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Harry Kane spielt Dortmund nieder: Ein Bayern-Spieler wie ein Superheld

Bundesliga

Faust und Hirn des FC Bayern: So gut war Harry Kane vielleicht noch nie

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    Harry Kane war gegen Borussia Dortmund der beste Mann auf dem Platz.
    Harry Kane war gegen Borussia Dortmund der beste Mann auf dem Platz. Foto: Markus Fischer, Witters

    Es gibt verschiedene Lernstrategien und -typen. Einige Menschen lernen am besten mit optischer Veranschaulichung. Sie sind der Typ Videostudium. Vor allem Trainer in den Fußball-Profiligen scheinen zu diesem Typ zu gehören. Sie erzählen gerne davon, wie sie ihre Mannschaft am Bildschirm auf das kommende Spiel vorbereitet haben.

    Dabei vergessen sie manchmal, dass ihre Spieler möglicherweise größtenteils auf andere Weise besser mit Wissen zu betanken sind. Niko Kovac kann man das gewiss nicht vorhalten. Der Trainer von Borussia Dortmund versammelt seine Mannschaft gewiss auch zu gemeinsamen Video-Sessions, aber er vergisst auch nicht die Spieler, die beispielsweise eher durch eine bildhafte Sprache zu fesseln sind.

    Dortmund ohne Biss: Kovac forderte mehr Einsatz gegen Bayern

    Vor dem Spiel gegen den FC Bayern forderte er seine Mannschaft auf, mehr wie eine Faust, statt wie eine Schelle zu spielen. Weil schmerzhafter. Bisschen martialisch, kann im Testosteron-Feld Fußball aber schon verfangen. Tat es nur diesmal in der offensichtlich feingeistigen Dortmunder Mannschaft nicht. Die spielte am Samstag gegen den FC Bayern eine Halbzeit nicht im Sinne einer Faust, sondern gab sich als Händedruck eines Sozialwissenschaftlers aus. Irgendwo zwischen Fisch und Wackelpudding.

    Die Münchner freuten sich über derart wenig Gegenwehr und führten ihren Gegner eine Halbzeit lang vor. Dass es am Ende dieser beeindruckenden 45 Minuten lediglich 1:0 stand, lag an Harry Kane. Zum einen, weil der Brite dieses eine Tor erzielt hatte (22.) und zum anderen, weil Kane dann eben doch nicht überall sein kann und das kann zumindest kommende Gegner vorsichtig optimistisch stimmen.

    Harry Kane spielt wie ein Superheld: Er taucht scheinbar an vielen Stellen gleichzeitig auf

    Über weite Strecken der ersten Halbzeit wirkte es so, als könne Kane vielleicht doch überall auftauchen. Wie ein Superheldenphantom. Kaneman oder so. Der Engländer narrte einmal am eigenen Strafraum gleich drei Dortmunder und spielte anschließend einen potzblitzgescheiten Pass, der einen Konter einleitete. Wenig später nagelte er den Ball diagonal 50 Meter über das Feld, wo sich Michael Olise in ankunftsbereiter Position aufmachte, das Dortmunder Tor zu attackieren. So schnell konnte dann aber nicht einmal Kane im gegnerischen Strafraum auftauchen, um den Angriff zu veredeln.

    Statt seiner mühte sich Nicolas Jackson im Sturmzentrum und im direkten Vergleich fiel umso mehr auf, über welche grandiose Qualität Kane verfügt. Er war für Serge Gnabry, dessen zwickende Adduktoren einen Einsatz unmöglich gemacht hatten, auf die Position im zentralen offensiven Mittelfeld gewechselt und fungierte dort als Schweizer Taschenmesser. Für jedes kleine Problem eine Lösung.

    Der 32-Jährige lieferte eine exorbitant gute Leistung ab, die in dieser Form – auch das eine der guten Nachrichten für die Konkurrenz – nicht beliebig reproduzierbar sein dürfte. Kane selbst sprach davon, dass das Spiel gegen Dortmund „womöglich eines der besten Spiele meiner Karriere“ war. Und doch mussten die Münchner am Ende um den verdienten 2:1-Sieg bangen.

    Am Schiedsrichter lag es nicht: Die Partie wurde durch Spieler wie Kane entschieden

    Der labbrige Händedruck der Dortmunder hatte sich in der Pause dann doch noch in eine zornige Faust geballt. So trafen zwei Mannschaften aufeinander, die in etwa der gleichen Gewichtsklasse angehören, was zweifelsfrei attraktiver ist als der Kampf zweier ungleicher Gegner. David gegen Goliath ohne Steinschleuder wäre wahrscheinlich sehr vorhersehbar gewesen.

    So aber konnte sich Kovac nach dem Spiel über den seiner Meinung nach sehr kleinlich pfeifenden Schiedsrichter Bastian Dankert echauffieren, statt allzu streng mit seiner Mannschaft umzugehen. Dankert hatte vor dem Treffer von Kane zum 1:0 Serhou Guirassy ein wenig geschubst, was zum einen handelsüblich war und zum anderen auch von Kovac goutiert wird („normalerweise kein Foul“), im vorliegenden Fall dann aber doch irgendwie nicht richtig was („bei seiner Linie muss er Foul pfeifen“).

    Am Schiedsrichter lag es nicht, dass die Dortmunder hinten lagen. Am Schiedsrichter lag es auch nicht, dass Olise mit einer selten cleveren Grätsche den Ball zum 2:0 über die Linie drückte (78.)und natürlich lag es ebenfalls nicht am Schiedsrichter, dass die Dortmunder das Spiel durch Julian Brandt nochmals spannend gestalteten (84.). Die Partie wurde durch die Spieler entschieden. Im vorliegenden Fall hauptsächlich durch Harry Kane, Faust und Hirn des FC Bayern.

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