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Gianni Infantino mit denkwürdiger Pressekonferenz vor WM-Start

Fußball-WM 2026

„Chillen, relaxen“ – Gianni Infantinos denkwürdiger Auftritt

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    Fifa-Präsident Gianni Infantino gab abermals ein Meisterstück seiner darstellerischen Klasse.
    Fifa-Präsident Gianni Infantino gab abermals ein Meisterstück seiner darstellerischen Klasse. Foto: Eduardo Verdugo/AP, dpa

    Unterhaltsam ist er schon, der Fifa-Präsident. Am Tag vor dem ersten WM-Spiel führte Gianni Infantino ein Stück auf, das so schamlos nur Gianni Infantino aufführen kann. Der Schweizer hatte vor vier Jahren sein darstellerisches Meisterstück gefeiert, als er bei der Pressekonferenz in Katar einen Blick in seine Seelenwelt offenbarte und preisgab, dass er sich gleichermaßen katarisch, behindert, homosexuell und noch einiges mehr fühle. Beispielsweise noch als Arbeitsmigrant. Die Älteren werden sich daran erinnern, das war damals ein großes Thema rund um die Weltmeisterschaft. Genauso wie eine Binde, die unter anderem die deutsche Mannschaft tragen wollte, es dann aber doch nicht tat. Am Ende feierten die Argentinier, Infantino spöttelte über all jene, die in Katar einen nur mäßig geeigneten Ausrichter der WM sahen und die Erde drehte sich anschließend weiter um die Sonne. Oder Infantino. Je nach Sichtweise.

    Vier Jahre später lud der Fifa-Boss in Mexico-City abermals zu einer Pressekonferenz und er enttäuschte nicht. Bereits in sein Eingangs-Statement bastelte er seine erste rhetorische Künstelei ein. Er hoffe, dass es „auch um Fußball gehe“, sagte er. Das ist lustig, weil bei einem Fußballturnier sollte es ja größtenteils um Fußball gehen und dafür, dass es in Zeiten Infantinos eben nicht größtenteils um Fußball geht – dafür ist ja Infantino nahezu allein verantwortlich. Die großen Themen, die derzeit noch die Fans und Medien beschäftigen: Wie gehen die USA mit dem Iran und der iranischen Mannschaft um? Warum darf ein somalischer Schiedsrichter nicht einreisen? Und warum sind die Ticketpreise eigentlich derart hoch?

    Nun könnte man es sich natürlich leicht machen und behaupten, dass die ersten beiden Fragestellungen einzig von den USA zu beantworten sein. Das wäre zwar ein wenig unredlich als Chef des Fußball-Weltverbandes, aber man muss es ja auch nicht komplizierter machen, als es ist. Weil Infantino mit unredlichen Methoden keine allzu großen Probleme hat, nahm er diesen Weg. Dabei findet das Turnier nur in den USA, in Mexiko und Kanada statt, weil sich Infantino dafür starkgemacht hat. Jetzt aber müsse man schlicht respektieren, „dass wir nicht die Könige der Welt sind, die über Regierungen und die Polizei bestimmen. Wir sind eine Sportorganisation“. Eine freilich, die es dank ihres Chefs monstranzig vor sich her trägt, sich dem Frieden, der Völkerverständigung und ähnlich Kirchentagigen verschrien zu haben.

    Tickets kosten im Schnitt 500 Dollar? Infantino findet das angemessen

    Es sei „natürlich unglücklich“, dass dem Schiedsrichter Omar Artan aus Somalia die Einreise verweigert worden sei. „Wir kontrollieren nicht alles. Wir versuchen, wir werden diskutieren, wir werden sprechen, wir werden sehen. Manchmal ist es gut, einfach zu chillen, relaxen. Wir versuchen, alles zu lösen.“ Chillen und relaxen also. Ähnlich verhält es sich bei der Teilnahme der iranischen Mannschaft. Und die Ticketpreise? Für die ist originär die Fifa zuständig. Im Schnitt kostet eine Eintrittskarte 500 Dollar. „Bevor wir 6,5 Millionen Tickets verkauft haben, haben wir uns mit den besten Anwälten abgesprochen“, so Infantino.

    Allein die Tatsache, dass sich Juristen mit der Rechtmäßigkeit von Ticketpreisen beschäftigen müssen, beschäftigte Infantino nicht. Angemessen seien die Preise. Die Frage ist: Für wen sind sie angemessen? Derartige Details aber sparte Infantino aus. Man kann sich nicht um alles kümmern. Nicht einmal als Fifa-Präsident. Als solcher scheint Infantino Selbstzweifel nicht zu kennen: „Ich bedauere gar nichts“, gab er kund. Man glaubt es ihm.

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