen Nationalmannschaft gegen die Schweiz vor Ort und sahen zu, wie Deutschland um Fritz Walter und Max Morlock mit 5:1 gegen die Eidgenossen gewann.
Offenbar hatte sich bei diesem Spiel eine Mannschaft gefunden, die harmonierte, erfolgreich war – und so den Beinamen „Augsburger Elf“ bekam. Ganze acht der elf Spieler, die damals für Deutschland auf dem Platz standen, waren auch zwei Jahre später dabei, als Deutschland zum ersten Mal sensationell in der Schweiz Weltmeister wurde. Über 70 Jahre sind inzwischen vergangen. Das Augsburger Rosenaustadion hat immer noch eine besondere Bedeutung für den deutschen Fußball.
Dabei fand hier nie ein Fußball-Bundesligaspiel statt. Immerhin veranstaltete der Deutsche Fußball-Bund hier 1957 das Pokalfinale der Männer, deutsche Leichtathletik-Meisterschaften wurden hier abgehalten, Spiele des Olympischen Fußballturniers 1972 fanden hier statt und bis 2009 war das Stadion Heimat des FC Augsburg – zumindest einige Jahre davon auch in der zweiten Liga. Der Aufstieg in die Bundesliga gelang dem FCA 2011 erst nach dem Umzug in die neuere, moderne WWK-Arena. Seither ist das Rosenaustadion ein Amateurstadion. Und zwar ein besonders großes.
Stadt Augsburg nennt 31.354 Plätze für das Rosenaustadion
Für die zweite Mannschaft des FC Augsburg wie auch für die Regionalliga-Konkurrenz des TSV Schwaben Augsburg ist es das Heimstadion, wenn auch für letztere erst seit 2024. Und auch wenn sich selten mehr als ein paar hundert Zuschauerinnen und Zuschauer zu den Spielen einfinden und große Teile der Tribüne ohnehin geschlossen bleiben, ist die Anlage die größte ihrer Liga; der viertklassigen Regionalliga Bayern. Auch darüber hinaus gibt es kein größeres Amateurstadion im Freistaat. 31.354 Personen passen nach Angaben der Stadt Augsburg auf die Tribüne.
Als Amateurstadion zählt zur Ermittlung für diesen Rekord jedes Stadion, in dem ausschließlich Wettkämpfe im Amateursport betrieben werden. Ein größeres Stadion, in dem etwa nicht Profifußball gespielt wird, gibt es im Freistaat freilich schon: Über 70.000 Menschen passen ins Münchner Olympiastadion. Doch dort fand auch 2022 etwa die Leichtathletik-Europameisterschaft statt, zudem ist die Anlage regelmäßig Ausrichter von Großkonzerten. Der Begriff Amateurstadion dürfte für das Olympiastadion daher unpassend sein.
Die Rosenau ist indes auch bundesweit auf Amateurniveau fast kaum überboten. Dabei kommt ihr die Baufälligkeit einiger anderer Anlagen zugute. Dem grundsätzlich 32.000 Zuschauer fassenden Stadion am Schloss Strünkede von Westfalia Herne fehlt etwa aktuell wegen Arbeiten eine Tribüne. Und mit einigen Baumaßnahmen könnten im Südweststadion in Ludwigshafen theoretisch über 40.000 Menschen Platz finden, auch das Grotenburgstadion des KFC Uerdingen in Krefeld in Nordrhein-Westfalen fasst im Optimalfall 34.500 Personen. Aufgrund von Infrastrukturproblemen wird hier jedoch die offizielle Kapazität inzwischen in beiden Fällen mit nur wenigen Tausend Plätzen angegeben.
Gladbeck übertrifft Rosenaustadion nur knapp bei der Kapazität
Praktisch dürften diese Probleme zwar auch für das Rosenaustadion gelten. Auch hier gibt es Reparaturbedarf an den Tribünen und auch hier wäre die Verkehrsinfrastruktur nicht auf viele Tausende Zuschauerinnen und Zuschauer ausgelegt. Dennoch bleibt es bei der Angabe der Stadt, dass das Stadion offiziell eine Kapazität von über 30.000 Plätzen verfügt. Diese offizielle Kapazität wird deutschlandweit nur von einem Amateurstadion überboten.
Dabei handelt es sich um das Stadion Gladbeck in der gleichnamigen Stadt, das ganze 37.000 Personen fassen könnte und früher unter dem unverkennbaren Namen „Vestische Kampfbahn“ bekannt war. Noch vor Gründung der Bundesliga wurde hier sogar Erstligafußball gespielt, zudem steht es unter Denkmalschutz. Für einen Fußballverein ist das Stadion jedoch inzwischen keine Heimat mehr, Leichtathletikvereine nutzen die Anlage aber weiterhin. Unter den Amateurfußballstadien ist das Rosenaustadion daher bundesweit offiziell das größte. Nimmt man alle Sportarten zusammen, liegt es auf Platz zwei.
Dabei ist die Rosenau übrigens im Sommer jeweils einen Platz aufgerückt, ohne dass dafür irgendwo in Deutschland ein Stein verrückt werden musste. Bis zum Sommer war das Wedaustadion in Duisburg mit 31.418 Plätzen Deutschlands größtes Amateurstadion. Für Fußballfans mag das immer noch irritierend klingen, wenn man das Wedaustadion als Amateurarena bezeichnet, ist es doch Heimat des traditionsreichen Bundesligavereins MSV Duisburg – der jedoch nach seinem tiefen Abstieg in die Regionalliga 2024 tatsächlich ein Jahr lang als Amateurverein galt. 2025 gelang der Wiederaufstieg in die Dritte Liga, die zum Profibereich zählt – und somit wieder das Rosenaustadion zum größten Amateurfußballstadion Deutschlands machte.
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