Die Gelehrten sind sich nicht einig. Was nicht verwunderlich ist. Sie sind selten einer Meinung. Zumindest, wenn es um komplexe Zusammenhänge geht. Trivial-Wissenschaften wie Astrophysik bieten oftmals genau eine Lösung. Die unendlichen Weiten des Fußball-Kosmos aber gestatten Trilliarden Deutungsmöglichkeiten, und jede ist richtig. Beispielsweise die Frage danach, an wievielter Stelle Vincent Kompany als Trainer für den FC Bayern infrage kam. Dritter, Vierter, Zwölfter?
Nicht die erste Lösung: Vincent Kompany war Trainer-Option Nummer xy
Klar ist, dass die Münchner lieber Julian Nagelsmann vom DFB zurückgeholt und sogar die Vertragsauflösung von Thomas Tuchel eher rückgängig gemacht hätten, anstatt den Trainer eines englischen Absteigers zu verpflichten. Möglicherweise wurden auch noch Oliver Glasner, Roger Schmidt und der Trainer des Feriendorfs „Kleine Strolche“ am Timmendorfer Strand angefragt.
Einig sind sich die Gelehrten nicht. Wobei Gelehrte ein weit gefasster Begriff ist, eher firmieren sie als Experten. Lothar Matthäus, Jens Lehmann oder Dietmar Hamann mögen sich nicht auf die sehr begabten Füße getreten fühlen, wenn ihnen der Gelehrten-Status nur bedingt zugesprochen wird.
Skepsis gegenüber dem Trainer: Vincent Kompany wurde nicht nur begeistert empfangen
Was sie und viele Journalisten sowie Fans eint, ist die Skepsis, mit der Vincent Kompany vor 15 Monaten in München empfangen wurde. Mittlerweile darf als gesichert gelten, dass die Münchner mit ihrer Wahl richtig lagen. Die Münchner wiederum tun gut daran, sich nicht zu sehr für die Verpflichtung Kompanys zu feiern. Immerhin war die Quote in den Jahren zuvor übersichtlich. Carlo Ancelotti, Nagelsmann und Tuchel schafften es nur teilweise, die Ansprüche der Vereinsbosse in Ästhetik und Erfolg zu erfüllen.
Das wiederum ist den Bayern auch nicht bedingungslose anzulasten. So sehr sich auch Funktionäre bemühen, Entscheidungen objektivierbar zu machen: Es ist nur teilweise möglich. Die Experten finden Gründe, weshalb Flick beim FC Bayern und in Barcelona erfolgreich ist, bei der Nationalmannschaft aber scheiterte. Weshalb Ancelotti mit Real Madrid dreimal die Champions League gewinnt und seine Münchner Zeit von übersichtlichem Erfolg geprägt war.
Die Trainer-Wahl scheint auch und vor allem eine Glückswahl zu sein. In Vincent Kompany haben die Münchner viel Glück. Selten spielten die Bayern attraktiver als unter ihm. Nichts aber ist schwerer als Erfolg und Glück beizubehalten. „Der Erfolg ist kein Besitz, er ist nur gemietet, und die Miete wird jeden Tag fällig.“ Sagte einst Hansi Flick. Die Gelehrten werden schon wissen, was er damit meint.
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