Ein paar Millimeter haben gefehlt. Klingt nach wenig, wobei sich auch die Frage stellt, worin letztlich der Nutzen lag. Das aber spielte bei der Entscheidungsfindung keine Rolle. Die Unterbodenplatte der beiden McLaren-Rennwagen war am Ende des Formel-1-Rennens in Las Vegas zu dünn. Beim Start sind zehn Millimeter vorgeschrieben, neun davon müssen im Ziel noch übrig sein. Bei . Die Disqualifikation war die Folge.
Was war passiert? Durch das ständige Aufsetzen auf dem Asphalt wurde der Unterboden stärker abgerieben als erlaubt. Das sogenannte Hoppeln ist eine Folge der Fahrzeugentwicklung. Mit bewusst gelenkten Luftströmen sollen die Boliden an den Boden gesaugt werden, was die Geschwindigkeit in den Kurven erhöht. Auf unebenen Strecken aber, etwa bei den Stadtkursen von Baku oder Las Vegas, kommt der Unterboden kurzzeitig mit der Straße in Berührung. Die Folge sind Funken, aber auf Dauer eben auch ein abgewetzter Unterboden. McLaren wurde das in der Glücksspielmetropole zum Verhängnis.
Formel-1-Teams sammeln während der Rennen viele Daten. Sie arbeiten mit mathematischen Modellen, die ihnen im Idealfall anstehende Probleme frühzeitig ankündigen sollen. Die Abnutzung der Unterbodenplatte ist allerdings während der Rennen nicht messbar. Lediglich Sensoren, die Vibrationen oder die Hitze messen, können Hinweise auf die Belastung geben. Die Ingenieure hatten beide Piloten während des Rennens darauf hingewiesen, in manchen Kurven den Fuß vom Gas zu nehmen. Womöglich zu spät, um das anstehende Fiasko noch zu verhindern.
Max Verstappen könnte seine Aufholjagd krönen
Das Aus für beide McLaren-Piloten hat eine lange Zeit langweilige Saison wieder spannend werden lassen. Weil der Vorsprung von Norris in der WM-Wertung geschrumpft ist. Drei Möglichkeiten gibt es noch, Punkte zu holen. An diesem Wochenende mit einem Sprintrennen am Samstag und dem Grand Prix am Sonntag (17 Uhr/Sky) in Katar, sowie am 7. Dezember mit dem letzten Rennen in Abu Dhabi.
58 Punkte sind noch im Idealfall möglich, Norris liegt 24 Zähler vor Piastri und Titelverteidiger Max Verstappen. Der Niederländer hat eine Aufholjagd begonnen, mit der nicht zwingend zu rechnen war. Durch die Siege in Monza, Baku, Austin und Las Vegas aber hat er zum einen seinen Willen gezeigt, zum anderen aber auch den Druck auf McLaren erhöht. „Die Situation um McLaren herum, das darf nicht passieren. Wenn dich der Gegner in ein Risiko reindrängen kann, hast du schon verloren“, sagte der ehemalige Rennfahrer Christian Danner in der neuesten Folge des AvD-Motorsport-Magazins.
Danner hatte bei McLaren ein Kommunikationsproblem in Las Vegas festgestellt. Ein Fehler mit solchen Folgen hätte nie passieren dürfen. Norris schien auf einem geraden Weg zu seinem ersten WM-Titel. Platz zwei hatte er sich ursprünglich in Las Vegas gesichert, sein Vorsprung wäre dadurch vor den beiden abschließenden Rennwochenenden deutlich größer gewesen. Jetzt aber hat sich vieles verändert.
Hans-Joachim Stuck traut Verstappen den Titel zu
Für einige Experten ist nun sogar Max Verstappen der Favorit auf den Titel. Es wäre sein fünfter in Folge. Eine solche Serie ist bislang nur Michael Schumacher mit Ferrari gelungen. „Max ist in einer viel besseren Position als die McLaren-Piloten. Wenn man beobachtet, was er macht – ich glaube, er holt das noch. Wie sehr er am Limit ist und wie wenig Fehler er macht – grandios“, sagte der ehemalige Rennfahrer Hans-Joachim Stuck in der Servus-TV-Sendung Sport und Talk aus dem Hangar-7. Der 74-Jährige fügte an: „Max hat den geringsten Druck. Er kann alles einsetzen und hat eine gute Ausgangsbasis. Ich glaube, dass er es schafft.“
Andererseits könnten die Bedingungen in Katar McLaren helfen. Es wird wärmer sein als zuletzt in Las Vegas. „Die Strecke, die langgezogenen Kurven, die schnellen Kurven liegen dem Auto aus meiner Sicht noch ein bisschen besser“, sagte Ralf Schumacher in Backstage Boxengasse – der Formel-1-Podcast von Sky. Der ehemalige Rennfahrer geht davon aus, dass Verstappen Schwierigkeiten haben könnte, das Tempo mitzugehen. Andererseits traut er dem Niederländer auch in Katar Unerwartetes zu. „Natürlich wird Max auch da mit seinem Red Bull zaubern können“, so Schumacher.
Ob es aber reichen wird? McLaren und Norris haben die besten Aussichten, aber nach Las Vegas auch großen Druck. Ob Norris dem gewachsen ist? Im vergangenen Jahr war er schon nah dran am Titel, scheiterte aber. Da soll sich nicht wiederholen. Las Vegas aber hat neue Zweifel gebracht.
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