Wenn nicht in Brasilien, wo dann? Diese Frage könnte sich auch Max Verstappen stellen, dessen Aufholjagd um den Formel-1-Titel zwar überraschend kam, aber tatsächlich noch in einen Erfolg münden könnte. Am Wochenende trifft sich der schnellste Rennzirkus der Welt in Sao Paulo, was in Verstappen spezielle Erinnerungen weckt.
Diese Rennstrecke in Interlagos sei eine ganz besondere, sagte der Niederländer. Vor allem für ihn persönlich. Die Familie seiner Verlobten kommt aus Brasilien, irgendwie lässt sich der Grand Prix am Sonntag also auch als Heimrennen für ihn betrachten. Mit viel gutem Willen. Noch wichtiger aber sind dem 28-Jährigen die sportlichen Momente, die in Brasilien oftmals überraschend sein können.
Wie vor einem Jahr, als Verstappen nach schwieriger Qualifikation und Platz 17 das Rennen einen Tag später gewann. Weil Interlagos unberechenbar ist. „Es kann hier immer mal stark regnen, was zu verrückten Rennen führt“, meinte Verstappen. Wie eben vor einem Jahr. „Das war ein sehr emotionaler Sieg und ein wichtiger Moment in der Meisterschaft“, fügte der Niederländer an.
McLaren hat die anfängliche Dominanz verloren
Im vergangenen Jahr war Verstappen zum vierten Mal Weltmeister geworden. Sein Red-Bull-Rennwagen war zu diesem Zeitpunkt schon längst nicht mehr das schnellste Auto im Feld gewesen, seine fahrerische Klasse aber erlaubte es ihm, am Saisonende den WM-Titel zu feiern. Ein Ziel, das er überraschenderweise auch in dieser Saison wieder im Blick hat.
36 Punkte liegt er hinter dem derzeit führenden Lando Norris, 35 Zähler fehlen ihm auf Oscar Piastri. Klingt bei vier ausstehenden Rennen und zwei Sprintentscheidungen nach viel, war in diesem Jahr aber schon einmal deutlich mehr. Verstappen könnte das Momentum auf seiner Seite haben, während seine McLaren-Rivalen ihre anfängliche Dominanz verloren haben.
Das Rennen in Sao Paolo dürfte ein wichtiger Zwischenpunkt in dieser Saison sein. Sollte Verstappen gewinnen, würde sich sein Rückstand nicht nur verringern, er würde den Schlussspurt mit noch mehr Selbstvertrauen als ohnehin schon angehen können. Zumal die ausstehenden Rennen ihm gelegen kommen dürften.
In Las Vegas dürfte der Red-Bull-Rennwagen schnell sein und zudem auf Hilfe anderer Teams hoffen. Die Glücksspielmetropole in den USA war stets ein guter Ort für Mercedes, die Silberpfeile haben sich bei der Zeitenjagd am berühmten Strip immer als durchaus schnell erwiesen. Ferrari ist zudem eine unberechenbare Größe, die sich in Las Vegas auch vor die McLaren-Fahrer schieben könnte. Verstappen also könnte den Gewinn des WM-Titels noch in eigener Hand haben.
Nach Las Vegas steht noch das Rennen in Katar an, ehe am 7. Dezember das Saisonfinale in Abu Dhabi folgt. Sollte Verstappen bis dahin tatsächlich den Abstand weiter verkürzt haben, würde großer Druck auf Norris und Piastri lasten. Weil sie lange Zeit einen deutlich schnelleren Dienstwagen hatten, dies aber nicht nutzten, um sich weiter an der Spitze abzusetzen. Auch weil McLaren darauf verzichtete, eine Nummer eins zu benennen.
Das führte zu teaminternen Duellen, die nicht selten in Unfällen mündeten. Und damit zu einem frühzeitigen Ausscheiden statt zu satten Punktgewinnen führten. Verstappen dagegen muss sich nicht mit einem auf Augenhöhe fahrenden Teamkollegen herumschlagen. Das führt zwar dazu, dass bei Red Bull alles auf den Niederländer zugeschnitten ist. Aber auch dazu, dass er bei der Weiterentwicklung des Autos oft auf sich alleine gestellt ist.
Die Formkurve von Oscar Piastri zeigt nach unten
Das vergangene Rennen in Mexiko hatte Norris gewonnen, dessen Form stabiler scheint als die seines Teamkollegen Piastri. Der Australier war in Mexiko nur Sechster geworden, was ihm zum einen weiteres Selbstvertrauen raubte, zum anderen aber auch die WM-Führung kostete. Seine Formkurve zeigt deutlich nach unten.
Ganz anders bei Max Verstappen. Seit sich Red Bull von Teamchef Christian Horner getrennt hat, hat ein Aufschwung eingesetzt. Weil dessen Nachfolger Laurent Mekies die zuvor gedämpfte Stimmung wieder aufgehellt hat. Weil Leichtigkeit ins Team zurückkehrte. Mit der Begleiterscheinung, dass auch das Auto wieder wettbewerbsfähiger ist. Gepaart mit den Qualitäten von Verstappen scheint nun sogar wieder der Titel möglich.
Die Konstrukteurswertung hat McLaren sich schon gesichert. Viel bedeutender ist allerdings der Fahrertitel. Auf den wartet die britische Renngemeinschaft schon länger. In dieser Saison scheint die Chance so groß wie selten. Ab 2026 zählt ein neues Reglement, was die Kräfteverhältnisse auf den Kopf stellen könnte. Noch weiß niemand, wer unter den neuen Voraussetzungen das schnellste Auto haben wird.
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