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Formel 1: Dritter Platz reicht für den WM-Sieg: Lando Norris erfüllt sich einen Kindheitstraum

Formel 1

Dritter Platz reicht für den WM-Sieg: Lando Norris erfüllt sich einen Kindheitstraum

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    Lando Norris kann es kaum fassen, der Brite ist der neue Formel-1-Weltmeister.
    Lando Norris kann es kaum fassen, der Brite ist der neue Formel-1-Weltmeister. Foto: Darko Bandic, dpa

    Max Verstappen verschwand noch einmal schnell in der Garage. Kurz vor Rennbeginn stapfte er aus der Startaufstellung davon. Natürlich wolle er das Rennen gewinnen, sagte er noch schnell. Das verwunderte nicht, das wollen Formel-1-Piloten seines Formats immer. Der Niederländer aber wusste, dass ihm ein Sieg alleine in Abu Dhabi nicht reichen würde.

    Verstappen strebt immer nach Höherem. Viermal ist er bereits Weltmeister gewesen, am Sonntag hatte er tatsächlich die Aussicht, seinen fünften Titel hinzufügen. Danach hatte es wegen der Überlegenheit der McLaren-Rennwagen in diesem Jahr lange nicht ausgesehen. Plötzlich aber startete Verstappen eine Aufholjagd, die zu einem brisanten Finale führte. Drei Piloten kämpften um den WM-Titel. Neben Verstappen die beiden McLaren-Fahrer Lando Norris und Oscar Piastri.

    Verstappen tat sein Möglichstes, er gewann das Rennen tatsächlich. Das aber half ihm nicht, da Norris sein gefordertes Ziel erreichte. Der Brite wurde hinter Teamkollege Piastri Dritter und holte sich damit seinen ersten WM-Titel. Mit zwei Punkten Vorsprung vor Verstappen. Dass es noch einmal so knapp wurde, war nicht nötig. McLaren aber leistete sich in der Schlussphase viele Fehler, beinahe zu viele. Dennoch ist Verstappen enttrohnt.

    Die Emotionen übermannen den neuen Weltmeister

    Die Familie von Norris zitterte in Abu Dhabi mit. Die Mutter, sein Vater. Die Geschwister und natürlich seine Freundin. Am Ende lagen sie sich vor Freude in den Armen. Beim neuen Weltmeister brach die Stimme nach der Zieldurchfahrt weg. „Wir haben Geschichte geschrieben. Ihr habt einen Kindheitstraum wahr gemacht“, funkte er noch in die Box. Er bedankte sich bei seinem Team, ehe ihn die Tränen übermannten. Emotionen pur. Der 26-Jährige ist ein verdienter Weltmeister. 152 Rennen hat er für McLaren bislang bestritten, elf davon gewonnen. Sieben in dieser Saison.

    Es sei eine lange Reise gewesen, sagte Norris in seinem ersten Interview. Immer wieder musste er neu ansetzen, die Tränen kamen zurück. „Ich habe schon lange nicht mehr geweint“, entschuldigte er sich. Am Sonntag aber war es wieder so weit. Vor Freude. „Ich bin einfach unglaublich glücklich“, meinte Norris. Er ist der 35. Weltmeister der Formel-1-Geschichte. Es ist ein elitärer Kreis, in den er da vorgestoßen ist. Seit 2008 musste McLaren auf einen Fahrertitel warten.

    Norris startete als Zweiter hinter Verstappen ins Rennen. Noch in Runde eins hatte er auch diesen Platz verloren, da sein Teamkollege Oscar Piastri ihn überholte. Ein überraschendes Vorgehen unter Teamkollegen. Für Norris wurde es ein aufregender Nachmittag. Erst überholt worden, später eine Auseinandersetzung mit Yuki Tsunoda im zweiten Red Bull. Der Verstappen-Teamkollege drückte ihn weit nach außen. Um überholen zu können, musste Norris die Strecke verlassen. Ohne Unfall und ohne Konsequenz von den Rennkommissaren. Für Norris nicht der einzige Schreckmoment. Charles Leclerc erwies sich in seinem Ferrari auf Rang vier lange Zeit als harter Konkurrent. Hätte Leclerc Norris überholt, der Titel des Briten wäre futsch gewesen.

    Lando Norris ist der etwas andere Weltmeister

    So aber ist Norris am Ziel angekommen. Schon vor einem Jahr hätte er sich diesen Traum erfüllen können. Aber da waren weder Team noch er selbst offenbar bereit für den ganz großen Triumph. In dieser Saison aber krönte der Traditionsrennstall seine Entwicklung. McLaren war zwischenzeitlich vor einigen Jahren bis ans untere Ende der Formel 1 abgefallen. In den vergangenen Jahren aber kämpfte sich das britische Team zurück. Und landet nun den ganz großen Coup gerade noch rechtzeitig.

    Wegen der gravierenden Veränderung ab der neuen Saison könnte sich in der Königsklasse viel verschieben. Das Motorenkonzept wird verändert, die Autos werden zudem schmaler. Ein Neubeginn für alle. Und einer, bei dem keiner weiß, wer am Ende vorn steht.

    Norris ist der etwas andere Weltmeister. Nicht so schillernd wie ein Lewis Hamilton, nicht so brachial wie ein Max Verstappen. Norris ist der nette Typ von nebenan. „Ich möchte einfach mein Leben genießen. Das ist eine Einstellung, die vielleicht nicht unbedingt mit Killerinstinkt gleichzusetzen ist“, hatte Norris in einem Interview dem Guardian gesagt und ergänzt: „Ich glaube einfach nicht, dass man diesen haben muss, um Weltmeister zu werden.“

    Norris ist anders. Er hatte zugegeben, dass er vor Rennen auch mal nervös sei. Dass er dann kaum essen oder trinken könne. Als mentale Schwäche hatte ihm das mancher ausgelegt und geschlussfolgert, dass Norris im Kopf nicht stark genug sei, um Weltmeister zu werden. Am Sonntag in Abu Dhabi bewies er das Gegenteil. Rang drei war mindestens gefordert, der 26-Jährige lieferte.

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